Bevor Sergej Merten beim Wushu – der chinesischen Kampfkunst – hängengeblieben ist, hatte er viele Kampfsportarten ausprobiert: Karate, Taekwondo und Thaiboxen; über das Kung-Fu kam er schließlich zum Wushu.

 

Die Kampfkunst besteht aus schnellen und anmutigen Bewegungsabläufen mit Tritten und Sprüngen, die sich mit Elementen aus Tanz und Turnen abwechseln. „Die Disziplin und die schönen Bewegungen haben mich fasziniert. Charakter und Körper werden geschult, und man kann Wushu ein ganzes Leben lang betreiben“, sagt der Trainer, dessen Sportverein „Wushu & Kampfkunst Club Lippe e.V.“ wie ein Familienbetrieb geführt wird. Fünf seiner sechs Kinder im Alter von 6 bis 22 Jahren sind schon kleine Wushu-Künstler. Auch das letzte Kind ist keineswegs aus der Art geschlagen, sondern noch zu klein.
Sergej wohnt mit seiner Familie in Bielefeld. Er wurde 1977 in Karaganda/Kasachstan geboren und kam im Alter von 12 Jahren mit seinen Eltern nach Deutschland. Hier machte Merten eine Schulausbildung mit Fachabitur, absolvierte anschließend einen 23-monatigen Wehrdienst als Panzerfahrer und schloss nachher eine Ausbildung als Physiotherapeut ab.
Im Januar 2006 gründete er den Sportverein „Wushu & Kampfkunst Club Lippe e.V.“ mit und ist sein Haupttrainer. Der Verein gehört seitdem zu den erfolgreichsten Vereinen in NRW und deutschlandweit und hat mehrere Landes– und Deutsche Meister hervorgebracht.
Bild: Redaktion Volk auf dem WegEinige Schüler von Sergej Merten sind im Jugendkader der Deutschen Wushu-Nationalmannschaft. Sergej Merten ist auch Landestrainer (A-Lizenz) für Wushu-Sanda des Wushu-Verbandes NRW. Außerdem ist er Mitglied im Technischen Gremium und stellv. Jugendleiter der „Deutschen Wushu Federation e.V.“ Bei den Meisterschaften fungiert er als erfahrener Kampfrichter. Der Meister Sergej Merten und Co-Trainer Heinrich Wolf sowie ältere Schüler geben ihr Wissen im modernen und traditionellen Wushu stets weiter, das auch durch interne Lehrgänge erweitert wird.
Die Merten-Kinder trainieren, seit sie laufen können, und starten im A-Kader. „Am Anfang habe ich für mich eine Art der Selbstverteidigung gesucht. Später kam hinzu, dass meine Kinder gesund bleiben und Disziplin erlernen sollen“, sagt der Vater und Trainer. Jessy Merten ist zwölf Jahre alt und schon ein alter Wushu-Hase. „Ich will ein großer Wushu-Meister werden“, sagt er. An sieben deutschen Meisterschaften hat er teilgenommen, vor zwei Jahren durfte er bei der Europameisterschaft in Tallin/Estland erste internationale Erfahrungen sammeln. Ebenso erfolgreich ist auch Jean-Michel Merten, neun Jahre alt. Die zwei Söhne des Trainers haben mit ihren Leistungen beim Kadertraining der DWF-(Deutschen Wushu Federation) überzeugt und sind in die Nationalmannschaft für Deutschland aufgenommen worden. Für die Europameisterschaft 2014 in Bukarest/Rumänien wurde auch ihre zehn Jahre alte Schwester Konstanzia Merten nominiert.
Im Oktober 2014 fand die 26. Deutsche Wushu-Meisterschaft in Neumünster/Schleswig-Holstein statt, an der Sportler aus 23 Vereinen aus sieben Bundesländern teilnahmen. Auch der „Wushu & Kampfkunst Club Lippe e.V.“ war mit 30 Sportlern in verschiedenen Kategorien stark vertreten. In der Teamwertung Taolu und Sanda stand Wushu Lippe auf dem 1. Platz. Auch die Kinder des Trainers Sergej Merten wurden ihrer Favoritenrolle gerecht und holten viele Titel. Insgesamt stellte der „Wushu & Kampfkunst Club Lippe“ im Bereich Formen 13 Deutsche Meister, acht Vizemeister und zehn Bronzegewinner. In Sanda gab es durch spannende Kämpfe sechsmal Gold, sechsmal Silber und dreimal Bronze.
Vielleicht wird einer der Merten-Kinder erster deutscher Olympiateilnehmer im Wushu bei der Premiere der chinesischen Kampfkunst im Jahre 2020. Seit 1999 versucht der Weltverband, Wushu ins olympische Programm zu bekommen. Doch das IOC (Internationales Olympisches Komitee) hat stets abgewinkt, weil es die Kampfwertung für schwer nachvollziehbar hielt – es gibt 129 Wushu-Hauptstile. Bei den Sommerspielen 2008 in China reichte es nur für einen Demonstrationswettbewerb, an zwei Tagen durften sich die Kampfkünstler im Mutterland des Wushu präsentieren. Unter den 143 nationalen Verbänden dominieren, neben den chinesischen Vollprofis, die Kampfsportler aus Singapur, Malaysia und Russland.
In Deutschland sind 4.000 Kämpfer in 98 Vereinen organisiert, Tausende weitere trainieren in Kampfsportschulen.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Zeitschrift „Volk auf dem Weg“, dem Medium der Landsmannschaft der Russlanddeutschen e.V..Wir veröffentlichen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

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