Seit 1992 haben angehende Agrarmanager aus Astana die Möglichkeit, für ein Praxissemester und ein darauf aufbauendes Stipendium an einer deutschen Partneruniversität zu studieren

Mit der politischen Wende in den GUS-Ländern wurde die Transformation der sozialistischen Wirtschaftssysteme in marktwirtschaftliche Strukturen erforderlich. Dies betraf in besonderem Maße die Agrarwirtschaft, die wohl am umfassendsten planwirtschaftlichen Regelungen unterworfen war. Um hier Reformen durchzuführen, benötigte man in Kasachstan dringend marktwirtschaftlich geschulte Agrarmanager. Deshalb begann 1992 die Zusammenarbeit zwischen der Agraruniversität Astana (damals Zelinograd) und der Fachhochschule Weihenstephan, Abteilung Triesdorf. Inzwischen sind sie feste Partner im Bereich der Agrarausbildung geworden.

Das Praxissemester ist die erste Möglichkeit für Studierende, Deutschland zu erleben. Jedes Jahr verbringen sechs bis acht Studierende, die Triesdörfer Dozenten auswählen, den Sommer in Bayern. Sie erhalten so die Möglichkeit, die betrieblichen Abläufe in einem landwirtschaftlichen Unternehmen kennen zu lernen und einen Gesamtüberblick zu gewinnen. Die Praxisausbildung mit vier einwöchigen, praxisbegleitenden Lehrveranstaltungen an der Fachhochschule Weihenstephan, Abteilung Triesdorf, bildet nicht nur ein wichtiges Fundament für das nachfolgende theoretische Studium, sondern fördert auch die Kompetenz in der deutschen Sprache.

Das Praktikum oder Praxissemester beginnt im April und endet im September des gleiches Jahres. Es gilt als erstes praktisches Semester des insgesamt viersemestrigen internationalen Masterstudienganges Agrarmanagement (Master of Business Administration in Agriculture) in Triesdorf.

In diesem Praktikum lernen die Studierenden landwirtschaftliche Unternehmen kennen und bekommen Einblick in die Zusammenhänge von Produktionstechnik, Management, Vermarktung und Unternehmenserfolg. Das Praktikum erfolgt in bewährten Ausbildungsbetrieben, die meistens Familienbetriebe sind und auch Unterkunft und Verpflegung mit Familienanschluss bieten.

Es werden immer erheblich mehr Studierende zum Praxissemester zugelassen als Stipendien für die Folgesemester vergeben werden können. Nur die Absolventen des praktischen Studiensemesters mit den besten Beurteilungen erhalten diese Stipendien. Als Beurteilungskriterien dienen die Einschätzungen der Betriebsleiter, die Leistungen in den praxisbegleitenden Lehrveranstaltungen und das Niveau der Deutschkenntnisse. Wer keinen Platz in Triesdorf erhält, aber einen Masterabschluss anpeilt, kann dies auch in Astana versuchen – an der dortigen Agraruniversität, die ebenfalls den internationalen Masterstudiengang „Agrarmanagement“ anbietet.

Insgesamt haben bisher 144 Studierende aus Astana ein landwirtschaftliches Praktikum auf Bauernhöfen in Bayern mit der begleitenden theoretischen Ausbildung in Triesdorf absolviert. In diesem Jahr fahren wieder sechs Studenten nach Triesdorf.

Der Autor ist Koordinator des MBA-Studienganges an der Kasachischen Staatlichen Agrotechnischen-S. Sejfullin-Universität Astana

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