Kasachstan begeht am 16. Dezember feierlich den 17. Jahrestag seiner Unabhängigkeit. Obwohl das „Kind“ noch nicht volljährig ist, bietet der Zeitraum von 1991 bis 2008 doch Gelegenheit für einen kurzen Rückblick.

/Bild: Ulf Seegers. ‚Eingetrübter Ausblick: Wolken über der Konzernzentrale von KasMunaiGas.’/

Der Weg vom ehemaligen sowjetischen „Laboratorium der Völkerfreundschaft“ zu dem Wirtschaftswunderland Zentralasiens mit durchschnittlich zehn Prozent Wirtschaftswachstum nach der Jahrtausendwende war nicht frei von Verwerfungen und Spannungen, er ist aber auch von Kontinuitäten geprägt. Dabei war die Ausgangslage Anfang der 1990er Jahre nicht günstig.

Startschwierigkeiten

Auf Grund der Größe des Landes, der ethnischen Heterogenität sowie insbesondere des hohen russischen Bevölkerungsanteils schätzten westliche Beobachter das plötzlich souverän gewordene Land als politisch instabil ein und prognostizierten baldige Nationalitätenkonflikte. Braindrain, Auswanderungsbewegungen der Russlanddeutschen, Russen und anderer Nationalitäten dezimierten die mit 15 Millionen ohnehin dünne Bevölkerung, und das Gesundheits- und Bildungswesen brach deutlich ein. In dem bevölkerungsreicheren und ethnisch einheitlicheren Nachbarland Usbekistan sah man deshalb eher die kommende zentralasiatische Wirtschaftsmacht.

Doch trotz Elitenrotation und steigendem Einfluss von ethnischen Kasachen in Politik und Wirtschaft betrieb die Regierung unter Präsident Nasarbajew eine innenpolitisch kluge Integrationspolitik. Sie band slawische Bevölkerungsgruppen in die „kasachstanische“ Nationenbildung mit ein und öffnete im Gegensatz etwa zum usbekischen Präsidenten Islam Karimow das Land für ausländische Investoren. Auch wurde die Notwendigkeit der Zusammenarbeit und Kontinuität mit den sowjetischen Nachfolgestaaten betont und einer radikalen Abschottung des Landes eine Absage erteilt.

Wirtschaftswachstum dank Rohstoffen

Nach Startschwierigkeiten gelang mit dem Rohstoffsektor als Motor der zunehmend dynamischer werdenden Entwicklung die Umwandlung von der Plan- zur Marktwirtschaft ebenso wie die Schaffung eines stabilen Währungs- und Finanzsystems. Kasachstan ist mit einer Produktion von 67,5 Millonen Tonnen im Jahr 2007 der zweitgrößte Ölförderer in der GUS nach Russland. Die Ölfelder Tengis und Kaschagan zählen zu den weltweit größten Funden der letzten 20 Jahre. Das erklärte Ziel der Überwindung der Rohstofflastigkeit und der Diversifizierung der Wirtschaft konnte bislang allerdings nur teilweise erreicht werden.
Das Land wurde nicht nur als Energielieferant und Handelspartner interessant. Auch als Partner im Kampf gegen den internationalen Terrorismus und den Drogenhandel, insbesondere nach dem 11. September 2001, wurde es neben Usbekistan und Kirgisistan zu einem wichtigen Pfeiler in der amerikanischen Militär- bzw. Außenpolitik.

Die derzeitige, von den USA ausgehende weltweite Finanz- und Immobilienkrise ist auch an Zentralasien nicht spurlos vorübergegangen. Ob die von der kasachstanischen Regierung bereitgestellten 19 Milliarden US-Dollar ausreichen werden, die Folgen für die Realwirtschaft und insbesondere die Bauwirtschaft abzufedern, wird sich angesichts zur Zeit sinkender Rohstoffpreise, einer hohen Inflationsrate (2007: 18,8 Prozent) sowie steigender Arbeitslosigkeit zeigen.

Innenpolitisch zeichnete sich ein Generationswechsel ab. Die Zeit der „roten Direktoren“, die 1991 um die 50 und älter waren und den großen Kombinaten vorstanden, scheint vorbei zu sein. Zu diesem Zeitpunkt war die Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei eher ein Vorteil, da alte Netzwerke und der erreichte Status ein Sprungbrett für eine weitere Karriere darstellten. Die neue, postsowjetische Führungsgeneration hat im Ausland ein juristisches oder wirtschaftliches Studium absolviert, spricht fließend englisch, ist reformorientiert und international vernetzt.

Von Konstantin Dallibor

12/12/08

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