Sauna-Traditionen sind in jedem Land anders, so auch in Kasachstan. Von Birkenzweig-Schlägen über extreme Temperaturen bis hin zu klassisch entspannenden Massagen bietet die Arasan-Therme ein umfassendes Erholungsangebot. Banjas sind in der kasachischen Kulturgeschichte mindestens so bedeutend wie die Seidenstraße.

In Nur-Sultan wächst ein Monument nach dem anderen in die Höhe, die Stadt verkörpert mit seinen gigantischen Bürogebäuden eine allzu beschäftigte Geschäftswelt. In Almaty hingegen, einer Stadt, die natürlich gewachsen ist, können die Bewohner entspannt die Füße hochlegen. Hier kann man in alt-ehrwürdigen architektonischen Meisterwerken die Seele baumeln lassen.

Die Arasan-Therme wurde 1982 fertig gestellt, als eines der letzten Bauwerke der Kunajew-Ära, und erst 2012 umfassend renoviert. Wer meint, die eindrucksvollsten Gebäude im Land seien nach dem Ende des Sozialismus beim Bau der neuen Hauptstadt entstanden, der hat die Bäder in Almaty noch nicht besucht.

Arasan vereint traditionelle orientalische Baukunst mit modernen Elementen. Für einen Kontrast sorgen die schlicht gehaltene Fassade und ein schön ausgestatteter Innenraum.
Für einen schmalen Taler kann man in Arasan ganz einfach seinen Arbeitsalltag vergessen. Ein kurzer Besuch außerhalb der Stoßzeiten kostet hier gerade mal 1.200 Tenge. Außerdem ist eine Stunde hier wirklich eine Stunde, denn es werden zwanzig Minuten für die Umkleide auf das Zeitkonto gutgeschrieben. Sollte man sich beim Verlassen der Therme verspäten, zahlt man pro Minute nur dreißig Tenge.

Letzteres kann durchaus passieren – denn dass sich auch im 21. Jahrhundert das soziale Leben noch nicht komplett im Internet abspielt, lässt sich im Arasan beobachten. Der kasachische Diskurs findet nämlich hier in öffentlichen Räumen statt. Dort wo der Schweiß tropft, sind die politischen Debatten oft hitziger als im Parlament. Da kann man bei einem harmlos anfangenden Geschwätz schnell mal die Zeit aus den Augen verlieren.

Unbedingt Birkenzweige kaufen!

Frauen und Männer saunieren in zwei voneinander komplett abgeschotteten Bereichen, dadurch sind die Unterhaltungen leider manchmal ein wenig einseitig. Des Weiteren ist es untersagt, ohne Badelatschen den Saunabereich zu betreten.

Wer sich ein traditionelles Banja-Erlebnis erhofft, der sollte unbedingt vor dem Eintritt Birkenzweige kaufen. Es gibt die Möglichkeit, für 2.000 Tenge eine echte „Wenik-Massage“ zu genießen. Man kann es Massage nennen – oder Prügel, denn dabei wird auf fast alle Körperteile inklusive Gesicht eingehauen. Die Einheimischen schwören auf den Gesundheitseffekt, den diese Tortur mit sich bringt.

Die meisten Leute laufen nackt in der Sauna, oft haben sie ein Handtuch locker um die Hüften geschwungen. Es ist aber überhaupt kein Problem, wenn man sich mit Schwimmsachen wohler fühlt.

Vor jeder Banja gibt es Informationstafeln in drei Sprachen. Jedoch ist den Temperaturangaben nicht wirklich zu trauen, wenn etwa an der Hamam-Sauna 40 bis 50 Grad angezeigt werden, der Schweiß aber unter gefühlter Extremhitze rausgelassen wird. Am heißesten ist es in der Finnischen Sauna, während man in der Russischen Banja die Durchblutung der Haut anregen kann, und in den türkischen Dampfbädern gibt es eine Luftfeuchtigkeit von mindestens achtzig Prozent. Letztere wird auch gerne marokkanische Hamam genannt.

Für den obligatorischen Kälteschock danach gibt es ebenfalls genügend Möglichkeiten. Man kann in ein Fass tauchen, sich einen Eimer Wasser über den Kopf schütten, und natürlich gibt es auch die klassische kalte Dusche oder ein paar Minuten im Bad.

Öffentliche Bäder haben lange Tradition in Kasachstan

Das Bad ist ebenfalls technisch brillant entworfen. Durch die runde Form und den gewölbten Bögen an den mosaikverzierten Wänden läuft das Kondenswasser einfach an der Wand ab und tropft nicht irgendwo von der Decke. Außerdem gibt es genügend Sitz- und Liegemöglichkeiten. Das Beste daran ist, dass diese allesamt von unten beheizt werden. Die sanfte Wärme in den Ruhepausen zwischen Saunagängen ist besonders nach der kalten Erfrischung sehr wohltuend.

Wem das nicht zur Entspannung reicht, der kann sich auch für 9.000 Tenge eine klassische Massage buchen. Für Frauen werden diese auch in Kombination mit diversen Kosmetik- und Wellnessbehandlungen angeboten.

Für Neuankömmlinge in der Stadt, die wahrscheinlich einen langen und anstrengenden Reiseweg hinter sich haben, darf diese Erfahrung auf keinen Fall fehlen. Öffentliche Bäder haben in Kasachstan eine lange Tradition. Entlang der Seidenstraße wurden schon im frühen Mittelalter, auch wegen der vielen Durchreisenden, Thermen zur Erholung von den Strapazen der langen Wege errichtet. Egal, ob Almaty ein kurzfristiger Zwischenstopp ist oder einen längeren Lebensabschnitt ausfüllt. Fakt ist: Ein Besuch in der Therme Arasan darf auf keinen Fall fehlen.

Lukas Kunzmann

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