Man könnte denken, Karneval zu feiern, wäre ganz einfach. Kostüm übergestreift, mit Freunden verabreden, losziehen, ab durch die Kneipen. Gucken, wo es schön ist. Tanzen, schunkeln, singen. Viele Biere trinken. Ab nach Haus. Fertig. Und nächstes Jahr wieder von vorn. Ganz so einfach ist es das dann aber doch nicht. Damit die Karnevalszeit gelingt, müssen viele Dinge beachtet werden. Es kommt mal wieder aufs Detail an.

Die Kunst, sich richtig zu verkleiden

Die passende Kostümwahl ist wohl das kniffeligste am Karneval. Das Kostüm muss was hermachen, man will ja nicht nur feiern, sondern auch gefallen und Kontakte knüpfen. Man ist, was man trägt. Und man muss Anreize schaffen, angesprochen zu werden. Wer einfallsreich gekleidet ist und auch noch mit ein wenig Mühe selbst gebastelt hat, wird angeschaut und angesprochen. Das Motto ist weniger entscheidend, es darf auch gern klassisch sein – Matrose, Pirat, Clown, Indianer – auf die richtige Mischung kommt es an, sich (sprichwörtlich) zum Affen zu machen, trotzdem auch schön zu sein, aber nicht in 08/15 aufzutreten, sondern irgendein winziges Detail an sich zu haben, das einen von den anderen vielen Piraten, Cowboys und Häschen unterscheidet. Utensilien sind immer gut. Etwas, das andere gern anfassen (kleine Tiere, Hörner) oder womit man anderen auf die Pelle rücken kann (zum Beispiel ein Hackebeil, aus Plastik, versteht sich!). Die Utensilien sollten nicht lästig werden, sondern sich am Kostüm befestigen lassen, schließlich muss man beide Hände frei haben, um das Bier zu halten, zu schunkeln, andere anzutippen oder zu umarmen. Dann muss man darauf achten, dass man nicht zu leicht bekleidet ist und sich gleich am ersten Tag eine Grippe oder Blasenentzündung zuzieht, und zu sehr schwitzen darf man auch nicht. Die Bären- oder Tigerkostüme gehören ausschließlich zum Rosenmontagszug! Es bewährt sich das System Zwiebel, um sich entsprechend der klimatischen Verhältnisse zu entblättern. Man braucht viele Taschen für die üblichen Ausgeh-Utensilien (Geld, Feuerzeug, Zigaretten…) und sollte darauf achten, dass die Toilettenbenutzung gewährleistet ist und nicht zu später Stunde zum Beispiel der Drachenschwanz in der Kloschüssel hängt.

Die Kunst, sich im Karneval zu verabreden

Der Karneval lässt sich nicht planen. Wo es lustig zugeht, entscheiden die Leute, die dort sind, und da man vorher nicht weiß, wer wo ist, weiß man vorher nie, wie es wo sein wird. Und dann muss auch noch die eigene Stimmung zu der Stimmung der anderen passen. Treiben lassen, lautet das Motto. Sich bloß nicht zu einer bestimmten Zeit an einen bestimmten Ort festnageln lassen. Sonst steht man drinnen in einer viel zu leeren Kneipe oder draußen vor einer viel zu vollen Kneipe. Oder alles stimmt, und man muss da weg, hin zu einer Verabredung an einem anderen Ort, wo es nur schlechter werden kann. Oder man hat schneller gefeiert als die anderen und trifft sich in einem sehr unterschiedlichen Zustand. Besser, man lässt das mit dem Verabreden ganz bleiben und geht gemeinsam los. Oder lernt einfach die Leute kennen, die da sind, wo man auch ist.

Die Kunst, die richtige Kneipe zu finden

Die Wahl der Kneipe ist gar nicht so einfach. Die meisten sind früher oder später zu voll oder zu leer. Die Kunst besteht darin, eine zu leere Kneipe auszumachen, die später voll wird und lange genug auszuharren. Der Vorteil ist, man kann langsam einsteigen ins Karnevalsgeschehen und sich die besten Plätze sichern (auf einer Bank in Nähe der Theke und Toilette). Der Nachteil ist, es kann passieren, dass sich diese Kneipe bis zum nächsten Morgen nicht füllt und man den Zeitpunkt verpasst, eine andere zu suchen, bevor diese wiederum zu voll ist.

Die Kunst, im Karneval zu trinken

Der typische Touristenfehler besteht darin, möglichst schnell in Stimmung zu kommen, das heißt möglichst schnell möglichst viel zu trinken. Großer Fehler! Vor allem vom Schnaps und einem wirren Durcheinander der Getränke sollte man lassen, sonst ist das Feiern schneller vorbei, als man gucken kann. Zwischendurch gut und kräftig essen, mal ein Wasser oder eine Cola. Mal eine kleine Pause, einen Spaziergang. Und das alles in Ruhe. Dies sind keine neuen Weisheiten, aber im Karneval immens wichtig, wenn man von 14.00 bis 04.00 Uhr und von Donnerstag bis Mittwoch durchhalten will.

Die Kunst, im Karneval zu flirten

Der Karneval hat den Ruf, dass es hoch hergeht. Nicht nur, was das Schunkeln und Trinken angeht, sondern auch das Flirten, was beinahe zwangsläufig und nicht nur im Karneval mit dem Schunkeln und Trinken einhergeht. Ständig würden sich alle küssen (bützen nennen wir Rheinländer das), denken die Karnevalsunerfahrenen. Ganz so einfach ist es dann doch nicht. Man ist zwar ständig zwangsläufig im engsten Körperkontakt, was aber nicht zwangsläufig zu mehr führt. Einerseits wird man nicht ständig geküsst, man muss sich schon ein wenig engagieren. Wem das leicht fällt, der darf aber auch nicht einfach so drauflos küssen, was das Zeug hält. Das Bützen im Karneval sind eher trockene Tantenküsse auf die Wange, tiefer greifende Zungenküsse sind hier nicht gefragt, wenn man noch halbwegs grade stehen und gucken kann. Wer umflirtet wird, sollte dies nicht zu persönlich nehmen, man ist mit Sicherheit die 111. Person, der diese Ehre zuteil wird. Am besten, man erfreut sich daran, mit vielen netten Leuten Blickkontakt zu halten, sich anzustrahlen und in den Arm zu nehmen. Und geht dann wieder allein nach Hause.

Das war noch längst nicht alles, was es zu beachten gilt, aber wenn man diese Grundregeln beachtet, dürfte eigentlich nicht so viel schief gehen. Besser noch, man nimmt sich einen waschechten Rheinländer als Coach an die Seite, der einen sicher durch das Treiben leitet. Alaaf!

Von Julia Siebert

08/02/08

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