Wenn es nach Kasachstans Umweltschützer geht, soll das geplante Ski-Gebiet Kok-Schailau nicht gebaut werden. Es könnte der Austragungsort der prestigeträchtigen Olympischen Winterspiele 2022 werden. Doch die Umweltaktivisten finden, dass es Wichtigeres gäbe, als Geld für die Ausrichtung solcher Großprojekte auszugeben.

 

Die Chancen stehen 50:50. Entweder bekommt Peking den Zuschlag für die Ausrichtung der Olympischen Spiele oder Almaty. Ob es wirklich dazu kommt, bezweifelt Sergej Kuratow. Er ist der Vorsitzende der Öko-Gesellschaft „Grüne Rettung“ und weiß, dass das Internationale Olympische Komitee bei der Entscheidung für den möglichen Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2022 auch ökologische Daten zurate zieht.
Wie hoch ist zum Beispiel der Smog? Sind der Bau eines neuen Ski-Resorts auf Kok-Schailau und die Ausrichtung der Winterspiele nicht eine doppelte Falle für die Entwicklung Kasachstans? Diese und weitere ernsthafte Fragen stellten sich Vertreter von vier Umwelt– und Ökologieorganisationen während einer Pressekonferenz in Almaty.
Anlass dazu war die im Parlament geführte Debatte um die Änderung des aktuellen Staatshaushaltes, der bereits bis zum Jahr 2016 festgelegt ist. Ende Oktober gab das Finanzministerium bekannt, dass dieser allerdings wegen der der aktuellen Wirtschaftslage angepasst werden muss. Grund ist ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts aufgrund von Einnahmeverlusten, die unter anderem durch den sinkenden Ölpreis bedingt sind.
Vor diesem Hintergrund forderten die Umweltorganisationen, besonnener über die Einplanung von staatlichen Geldern für Großbauprojekte nachzudenken. Sie verfassten einen offenen Brief an die Abgeordneten der Maschilis, dem kasachischen Parlament, in dem sie ihre Zweifel über die Ausgaben für den Bau des Ski-Resorts Kok-Schailau zum Ausdruck brachten.
„Wir wollen auf keinen Fall, dass es keine Prestigeprojekte wie die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2022 in Kasachstan geben soll. Wir wollen auch auf keinen Fall verhindern, dass neue Kurorte gebaut werden. Aber wir sagen, dass es dringendere Probleme in Kasachstan gibt, die zuerst gelöst werden sollten“, findet Abai Jerekenow. Er ist Vorsitzender des Ökologischen Rates „Tabigat“.
Dabei verrät ein Kommentar auf dem Onlineportal der Zeitung „Caravan“, dass die Umweltaktivisten nicht die einzigen sind, die sich Gedanken über die Zukunft der Republik machen. Die Zeitung hatte ebenfalls über den offenen Brief der Umweltaktivisten an die Abgeordneten berichtet. Hier wünscht sich zum Beispiel ein User vom Akimat, dass man zuerst die Sache mit der Luftverunreinigung in Almaty in den Griff bekommen sollte. Danach dürfe man auch über den Bau eines neuen Kurortes nachdenken.
Dicke Luft ist in Almaty keine Seltenheit. Das ist allgemein bekannt. Kok-Schailau soll auch kein Luftkurort, sondern ein Ski-Resort auf internationalem Niveau werden; gerade richtig, um die Winterspiele 2022 ausrichten zu können. Solche großen Veranstaltungen sollen das Image der kasachischen Republik in der Welt positiv beeinflussen.
Die Luft ist nicht nur für Touristen ein Thema, sondern auch für Wohnungsverkäufer– und Vermieter. Mitte Oktober gab es dazu in der südlichen Hauptstadt eine wissenschaftliche Untersuchung auf Initiative des Portals „odome.kz“, das über den kasachischen Wohnungsmarkt informiert. Demnach gibt es in Almaty Stadtteile, in denen der Anteil an Kohlenmonoxid unter der Norm liegt, zum Beispiel im Bezirk Medeu beträgt er 2,55 Milligramm pro Quadratmeter. Es gibt aber auch Stadtteile, in denen die Belastbarkeitsgrenze überschritten wird. Zum Beispiel im Bezirk Turksib. Dort schweben 4,16 Milligramm Kohlenmonoxid pro Quadratmeter in der Luft. Ein Teil der Verunreinigung verursachen Autos. Besonders an der Kreuzung Sejfullina, Ecke Raimbek-Straße wurden die höchsten Werte gemessen.
Ob das reicht, um Peking, eine auch vom Smog belastete Stadt, als Austragungsort für die Olympischen Winterspiele 2022 auszustechen? Seine Entscheidung wird das Internationale Olympische Komitee im kommenden Jahr bekanntgeben.

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