Welche Chancen und Risiken birgt die „Belt and Road“-Initiative Chinas? Dieser Frage gingen vom 9. bis 19. Juni 20 Studierende aus Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan und Usbekistan in Almaty bei der DAAD-Sommerschule „Von Ost nach West – die neue Seidenstraße in Kasachstan“ nach. Malokhatkhon Turgunova hat im Rahmen der Zentralasiatischen Medienwerkstatt mit dem Organisator der Sommerschule und DAAD-Lektor Thorsten Kaesler über das Projekt gesprochen.

Guten Tag, Herr Kaesler. Wie kamen Sie auf die Idee, eine Sommerschule über die „Neue Seidenstraße durchzuführen?

Die Idee war zunächst überhaupt eine Sommerschule zu machen, unabhängig vom Thema. Das ist wichtig, weil Studenten aus Kasachstan und den anderen zentralasiatischen Ländern die Möglichkeit haben sollen, intensiv Deutsch zu lernen und zwar zusammen in einer Gruppe. Das wird vom DAAD finanziell gefördert. Als Lektor kann ich Geld beantragen, um so eine Sommerschule durchzuführen. Ich glaube, das ist eine Win-win-Situation: Die Studenten bekommen kostenlose, gute und intensive Bildung und für die Organisatoren ist es eine Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln, weil so eine Sommerschule viel Arbeit ist, und man sehr viel lernen kann.

Welches Ziel hatten Sie sich mit der Konzeption der Sommerschule gesetzt?

Hier kommen wir zum Thema der Sommerschule: die neue Seidenstraße. Das ist ein Thema, das vor allem Kasachstan und Deutschland, aber auch die anderen zentralasiatischen Staaten betrifft. Alle Leute, die jetzt hier auf dieser Sommerschule sind, haben irgendwie mit der neuen Seidenstraße zu tun – und sei es nur deswegen, weil sie in einem Land leben, das an diesem Projekt teilnimmt. Deshalb war es uns wichtig, dass wir dieses Thema sowohl akademisch, als auch sprachwissenschaftlich und didaktisch behandeln.

Warum haben Sie sich entschieden, die Sommerschule in Almaty zu machen?

Ich bin DAAD-Lektor in Kasachstan, das heißt, wenn ich überhaupt eine Sommerschule organisiere, muss ich sie hier machen. Ich kann theoretisch natürlich auch an einer anderen Sommerschule teilnehmen, wenn ich dort eingeladen werde. Aber wenn ich es selbst mache, ist es einfach erforderlich, dass das Programm in Almaty stattfindet.

Welche Schwierigkeiten gab es bei der Organisation?

Generell ist die Organisation immer schwierig, weil es gilt, viele verschiedene Interessen auszutarieren. Es gibt die Interessen der Studenten, es gibt die Interessen der Universitäten, es gibt die Interessen des DAAD, es gibt mein eigenes Interesse. Und die Sommerschule ist nur dann erfolgreich, wenn es gelingt, diese Interessen miteinander zu vereinbaren. Das ist nicht immer so leicht.

Wie haben Sie die Teilnehmer ausgewählt?

Wir haben ein Bewerbungsverfahren gemacht. Wir haben einen Lebenslauf gefordert und noch andere Dokumente. Dann haben wir zusammen in einer Jury die besten Teilnehmer ausgewählt, nach verschiedenen Kriterien. Ein Kriterium war die Vollständigkeit der Unterlagen, ein anderes die Noten der Teilnehmer. Auch die Sprachkenntnisse spielten eine Rolle ebenso wie die Kreativität der Bewerbung. Wir haben ein Foto verlangt, das eine Auseinandersetzung mit dem Thema „Neue Seidenstraße“ zeigen sollte. Je kreativer und je besser dieses Foto, desto größer war auch die Chance auf eine Teilnahme.

Es gibt viele Vorträge während der Sommerschule. Worauf haben Sie bei der Auswahl der Referenten besonders Wert gelegt?

Wir haben zum einen auf formale Voraussetzung Wert gelegt: Dass die Dozenten aus ihrem Fach sind, dass Vorträge von Leuten gehalten werden, die auch professionell in diesem Bereich sind. Andererseits haben wir solche Leute ausgewählt, die sich bereits auf ihrem Fachgebiet mit der neuen Seidenstraße beschäftigen, ob das nun Logistik ist, Politikwissenschaft oder Geschichte.

Es gab auch eine Exkursion zu Logistikfirmen. Welchen Mehrwert hatte diese für Teilnehmer?

Sie konnten dadurch die Realität der neuen Seidenstraße besser sehen. Die neue Seidenstraße ist ein großes politisches Projekt. Sie hat aber schon konkrete Auswirkung gerade im Bereich Logistik. Denn mit der neuen Seidenstraße sind Bahnstrecken und neue Handelskorridore verbunden. Firmen im Bereich Logistik sind direkt von der Auswirkung der neuen Seidenstraße betroffen. Dadurch konnten die Teilnehmer aus der Theorie in die Praxis hineingehen.

Sind Ihre Vorstellungen von dieser Sommerschule in Erfüllung gegangen?

Ich glaube schon, dass es gut gelaufen ist.

Wird es auch nächstes Jahr eine Sommerschule geben?

Grundsätzlich kann ich mir gut vorstellen, noch einmal eine Sommerschule zu organisieren, aber es gibt noch keine konkreten Pläne. Jetzt ist der nächste Schritt diese Veranstaltung hier nachzubereiten und zu evaluieren. Danach kann man erst weitergehen und sich über mögliche neue Sommerschulen und Projekte Gedanken machen.

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