Bei der Zertifizierung von Qualitätsmanagment arbeiten Hochschulen in Kasachstan und Deutschland in einem Pilotprojekt zusammen. Das Ziel: Mehr Vertrauensbildung innerhalb des Lehrkörpers, mehr Eigenständigkeit und Verantwortung für Professoren sowie eine Dynamisierung des Denkens. Langfristig soll sich auch in Kasachstan die Hochschule als „Unternehmen“ profilieren

„Die ganze Welt funktioniert doch heute über persönliche Kontakte“, sagt BWL-Professor Klaus Jamin von der Fachhochschule München. An seiner Fakultät war zwei Mal der Rektor der Staatlichen Universität Ostkasachstans, Abdumutalip Abschapparow, als DAAD-Austausch-Akademiker zu Gast. Aus der Freundschaft entwickelte sich bald die Idee eines Gegenbesuchs, und so reisten Klaus Jamin und sein Kollege Prof. Dr. Ing. Dieter Deublein in diesen eisigen Wintertagen nach Ust-Kamenogorsk.

Deublein gilt als Mitbegründer des Vereins zur Zertifizierung von Qualitätsmanagment in mittelständischen Betrieben. Ziel der Arbeit dieses Vereins sind die Methodenprüfung und Kontakte zu Industriebetrieben, vor allem in Deutschland. Aber auch in Italien, Slowakei und Lateinamerika wurden Vereinsfachleute tätig.

Die beiden Gäste starteten in Kasachstan einen neuartigen Versuch: ihre täglichen Vorträge vor Führungskräften der Uni aus dem Rektorat, den Institutsleitungen und der Verwaltung behandelten Struktur und Probleme der Organisation von Universitäten in Deutschland. Davon ausgehend erhielt jeder aus dem Publikum dann den Auftrag, 20 Defizite aus dem organisatorischen Alltag ihrer Uni zu notieren. Schon der Austausch über die offengelegten Mängel trug zu einer kritisch-konstruktiven Begegnung von Leitungskadern bei, die daraufhin Verbesserungsvorschläge unterbreiteten und konkrete Aufgaben verteilten. Aber nicht an die Unterstellten, sondern zunächst untereinander, um Wege aufzuzeigen, wie auf den oberen Ebenen Veränderungen initiiert, wirksame Maßnahmen eingeleitet und Defizite schneller abgebaut werden können.

„Das war auch die vorrangige Absicht“, erläutert Deublein: „Anstöße zu geben für einen kritischen und kritischeren Blick auf die eigene Institution.“

Wenn Akademiker die Nachwirkungen des Kommunismus herausstellen und mehr Freiräume und Freiheiten für Personal und Studierende zur Diskussion stellten, sei bereits viel erreicht. Ziele seien Vertrauensbildung innerhalb des Lehrkörpers, mehr Eigenständigkeit und Verantwortung für Professoren sowie Dynamik im Denken – zur Wahrnehmung nicht allein der Schwierigkeiten und Schwächen, sondern natürlich auch zur Profilierung der Hochschule als „Unternehmen“ im fortschreitenden Umgestaltungsprozess der kasachstanischen Gesellschaft.

Das alles soll nun auf den Weg zur Zertifizierung mit der ISO 9001/2000 gebracht werden, einer europaweit seit 1987 gültigen Norm für Qualitätsmanagement. Sie stellt zwar kein bindendes Gesetz dar, sondern eine Empfehlung, doch einen Erfolg im Ringen um eine optimierte Organisation, um nachhaltige Bildungsstrategien und einen effektiveren Wissenschaftszugang bedeutet sie auf jeden Fall. Und wenn dies in persönlichen Kontakten seinen Ausgangspunkt hatte, umso besser.

Weitere Infos: www.qzv-muenchen.de

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