In Kirgisistan wurde früher mit dem Steinadler gejagt; jetzt ist aus dieser Jagd ein nationaler Sport geworden. Die Mehrheit der Kirgisen beschäftigt sich heute damit nicht mehr, die alte Tradition wird nur noch als Folklore gepflegt.

Einer, der auch heute noch mit dem Steinadler jagt, ist der 40-jährige Kadirdin Schermanbetow aus dem Ort. Zum ersten Mal, so erzählt er, ging er als Sechstklässler gemeinsam mit seinem Großvater jagen. „Meine Kraft reichte damals nicht aus, um den Steinadler festzuhalten“ erinnert sich Schermanbetow. „Erst, als ich die elfte Klasse abgeschlossen hatte, habe ich wieder mit der Steinadlerjagd angefangen. Seit dieser Zeit jage ich und tue dies bis zum heutigen Tage. In diesem Jahr ist mein zwanzigjähriges Jubiläum.“
Einen Steinadler zu halten, ist nicht ganz einfach. Zunächst, so Schermanbetow, müsse man den Raubvogel regelmäßig füttern. Das wichtigste sei, den Adler richtig zu ernähren, da er nur Fleisch fresse. „Ich kaufe das Fleisch auf dem Markt ein, wasche es gut, dann gebe ich es ihnen. Wenn sie kein frisches Fleisch fressen, werden sie krank. Sie müssen eine bestimmte Menge Fleisch fressen.“

Abstinent dank Adler

Ein gesunder Nebeneffekt: Aufgrund der Steinadlerhaltung hat Schwermanbetow nach eigenem Bekunden keine Möglichkeit, Alkohol zu trinken oder zu rauchen. „Die Adler fliegen frei in der reinen Luft und mögen solche Gerüche nicht. Einmal, als ich im Haus war, hat sich mein Freund meinem Adler genähert. Jedoch hat der Adler ihn sofort angegriffen. Erst als ich im Hof dazugekommen bin, hat er ihn losgelassen. Mein Freund war offensichtlich ein wenig angetrunken. Nach dieser Situation hat er aufgehört zu trinken. Lange Zeit konnte ich nicht verreisen. Wenn ich heute wegfahre, kümmert sich meine Frau um den Adler.“

Für Schermanbetow ist der Steinadler ein heiliger Vogel: „Sollte jemand den Steinadler schlagen oder verletzen, dann wehrt er sich unmittelbar oder rächt sich später. Er ist an sein Herrchen gewöhnt und vertraut Fremden nicht. Er erkennt meine Stimme schon von weitem, er wird dann seinerseits einen Laut zur Erkennung von sich geben.

Abrichtung zur Jagd

Steinadler werden nicht gekauft, sondern in den Bergen wild gefangen. Danach werden sie zur Jagd abgerichtet. Sie werden zuhause gehalten und einmal pro Monat zur Jagd gebracht. Vor dem Jagen zieht Schermanbetow ihm eine Adlerhaube an. Dann sitzt er ganz ruhig auf dem Arm, der durch Jagdhandschuhe aus Leder geschützt ist. In den Bergen zieht er dem Steinadler die Haube aus. Wenn er dann Füchse oder Hasen sieht, wird er unruhig, schreit sofort laut: „Dann lasse ich ihn zu Jagd los.“

„Als ich jungverheiratet war, bin ich mit meiner Frau in die Stadt umgezogen“, erzählt Schermanbetow. „Damals habe ich als Fahrer gearbeitet. Wir haben uns eine Wohnung gemietet.

Der Vermieter hat sich aber über meinen Steinadler beschwert. Danach habe ich den Steinadler jeden Tag im Kofferraum mit dem Auto zur Arbeit gebracht. Ich habe ihm die Haube angezogen und in den Keller der Werkstatt gebracht. In der Stadt gab es keine Pferde, deshalb bin ich mit dem Auto gefahren.

Mein Chef hat allerdings alles bemerkt und war nicht einverstanden. Somit bin ich wieder ins Dorf umgezogen. Seit dieser Zeit wohne ich mit meiner Familie dort. Ich konnte mich nicht von meinem Steinadler trennen. Ich fühle immer, wenn er hungrig oder krank ist.“

Von Samara Turganowa

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