Zuletzt ereilte mich ein interessanter Anruf. Eine Dame meldete sich als Vertreterin der Faschingsabteilung. Cool! befand ich. Da war sie ja genau richtig bei mir, da derzeit meine wichtigste Frage ist, wie ich mich im nächsten Jahr zum Karneval als Sollbruchstelle verkleide, womöglich hat sie meinen letzten Beitrag dazu in der DAZ gelesen.

Mit der Ankündigung weckte die Dame auf Anhieb eine Unmenge an Synapsen, die aufgeregt durch mein Hirn schossen und munter Fragen stellten: Fasching? Ja, hurra! Ist es schon wieder soweit? Der letzte Fasching kam mir gar nicht so lange her vor. Na ja, egal, Fasching kann man ja eigentlich immer feiern! Und wieso Fasching? Hier heißt das doch Karneval! Und wieso Faschingsabteilung? Welches Amt, Unternehmen oder Ministerium hat denn so was? Ein Textilunternehmen, das auch Kostüme herstellt. Oder ein Ministerium für heitere Angelegenheiten und sonstige Festivitäten. Oder das Amt für Freude und Frohsinn. Oder gar ein Hochschulinstitut, das die Kultur von Festen und Traditionen unter das Mikroskop klemmt.
In jedem Fall fühlte ich mich als kompetente Gesprächspartnerin angesprochen, hoffentlich wollte die Dame mit mir ein Experteninterview führen, ich war bereit! Im schlechtesten Fall war sie von einer Justiziarbehörde, und ich sollte zu Rechenschaft gezogen werden, weil ich letztes Mal im Hunsrück gefeiert habe und nicht in meinem Zuständigkeitsgebiet Köln. Und weil noch nie jemand von der Faschingsabteilung gehört hat, ist sie womöglich dem Geheimdienst unterstellt. Spannend – auf allen Ebenen!

Wie und wo auch immer – in jedem Falle macht eine Faschingsabteilung Sinn, wie Sie sehen. Tätigkeitsbereiche gibt es derer viele. Und ich überlege, ob ich in meinem kleinen Institut nicht auch so eine Faschingsabteilung gut gebrauchen könnte. Dann könnte ich mir gleich mal einen kameradschaftlichen Rat einholen. Doch als ich mich näher erkundigen wollte, wie viel Personal und welche Büroausstattung und Software man für eine Faschingsabteilung benötigt, sprach die Dame weiter. Richtig, sie hatte ja ein Anliegen. Es gehe um einen Antrag. Aha, da kamen wir der Sache näher. Sicherlich ging es um ein karnevalistisches Projekt. So einen Antrag habe ich schon mal gestellt und durchgeboxt, als ich in Russland allmonatlich einen Karneval der Kulturen veranstaltete. Sozusagen mein Spezialgebiet.

Während der folgenden Ausführungen wich die Dame jedoch immer mehr vom Karneval ab. Sie schien den Kern der Sache nicht zu treffen. Aber deswegen braucht sie ja auch mich als Expertin. Bis irgendwann der Groschen fiel: Es ging gar nicht um den Karneval oder Fasching, sondern um einen öden schnöden Netzwerkauftrag. Häh?! Mit dem Aufprall des Groschens auf dem Boden verschwand plötzlich mein Interesse. Ich konnte nur mit Mühe ein Gähnen unterdrücken. Kraftlos wie am Aschermittwoch sagte ich, ich würde drüber nachdenken und mich dann bei ihr melden. Sie gab mir ihre E-Mail-Adresse, in der sie als Vertreterin einer Forschungsabteilung auftauchte. Ach sooo! Ein Freudscher Versprecher also beziehungsweise ein Sprachproblem, weil in ihrem hessischen Dialekt aus Forschung leicht Fasching wird. Und wieder einmal hat die Fantasie für einen langen Moment die Wirklichkeit etwas aufgepeppt.

Julia Siebert

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