In diesem Jahr existiert die „Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit“ (SOS) fünf Jahre. In diesem Zusammenhang werden gegenwärtig verschiedene Aspekte der möglichen künftigen Entwicklung der Organisation diskutiert, darunter auch die Perspektiven einer verstärkten wirtschaftlichen Kooperation zwischen den Mitgliedsländern.

Die SOS ist zuerst einmal eine politische Organsiation, die sich das Ziel gesetzt hat, einen Beitrag zur Stabilisierung der allgemeinen politischen Situation in der Region zu leisten. Natürlich gehört dazu auch eine entsprechende wirtschaftliche Zusammenarbeit. Diese gibt es auf einem irgendwie natürlichen Niveau: Es wird Handel getrieben und werden gemeinsame Investitionsprojekte realisiert, vorwiegend im Bereich der technischen Infrastruktur.

Anvisiert ist jedoch eine Zusammenarbeit auf einer qualitativ höheren Stufe als bisher. Dabei steht die Frage, ob eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit notwendig und möglich ist. Hinsichtlich der Notwendigkeit besteht Einigkeit: Ja, sie ist notwenig. Politische Deklarationen in dieser Hinsicht sind nicht das Problem. Schwieriger ist die Beurteilung der Frage, ob eine solche Zusammenarbeit auch machbar ist. Es sollen oder wollen auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Staaten enger als bisher zusammenarbeiten. Auf der einen Seite die Giganten China und Russland, auf der anderen Seite die wirtschaftlichen Zwerge Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan und Tadschikistan. Kann das gutgehen?

Analysiert man jedoch nicht nur die absoluten, sondern auch die relativen Produktionsgrößen, erhellt sich das Bild. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf der Bevölkerung Russlands, Chinas und Kasachstans unterscheidet sich nicht wesentlich voneinander, das Niveau der anderen drei Mitgliedsländer ist jedoch drastisch niedriger. Aber aus einer Koalition der Schwachen wird noch lange kein Starker.

Doch sehen wir weiter: Problematisch ist das Volumen und die Struktur des Außenhandels untereinander. Dieser ist ja die Basis für eine weitere Kooperation. Hier zeigen die Kennziffern Bedenkliches: Lediglich mit Russland treiben die mittelasiatischen Staaten und China nennenswerten Handel. Ansonsten sind die Haupströme von Ex- und Import überwiegend auf die westlichen Märkte ausgerichtet. Das ist Ausdruck dafür, das es zuwenig konkurrenzfähige Erzeugnisse gibt, die man auf den regionalen Nachbarmärkten absetzen kann. Auch die Struktur der Entstehung des BIP divergiert sehr stark; der Anteil der Landwirtschaft z. B. von weniger als 10 auf bis über 40 Prozent. Entsprechend schwierig wird wohl das Finden gemeinsamer Kooperationslinien, die nicht nur politische Deklarationen mit Leben erfüllen, sondern sich vor allem wirtschaftlich für die Beteiligten rechnen. Es wird schwierig, eine höherwertige als die bisherige wirtschaftliche Zusammenarbeit zu organsieren. Noch aber ist, wie mir scheint, das Fenster nicht zugeschlagen. Doch die Entwicklungsabstände werden eindeutig größer, was die Zusammenarbeit in der Zukunft eher erschweren dürfte. Man müsste deshalb jetzt handeln, bevor der Wind der Globalisierung das noch offene Integrationsfenster zuschlägt.

Bodo Lochmann

09/06/06

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