Es wird heutzutage viel geGENDERt, und das ist auch gut so, beispielsweise beim Lohnniveau. Aber bei aller Gleichstellerei gibt es doch Bereiche, in denen klarer getrennt werden sollte, vorzugsweise beim Fußball.

Nicht, dass Sie mich falsch verstehen, Frauenfußball finde ich gut. Auch wenn die Spiele langsamer und weniger aufregend verlaufen als bei Männern, weil Männer kraft ihrer Natur körperlich und mental so ausgestattet sind, dass sie schneller flitzen, härter schießen und besser rempeln können als Frauen. Aber Frauen, die sich ernsthaft mit Fußball auseinandersetzen, sind willkommen, und da gibt es beim Frauenfußball gar keinen Zweifel.

Beim Fußballschauen wird es schon schwieriger. Es gehört sich, dass man sich ganz dem Spielverlauf verschreibt, wie ein Beifahrer insgeheim mit auf die Bremse bzw. gegen den Ball tritt, lange Züge aus der Bierflasche nimmt und saftige Bratwürste verspeist; dass man fachsimpelt, Urlaute ausstößt und aus dem Sessel springt, wenn was passiert. In dieser Hinsicht sind Männer die eindeutig kompetenteren Fußballgucker. Manche Frauen können das auch, vielen fehlt dafür jedoch der nötige Botenstoff, Testosteron oder was auch immer es sei. Gar nicht haltbar sind Frauen, die als Partnerinnen von Männern mit zum gemeinschaftlichen Fußballgucken kommen, weil sie sonst nichts Besseres zu tun haben.

Beim ersten EM-Spiel waren Frauen eben dieser Kategorie mit von der Partie. Eine blätterte während des Spiels in einer Zeitschrift, gähnte in einem fort, besetzte den Grill mit ihren unappetitlichen Vegetarierinnen-extra-Würsten und fing in der 87.! Minute an, ihre Tupper-Döschen einzusammeln, um 1 Minute nach Spielende aufbrechen zu können, weil sie müde sei und dringend ins Bett müsse, ihren Mann im Schlepptau. Ohne Worte! Eine andere Frau zeigte zwar schon Interesse am Spiel, konnte aber ihr hausfrauliches Gen nicht unterdrücken und war immerzu mit dem Auf- und Abtragen von Geschirr und Essen zugange, um kurz nach Ende des Spiels ganz unromantisch die Küche aufzuräumen und zu spülen (sie war nicht mal die Gastgeberin, wohlgemerkt).

Um den Leserinnen die Selbstverständlichkeiten noch mal klar aufzuzeigen: Während des Spiels gibt’s nur eines – das Spiel. Nicht minder wichtig ist die Einstimmung durch die Vorberichterstattung, die Kommentierung in der Halbzeit und der Ausklang – je nach Ausgang des Spiels beseelt oder belämmert dazuhocken und alles wieder und wieder Revue passieren zu lassen, bis das Spiel bis zum letzten Zipfel ausufernd ausgewertet und verdaut ist. Und das braucht Zeit, Ruhe und Bier. Und keinesfalls hektisches Gefummel im Spülbecken!

Ich habe genug männliche Gene, um ein Fußballspiel ordnungsgemäß anzuschauen, aber zu viele weibliche Gene, so dass mir das frauliche Gebaren nicht egal ist. Die Männer schien es nicht zu stören, was die Frauen da trieben. Ein waschechter Mann kann nämlich besser auf Durchzug schalten, hat von Natur aus Scheuklappen an (von wegen Mammutjagd und so) und kann sich von daher besser aufs Spiel konzentrieren als wir multitasking-begabte Frauen, deren Antennen alles Mögliche einfangen. So blieb mir nur eins: die EM allein daheim zu verfolgen. Was mir anerkennende Reaktionen von den Männern eingebracht hat. Eine Frau, die allein daheim Fußball schaut – damit scheint man sich fast für die Teilnahme an einer Mammutjagd zu qualifizieren. Mir egal, Hauptsache, es wird in entscheidenden Momenten nicht gespült.

Julia Siebert

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