Olga Janzen & Julia Schönherr

Irina Lewicka und Andrea Liebmann haben eine lange Reise hinter sich: Sie sind aus dem Burgenland nach Kasachstan gekommen, um jungen Kasachstanern Wege in die österreichische Bildung vorzustellen. Dafür nehmen sie an einer der Bildungsmessen teil, die regelmäßig in Kasachstan stattfinden. Denn: Ein Studium im Ausland ist beliebt. Laut Daten des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) studierten 2018 rund 78.000 Kasachstaner in anderen Ländern. Ganz vorne dabei: Russland, Kirgisistan, die USA, Großbritannien und Tschechien.

Lewicka, die in Österreich die Agentur „Via Service“ betreibt, und Liebmann, die ein Internat und Studentenwohnheim in Pinkafeld leitet, haben dabei die Schüler im Blick. Ihr Fokus liegt auf der frühen Bildungsmigration. Sie haben Kooperationen mit Schulen, die es Jugendlichen aus dem Ausland ermöglichen, bereits ihren Schulabschluss in Österreich zu machen.

Der Übergang in das österreichische Bildungssystem ist in drei Altersstufen möglich, erklären Lewicka und Liebmann: Erstens können Schüler bereits in der neunten Klasse, also im Alter von 14 oder 15 Jahren, nach Österreich wechseln, um den Schulabschluss in Österreich zu machen. Mit der Matura und den erworbenen Sprachkenntnissen ist es möglich, sich für ein Studium vor Ort zu bewerben. Der Abschluss kann dabei nicht nur auf einem gewöhnlichen Gymnasium erfolgen, sondern auch an fachspezifischen Schulen. Hier erwirbt man neben der Matura zusätzlich eine Berufsausbildung. Beispielsweise haben Lewicka und Liebmann eine Kooperation mit der Höheren Technischen Lehranstalt (HTL) in Pinkafeld, die auf technische Berufe spezialisiert ist und der Handelsakademie (HAK) in Oberwart mit Schwerpunkt Wirtschaft. In den Schulen werden ein bis zwei Plätze pro Klasse ausländischen Schülern zur Verfügung gestellt.

Zweitens gibt es die Möglichkeit, nach der Schule zum Studieren nach Österreich zu gehen. Ein direkter Übergang in das universitäre System ist allerdings nicht möglich. Im Rahmen der sogenannten Vorstudienlehrgänge wird zunächst, je nach Vorwissen, ein bis zwei Jahre die Sprache gelernt. Dafür können sich Interessierte zum Beispiel am „Bridging-Programme“ an der FH Burgenland bewerben. Die Bewerbung auf einen nachfolgenden Studienplatz muss separat erfolgen.

Die dritte Möglichkeit einer Bildungsmigration entsteht nach einem abgeschlossenen Studium. Dann können sich die jungen Erwachsenen auf Universitätsstellen und Promotionsstipendien bewerben.

In welchem Alter soll man gehen?

Andrea Liebmann hält es für vernünftiger, den Schulabschluss in Kasachstan zu machen, nebenbei Deutsch zu lernen, um dann über das „Bridging-Programme“ nach Österreich zu kommen, und erst danach zu studieren. 14/15 Jahre sei noch sehr jung und die HTL-Ausbildung sehr intensiv. Nicht alle schaffen es, im Unterricht mitzukommen, da Sprachkenntnisse erst mit der Zeit erworben werden und zudem die technische Ausbildung eine hohe Herausforderung bedeutet.

Irina Lewicka betont hingegen die Schwierigkeiten, wenn junge Menschen erst nach dem Schulabschluss nach Österreich gehen. Der bürokratische Aufwand sei höher, denn die Schulabschlüsse aus Kasachstan werden nicht als gleichwertig zu den österreichischen angesehen. Es sei außerdem einfacher noch im Schulalter ein Visum und alle anderen notwendigen Dokumente zu bekommen. Zusätzlich müssten die Bewerber aus Kasachstan bei den Aufnahmeprüfungen an Universitäten mit Muttersprachlern konkurrieren.

Und was kommt danach?

Sowohl in Kasachstan als auch in Österreich herrscht Fachkräftemangel. Die Chancen auf einen Arbeitsplatz in Österreich sind also gar nicht schlecht. In Kasachstan gibt es derzeit aber auch ein sehr konkretes Interesse an den kasachstanischen Absolventen aus Österreich.

Dort wird in der Nähe von Almaty an dem Aufbau einer Universität durch den Universitätsverbund „WIUIM“ gearbeitet. Im Fokus werden technische Berufe stehen, die an der Universität theoretisch aber auch praktisch gelehrt werden sollen. Als Lehrende und Ausbilder werden vor allem Kasachstaner gesucht, die ihr Studium im Ausland abgeschlossen haben. So soll der internationale Standard nach Kasachstan gebracht werden, ohne externe Experten.

Irina Lewicka ermittelt mit ihrer „Austrian Immigration and Education Agency” Möglichkeiten für junge Erwachsene in Österreich und welche Schritte dafür notwendig sind. Die Planung erfolgt dabei teilweise schon zwei Jahre vor Antritt des Auslandsaufenthaltes. Hauptsächlich melden sich Eltern bei Lewicka. Mit ihnen werden die Gespräche geführt und ein Plan gemacht. Die Agentur übernimmt auch die Abwicklung der Visaangelegenheiten. Die Dienstleistung ist mit einem einmaligen Kostenaufwand von ungefähr 3.000 Euro verbunden.

 

Andrea Liebmann leitet im Burgenland das Step-Gästehaus Pinkafeld, ein Internat für Schüler und ein Studentenwohnheim. Sie ist für die Agentur von Irina Lewicka ein zentraler Kooperationspartner, da die Wohnfrage zentral ist. Neben der Unterbringung, zählt auch die Verpflegung, pädagogische Betreuung und Hilfe beim Lernen zu den Aufgaben des Internats. „Wir achten darauf, dass sie sich wohl fühlen.“, sagt Liebmann. Dafür wird ein monatlicher Betrag von 533 Euro berechnet. Außerdem müssen die Kosten für eine Versicherung sowie alltägliche Ausgaben (z.B. für Schulmaterial und Ausflüge) für den Aufenthalt berücksichtigt werden.

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