Umschmiegt und verschleiert – mit eigenwilligen Entwürfen hielt die kasachische Designerin Farida Merchamitkysy das Publikum einer Berliner Modenschau in Atem

Scheinwerfer tauchen das Atrium der Deutschen Bank in lila- und rosafarbenes Licht. Ein Vorhang aus hauchdünnem Stoff flattert im Wind. Plötzlich taucht sie auf. Zu den Klängen einer Dombra schreitet die junge Frau den blütenweißen Catwalk hinab. Ein Seidenkleid umschmiegt ihre Hüften, ihr Gesicht verbirgt sie hinter einem roséfarbenen Schleier. Dann steht das Model am Ende, direkt vor den Fotografen. Sie öffnet den Schleier, wirft sich in Pose – die Brust heraus, den Rücken durchgestreckt – und ein Blitzlichtgewitter ergießt sich über sie.

Im Publikum steht Farida Merchamitkysy und genießt den Applaus, mit dem das Publikum jedes Kleid bedenkt. Die kasachische Designerin möchte die Deutschen mit der Mode Kasachstans bekannt machen. „Ich glaube, das ist mir ein bisschen gelungen“, sagt sie. „Früher kannte man nur die GUS in Europa, aber ich möchte, dass auch Kasachstan einen Platz in der Vorstellung der Deutschen findet.“ Eine Woche ist sie durch Deutschland getourt, zu Shows in Frankfurt und Bonn.

Ihr Fachwissen, so die in China aufgewachsene Merchamitkysy, habe sie sich selbst erarbeitet. „Vor zehn Jahren bin ich nach Kasachstan gekommen und habe dort begonnen, mich mit Mode zu beschäftigen.“ In ihrem Schaffen versuche sie, moderne und traditionelle Elemente der kasachischen Kleidungskultur zu vereinen.

Diese Balance zwischen Gestern und Heute mag einem deutschen Publikum nicht gleich auffallen. Schließlich sind nur wenige Europäer mit der Kunst Zentralasiens vertraut. Der unbefangene Umgang mit Farben, die aufwändigen Stickereien mögen auf den ersten Blick etwas kitschig wirken, üben auf den zweiten allerdings einen ganz eigenen Charme aus.

Ein junger Mann steht nun auf dem Catwalk, wirft kess den Kopf zurück. Die Fransen seiner Mütze umspielen sein Gesicht wie eine Löwenmähne. Dazu trägt er eine braune Hose-Jacket-Kombination mit spiralförmigen Mustern.

„Die Ornamente und Muster sind traditionell“, erklärt Merchamitkysy. „Als Nomaden benutzen die Kasachen viele Motive aus der Natur.“

Nun schreitet eine junge Braut den Catwalk entlang, den Bräutigam an ihrer Seite. Ihr Kleid ist mit goldenen Mustern durchwirkt, auf dem Kopf trägt sie einen hohen, spitzen Hut – den Saukile. „Je höher der Hut, desto reicher die Familie der Braut“, erläutert Merchamitkysy. Von eleganter Alltagskleidung bis zu solch extravaganten Hochzeitsroben reichen die Modelle, die die Designerin in Berlin präsentiert. Insgesamt 300 Modelle lässt sie derzeit in Serienproduktion fertigen. Zwei Läden betreibt sie in Astana und Almaty. Noch ist ihre Mode in Europa nicht erhältlich, aber das kann sich ändern: „So Gott will.“ Merchamitkysy lächelt verschmitzt. Mit ein bisschen Glück kommt der nächste Modetrend direkt aus der Steppe. (Stefan Boltz)

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