Studenten von Baumwollernte abgezogen

Baumwollernte in Usbekistan. | Bild: Autor

Usbekistans Premierminister Abdulla Aripow hat überraschend Studenten und Staatsangestellte von der Baumwollernte zurückgerufen. Normalerweise werden sie zur Hochsaison zur Arbeit auf den Feldern zwangsverpflichtet. Zudem wird der Anbau von Baumwolle reduziert.

Es ist wieder soweit: In Usbekistan steht die Baumwollernte an. Jedes Jahr im September erreicht sie ihre Hochsaison. Üblicherweise werden hierzu Studenten, Lehrer und selbst Ärzte zur Arbeit auf die Felder abkommandiert. Doch dieses Jahr hat sich etwas geändert: Premierminister Abdulla Aripow rief Studenten und öffentliche Angestellte im Bildungs– und Gesundheitswesen zurück. Sie sollten ab dem nächsten Tag wieder ihrer eigentlichen Arbeit nachgehen.

Kurz vor Mitternacht des 21. September hatte Aripow eine Kabinettssitzung einberufen, in denen er den Ministern auftrug, einen Beschluss vom 8. August umzusetzen. Darin heißt es: „Es wird strengstens verboten, Personen, die noch nicht das 18. Lebensjahr vollendet haben, sowie Beschäftigte im Bildungs– und Gesundheitssektor zur Baumwollernte 2017 heranzuziehen.“

Während die Maschinen auf den Einsatz zur Baumwollernte warteten, brachten Busse die Menschen innerhalb von Stunden zurück nach Hause. Die Bauern sollen nun zur Ernte „freie“ Bürger heranziehen. Zu diesen gehören auch die Mitglieder des Projektes „Selbstlose Jugendliche“ der Union der Jugend Usbekistans. Sie können sich mithilfe von Saisonarbeiten etwas Taschengeld dazu verdienen. Nach Angaben der Jugendunion haben im Rahmen des Projektes über 50.000 Jugendliche bereits mehr 4.700 Tonne Baumwolle gepflückt. Für ein Kilogramm Baumwolle erhält man 500 Sum, bis Mitte September waren es 450. Nach dem aktuellen Wechselkurs sind das fünf Cents. Im vergangenen Jahr erhielten die Erntehelfer gar nur 285 Sum. Studenten zeigten sich überrascht von der Entscheidung des Premierministers. „Wie? Wir werden nicht mehr zur Baumwollernte fahren? Wir sind in diesem Jahr noch nicht einmal dazugekommen“, schreibt einer auf Facebook. Andere stellen ihre Bereitschaft zur Baumwollernte heraus: „Der Staat hat entschieden, dass wir lernen müssen und wir sind mit Freude zurückgekehrt. Wenn irgendwelche Hilfe der Jugend nötig sein wird, sind wir immer bereit zu helfen.“

Die Kabinettssitzung fand zwei Tage nach der 72. Sitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York statt. Dort hatte der usbekische Präsident Schawkat Mirsijojew am 19. September erklärt, dass Usbekistan Maßnahmen zur Beendigung von Kinder– und Zwangsarbeit ergriffen habe. Ein Facebook-Nutzer dankte dem Präsidenten für seine Rede bei den VN: „Sie werden Zwangsarbeit und Einschüchterung in Zukunft keine Chance geben“, schrieb er.

In Zukunft sollen auf 49.000 Hektar anstatt Baumwolle Kartoffeln, verschiedene Gemüsesorten und sogar Wein angebaut werden. Nach und nach wird also die Baumwollproduktion in Usbekistan zurückgehen.

Sadafbek Husanbojew