Astana hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine rasante Entwicklung erlebt. 1994 als Hauptstadt Kasachstans auserkoren, wurde mitten in der Steppe eine gigantische Kunststadt hochgezogen. Sie sollte das Prestigeprojekt von Präsident Nursultan Nasarbajew werden.

Astana, das bis 1998 Akmola, zuvor Zelinograd und noch viel früher Akmolinsk hieß, bedeutet schlicht „Hauptstadt“ auf Kasachisch. Der Name trifft es ganz gut: Man kommt in eine Stadt, die kaum auf ihren historischen Wurzeln schließen lässt, noch für irgendwas steht, außer dem Sitz der Regierung. Eine Stadt braucht eben Zeit, um sich zu entwickeln. Vor allem wer aus der ehemaligen Hauptstadt im Süden des Landes nach Astana kommt, wird das Lebendige vermissen, was Almaty so lebenswert macht. Da helfen auch keine noch so glänzenden Wolkenkratzer. Nachts fühlt man sich eher nach Las Vegas als nach Kasachstan versetzt: Überall glitzert, blinkt und leuchtet es.

In diesem Jahr feierte Astana seinen 18. Geburtstag. Zum „Tag der Hauptstadt“, fanden zahlreiche Events statt. Die Kunstinstallationen rund um den Baiterek-Turm kann man sich immer noch anschauen. Der Baiterek selbst, von Einheimischen liebevoll „ChupaChups“ genannt, ist das Wahrzeichen statt. Der 105 Meter hohe Turm wurde von Star-Architekt Norman Foster entworfen und im „Ei“ auf der Spitze befindet sich ein goldener Handabdruck des Präsidenten. Die eigene Hand in den Abdruck zu legen, soll Glück bringen. Allein hierfür stehen hunderte Menschen jeden Tag Schlange.

Kurz vor dem Feiertag wurde verkündet, dass die Stadt die Millionengrenze überschritten habe. Die Zahl wird jedoch angezweifelt, da laut offiziellen Angaben die Einwohnerzahl im Mai noch bei 876 000 lag. Dennoch hat sich die Einwohnerzahl seit der Ernennung zur Hauptstadt verdreifacht.

Im kommenden Jahr wird mit der EXPO eine weitere Prestigeveranstaltung in der Vorzeigestadt stattfinden. Dann will sich die Stadt von ihrer besten Seite zeigen. Für die Einwohner bedeutet dies, dass jede Menge ausländischer Gäste kommen werden, die weder Russisch noch Kasachisch beherrschen. Wie ein Taxifahrer bestätigt: „Wir müssen jetzt alle Englisch lernen.“

Othmara Glas ist seit Ende Mai in Almaty und arbeitet als Journalistin bei der DAZ.

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