Zu den schon nicht mehr ganz neuen Innovationen, die unser tägliches Leben mehr oder weniger strukturieren, gehört das Internet. Nicht nur für junge Leute ist es kaum vorstellbar, wie man ohne diese Erfindung überhaupt jemals leben konnte. In Kasachstan gibt es mittlerweile etwa fünf Millionen Nutzer, die vor allem in den Städten zu finden sind. Das Netz verändert stark die Wirtschaftsstrukturen, immer weniger müssen wir persönlich irgendwo erscheinen, sondern können uns auf Distanz bedienen lassen. Zwar hängen wir heute vom Internet genau schon so ab, wie von einer stabilen Strom- oder Wasserversorgung, doch das bringt uns eher Vorteile.

In vielen Bereichen stehen wir erst am Anfang der Möglichkeiten, so zum Beispiel im Bereich staatlicher Dienstleistungen über das Internet. Der Vorteil ist, dass man nicht in Warteschlangen in muffigen Behördengängen stehen muss, bis man von einem mehr oder weniger freundlichen Beamten aufgeklärt wird, dass man gerade den falschen Zettel ausgefüllt hat. Elektronische Regierung oder E-Government wird das Ganze genannt und soll nicht nur dem Bürger Erleichterung bringen, sondern auch die Kosten der staatlichen Verwaltung reduzieren. Dagegen kann man prinzipiell wohl nichts einwenden, schließlich werden dadurch Steuern eingespart, die an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden können.

Auch in Kasachstan hat man sich bereits vor einigen Jahren dem Vorhaben verschrieben, die Verwaltungsstrukturen mit Hilfe des Internets zu rationalisieren. Natürlich müssen dazu internetfähige Dienstleistungen identifiziert werden, nicht alles lässt sich auf elektronische Art erledigen. Allemal aber wesentlich mehr, als man sich allgemein so vorstellt. Notwendig ist die Anpassung der für den Bürger notwendigen Papierchen, Nachweise oder Registrationen an das Internet. Schließlich soll der Nutzer nicht länger vor dem PC sitzen als vor dem Behördenzimmer. Das ist schon eine ziemlich anspruchsvolle Aufgabe, zumal das Ganze ja auch noch fälschungssicher sein soll, denn niemand will von einem bösartig veranlagten Nachbarn auf dem Wege des Internets ein gar nicht vorhandenes Baby angemeldet haben – das nur so als Beispiel.

Naturgemäß ist der Entwicklungszustand des Angebots an über das Internet abrufbaren staatlichen Leistungen auch in Kasachstan noch sehr differenziert. Die meisten Ministerien bieten nur ein oder zwei Dienstleistungen an, lediglich das Justizministerium hat schon 20 Dienste im Angebot. Besonders gefragt sind im Moment vor allem Registrierungen von Käufen und Verkäufen von Immobilien, gefolgt von der Registrierung verschiedener Veränderungen in den persönlichen Lebensumständen (Adressänderungen, Namensänderungen, Geburten- und Sterbefälle).

Die bisher erreichten Transaktionen und ihre Zuwachsraten können sich trotz der noch begrenzten Zahl der Internetnutzer durchaus sehen lassen. So wurden im Verlauf des Jahres 2010 insgesamt 1.000.671 allgemeine Bescheinigungen (die allseits beliebten „spravki“) über das Portal der Regierung www.egov.kz ausgegeben. Diese Zahl eines Gesamtjahres wurde in diesem Jahr bereits in den ersten vier Monaten erreicht. Der Spitzenreiter im vergangenen Jahr waren spravki in Immobilienangelegenheiten. Nicht weniger als 1,3 Millionen Mal wurde diese über das e-Portal ausgestellt. Die genannte Website der Regierung wird täglich etwa 11.000 Mal angeklickt, eine halbe Million Menschen haben sich schon für das elektronische Unterschriftsverfahren registrieren lassen. Dieses ist Voraussetzung dafür, dass man am elektronischen Fortschritt teilnehmen und sich und seinem Staat Zeit und Nerven sparen kann.

Hinter dieser Entwicklung hinken allerdings noch die Transaktionen der Unternehmen hinterher und zwar vor allem seitens des Angebots der staatlichen Stellen. Wenn man dieses positiv wertet, kann man auf die Notwendigkeit gründlicher Vorbereitung hinweisen. Wenn man es kritischer sehen will, kann man vermuten, dass manche Beamte ihre Melkkuh nicht so schnell schlachten wollen. Schließlich ist die Elektronisierung der Prozesse auch ein Weg, der Korruption wenn nicht ganz unmöglich macht, so doch deutlich erschwert.

Bodo Lochmann

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