Seinen Traumberuf fand der Tadschike Nasim Negmatow durch einen Zufall. Seinen Kindern rät er, viel zu lernen, damit sie es einmal einfacher haben im Leben.

„Ich habe viele Fehler gemacht. Der wichtigste Fehler war, dass ich schlecht in der Schule gelernt habe. Man muss immer lernen, um im Leben etwas zu erreichen!“, sagt der 36-jährige Nasim Negmatow, der schon seit etwa acht Jahren zu Hause als Holzschnitzer in der kleinen Stadt Gafurow im Norden Tadschikistans arbeitet. Die Einwohner der Stadt schätzen seine Arbeit, sind sehr froh und zufrieden, weil Nasim wirklich schöne Möbel mit verschiedenen nationalen Ornamenten macht. Außerdem fertigt er als Holzschnitzer wunderbares nationales Geschirr aus Holz.

Sein Handwerk hat er von Kindheit an von seinem Großvater geerbt, aber er wusste nicht, dass er es einmal fortsetzen würde. In der Schule wollte er nicht gerne lernen und beendete sich schon nach der 9. Klasse. Als Kind träumte Nasim davon, ein Arzt zu werden und Menschen zu helfen. Aber er studierte nicht an der Uni: „Ich bedauere so, dass ich damals nicht zu Ende gelernt habe.“

Seine Familie lebte arm in einem kleinen Haus. Seine Mutter kümmerte sich um die vier Kinder, nur der Vater hatte einen Arbeitsplatz im Teppichkombinat. Die Bezahlung reichte kaum aus, um die Familie zu ernähren. Darum halfen seine zwei Söhne dem Vater, mehr Geld zu verdienen. Nasim erinnert sich: „Mit meinem Bruder und meinem Vater habe ich hart gearbeitet. Während wir Säcke mit Baumwolle schleppten, arbeitete mein Vater an der Werkbank. Außerdem sammelten wir jeden Sommer Aprikosen, trockneten sie und verkauften sie auf dem Markt.“

1995 ging Nasim mit 18 Jahren zur Armee. Dort verdiente er sich etwas Geld, indem er Figuren aus Holz schnitzte und sie anderen Soldaten verkaufte. Nach der Entlassung aus der Armee ging Nasim mit seinem Bruder nach Russland, wo sie als Gastarbeiter auf einer Baustelle beschäftigt waren. Doch auch nach fast fünf Jahren in Russland spricht er die Sprache nicht: „Ich verstehe Russisch jetzt dank meiner Nachbarin und dem Bisschen, das ich in der Schule gelernt habe. Aber nicht, weil ich so lange in Russland war. Wir haben dort niemals die Stadt gesehen und mit den Menschen gesprochen, sondern waren immer auf dem Bau. Dort habe ich einmal mein Handwerk gezeigt, aber der Chef hat nicht meinem Vorschlag zugestimmt, mich in diesem Bereich arbeiten zu lassen.“ Lange konnte Nasim nicht zurück nach Hause kommen, weil er dort keinen Arbeitsplatz hatte und es unwahrscheinlich war, einen zu finden.

Eines Tages bat ihn sein Nachbar um Hilfe. Er wollte mit Nasim einen schweren Tisch tragen. Dieser erwies sich jedoch als so schwer, dass sie ihn fallen ließen und zwei Tischbeine zerbrachen. Nasim sagte, dass er den Tisch selbst reparieren könne und schnitzte obendrein als Entschädigung dafür, dass er ihn fallen ließ, ein paar nationale Ornamente. Schließlich gefiel dem Nachbarn der Tisch so gut, dass er dafür Geld zahlte. Nasim riet man, weiter Möbel herzustellen und diese zu verkaufen.

Seit diesem Tag kennt man ihn als „Nasimi Kandakor“, was Nasim – Meister der Holzschnitzerei bedeutet. Er baut verschiedene Möbel, fertigt Geschirr aus Holz, dekorativ geschmückte Balken und Decken für Teehäuser und Liegestühle (Taptschan). Er hat einen Sohn und eine Tochter. Ihnen erklärt er die Bedeutung von Bildung und wie wichtig es sei, zu lernen. Seinem Sohn bringt Nasim die Holzschnitzerei bei, wie sie von Generation zu Generation weitergegeben wird. Seiner Tochter wünscht er, dass sie Ärztin werden und Menschen helfen kann, wie es bereits sein eigener Traum war.

„Wie komisch das war: Durch einen reparierten Tisch habe ich einen Arbeitsplatz gefunden. Ich habe immer geglaubt, ich muss die Gesundheit von Menschen verbessern. Aber es stellte sich heraus, dass ich mich um die Erhaltung unserer tadschikischen Kultur und Tradition sorgen soll. Ich bin sehr froh und Gott sehr dankbar, dass wir heute in Wohlstand leben können“, zieht Nasim Bilanz.

Von Muchsin Kosimow

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