Die Muezzine rufen wieder über Lautsprecher zum Gebet. Dies war seit 2005 in Usbekistan verboten. Im November erklangen nun nach über zwölf Jahren Stille erneut die Rufe zum Asan. Dieser Entscheidung waren Appelle von Imamen und gläubigen Muslimen an den Präsidenten vorangegangen. Außerdem gibt es für Gläubige seit Kurzem ein Betzimmer im Flughafen von Taschkent.

In Usbekistan ist es wieder erlaubt, über Lautsprecher zum Gebet zu rufen. Usbekische Medien berichten, dass bereits seit Anfang November die Moscheen laut von den Minaretten rufen. Die Informationen bestätigen auch viele Benutzer der sozialen Netzwerke, die in Usbekistan leben.

Dass es wieder erlaubt ist, laut zum Gebet zu rufen, ist auf eine Reform des seit 2016 amtierenden Präsidenten Shawkat Mirsijojew zurückzuführen. Im Islam heißt der öffentliche Aufruf zu Gebet, der fünf Mal täglich erfolgt, Asan. Die Regierung untersagte nach den Ereignissen in Andischan 2005 den Asan. Seitdem wurde nur noch innerhalb der Moscheen für die Gläubigen zum Gebet gerufen.

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Imame appellieren an Präsidenten

Als offizielle Begründung wurde damals jedoch angeführt, dass man die Ruhe der Menschen, die neben Moscheen leben, nicht stören wolle. „Für uns bedeutet die Entscheidung laut zum Gebet zu rufen, dass unsere Behörden den Bedürfnissen und den Erwartungen der Gläubigen entgegenkommen. Wir werden für unseren Präsidenten beten und die positiven Tendenzen im religiösen Leben der Moslems Usbekistans unterstützen, sagt 68-jährigen Rachmatullo Rusijew aus Buchara.

Der Vorschlag, wieder Lautsprecher zu benutzen, war auf einem Imam-Treffen in Taschkent diskutiert worden. Eine anonyme Quelle, die bei dem Treffen anwesend war, berichtet auf der Webseite Azon.uz, dass viele Argumente für die Nutzung von Lautsprechern angeführt wurden. „Einige Imame sagten, dass es sogar in Moskau erlaubt sei, über Lautsprecher zum Gebet zu rufen. Andere meinten, dass das Glockengeläut in den orthodoxen Kirchen Usbekistans auch niemanden störe.“

In sozialen Medien wurde das Treffen und der Vorschlag der Imame viel diskutiert. Die meisten Nutzer sprachen sich für einen lauten Asan aus. „Die Menschen würde diese Nachricht sehr glücklich machen. Die Gebetsrufe sollen wieder so laut sein, dass die ganze Welt erzittere. Der Asan öffnet die Herzen der Menschen und ruft zum Glauben auf. Es würde die Welt ein Stückchen besser machen“, schreibt ein Benutzer.

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Neues Betzimmer im Taschkenter Flughafen

In Usbekistan leben rund 32 Millionen Menschen. 94 Prozent gehören dem Islam an; 3,5 Prozent der Bürger sind Christen. Zurzeit gibt es im Land 2.037 Moscheen mit mehr als 5.000 Imamen und ihren Stellvertretern. Außerdem gibt es weitere Neuigkeiten im Bereich Religion. Die nationale Fluggesellschaft Uzbekistan Airways teilte mit, dass im internationalen Flughafen in Taschkent, der nach dem ehemaligen Präsidenten Islam Karimow benannt ist, ein Betzimmer für Moslems eröffnet worden ist. Dieses soll Tag und Nacht zur Verfügung stehen. Das Betzimmer hat sogar ein Waschbecken, dass es den Gläubigen ermöglicht, sich vor dem Gebet kurz zu waschen.

Außerdem bietet Uzbekistan Airways neuerdings Charterflüge nach Mekka an, um Usbeken die Teilnahme an dem Haddsch zu ermöglichen. Der Anteil der Pilger nach Saudi-Arabien aus Usbekistan war in diesem Jahr um 20 Prozent im Vergleich zu 2016 gestiegen. Mehr als 13.000 Menschen machten sich auf die Pilgerreise nach Saudi-Arabien.

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