Was verbindet Rembrandt, Mozart und die Großherzogin Christiane zu Mecklenburg? Alle drei wurden gestochen, graviert und zu guter Letzt gedruckt. Seit Ende August sind ihre Porträts in der Ausstellung „500 Jahre Druckgrafik“ in Almaty zu sehen.

/Bild: Thomas Düll/

Ein entscheidender Vorteil, wenn man die Werke großer Künstler druckt, ist, dass man immer ein Exemplar behalten darf. So schuf der Drucker Ernst Lau im Laufe seiner 30jährigen Tätigkeit eine ansehnliche Sammlung. Im Herbst des letzten Jahres hatte er ein internationales Symposium der Druckgrafiker ins Leben gerufen – ein Kunstaustauschprogramm zwischen Ost und West. Angetan von der inspirierenden Arbeit mit Künstlern aus Österreich, Kirgisistan, Tadschikistan, Usbekistan und Kasachstan sagte sich Lau: „Ihr habt mir so viel gegeben, jetzt will ich euch etwas zurückgeben.“ So entstand die Idee, dieses Jahr mit seiner umfassenden Sammlung deutscher Druckgrafiken aus den verschiedensten Epochen eine Brücke zwischen den Kulturen zu schlagen. Und durch den Einfluss dieser Kunstwerke zentralasiatischen Künstlern neue Anstöße für ihre Arbeit mit auf den Weg zu geben.

„Ein toller Impuls“

In einem fast versteckt liegenden Gebäude, eingebettet in die glänzend polierte Fahrzeugflotte eines Autohauses, versammelten sich zu diesem Anlass deutsche Kulturschaffende, kasachische Künstler, Sammler und viele Journalisten. Vor dem Haus plätscherte träge ein kleiner Wasserfall in begrünter Umgebung, während innen die Neugierigen an den Wänden entlangstreiften. Die Künstlerin Saule Suleimenowa betrachtet interessiert eine Lithographie von Daumier aus dem späten 19. Jahrhundert. „Für mich ist das hier eine Bestätigung dafür, dass die Druckgrafik eine ganz wunderbare, märchenhafte Ausdrucksform der Kunst und Kultur ist.“ Schon beim letztjährigen Symposium habe sie das Gefühl bekommen, dass die kasachische Grafik in letzter Zeit als Kunstrichtung kaum mehr vertreten sei und sich kaum mehr entwickeln würde. „Deswegen ist diese Ausstellung hier ein richtig guter Denkanstoß, ein toller Impuls. “

Zwischen abgedruckten Grabplatten von 1347 und den modernen Grafiken Otto Niemeyer-Holsteins finden sich ein unbekanntes Porträt Mozarts aus dem 18. Jahrhundert sowie Blätter von Max Schwimmer und Elisabeth Sittig. Lau ist spürbar zufrieden mit der Zusammenstellung. „Es macht einfach Spaß, auf diese Weise Kultur zu vermitteln, und ich habe den Eindruck, dass die Leute hier sehr angetan sind.“ Durch seine Aufenthalte in Almaty hat der Drucker, Grafiker, Fotograf und Galerist viele neue Kontakte zwischen zentralasiatischen und westeuropäischen Künstlern herstellen können, und auch er selbst konnte seinen Horizont erweitern. Zwar kenne er sich noch viel zu wenig in der kasachischen Kunstszene aus, um sich über diese eine Meinung zu erlauben, aber besonders die Werke von Marat Bekejew, dem Organisator des letztjährigen Symposiums, hätten ihn sehr beeindruckt.

„Das hat bestimmt Wirkung auf die Leute hier“

Auch ein Schweizer Webdesigner und Fotograf fand den Weg in die Ausstellung. Rafael Wiedenmeier lebt und arbeitet seit einem Jahr in Almaty und ist mit einer kasachischen Künstlerin liiert. Beeindruckt sei er von der sehr interessanten Zusammenstellung der Grafiken und der zeitlich so umfassenden Dokumentation deutscher Kunst. Sein Resümee: „Das hat bestimmt Wirkung auf die Leute hier. Junge Kasachen wird man damit aber wohl nicht erreichen“. Trotzdem sieht Lau das Projekt als Erfolg und überlegt sich, wiederzukommen. Dabei will Lau sein Werk nicht nur auf den Druck reduzieren. Für ihn sei es generell das künstlerische Schaffen, das süchtig machen könne: „Ich lebe von der Kunst, mit der Kunst und für die Kunst; es geht nicht ohne“.

Die Ausstellung „500 Jahre Druckgrafik“ ist noch bis 16. September in der Galerie „Art Alma-Ata“ zu sehen.

Von Thomas Düll

29/08/08

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