Nurzhan Besembajev arbeitet bei einer Organisation, die sich für die Medien in Zentralasien engagiert. Er ist auch Stipendiat des CrossCulture-Programms vom Institut für Auslandsbeziehungen.

Der CrossCulture-Stipendiat Nurzhan Beisembaev hat im vergangenen Jahr ein Praktikum im Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik gemacht.

Das CrossCulture-Programm vom Institut für Auslandsbeziehungen ermöglicht jedes Jahr bis zu 60 Stipendiaten aus islamisch geprägten Ländern, einen Aufenthalt in Deutschland. Umgekehrt haben deutsche Berufstätige die Möglichkeit, in einem Land des islamischen Kulturkreises zu arbeiten. Eine der geförderten Regionen ist neben Pakistan, dem mittleren Osten und der arabischen Halbinsel auch Zentralasien.

Für dieses Jahr wurden drei Stipendiaten aus Tadschikistan und zwei Stipendiaten aus Kasachstan für das Programm ausgewählt. Sie werden im September ihr Praktikum in Deutschland beginnen. Ihnen wurde je nach Berufsrichtung ein Praktikumsplatz vermittelt. CrossCulture-Stipendiaten arbeiten in den Bereichen Wissensgesellschaft und Bildung, Rechtsdialog, Umwelt, Wirtschaft und Medien.

Aus Kasachstan haben seit 2011 bereits fünf Stipendiaten an dem CrossCulture-Programm teilgenommen. Einer von ihnen ist Beisembaev. Er spricht im Interview über seine Arbeitserfahrung in Hamburg und über seinen Beruf in Almaty.

Herr Beisembaev, was ist Ihre Beschäftigung hier in Almaty?

Ich bin ein Projektmanager bei Internews Kasachstan. Das ist eine Nichtregierungsorganisation, die international agiert und sich unter anderem für Medienvielfalt einsetzt. Hier in Almaty sitzt die Vertretung für Zentralasien. Wir haben auch noch Büros in Bischkek und Duschanbe.

Was ist die Aufgabe von „Internews“, und welche Rolle spielen Sie dabei?

…und das ehemalige Konzentrationslager Bergen Belsen.

Ich bin Projektmanager und leite ein Medienprojekt, das sich für Gesetzesreformen in Bezug auf die Medien in den Ländern Zentralasiens einsetzt. Das heißt, wir arbeiten mit den entsprechenden Regierungspersonen, entsprechenden gesellschaftlichen Organisationen und Medienvertretern zusammen. Dabei organisiere ich für unsere Juristen, die eigentlich die Hauptakteure dieses Projektes sind, alles, was nötig ist. Sie sollen sich auf ihre Arbeit konzentrieren und nicht mit organisatorischen und administrativen Fragen beschäftigt sein. Im Allgemeinen geht es um den Versuch, eine angenehme Arbeitsatmosphäre für die Medien in Zentralasien zu schaffen. Auf lange Sicht soll damit gesellschaftliche Vielfalt gefördert werden.

Als ein Manager muss ich den Überblick über die Arbeit unserer Juristen behalten, das heißt monatliche Berichte schreiben. Außerdem bin ich dafür verantwortlich, dass die Juristen in ständigem Kontakt mit den Interessensvertretern sind. Das sind vor allem Personen aus den Ministerien und Parlamentsmitglieder. Ich verbinde diese Personen mit den Juristen und dokumentiere den gegenseitigen Austausch. Das ist sehr wichtig, um den Überblick zu behalten.

Wie sieht die Medienlandschaft in Zentralasien aus?

Sprachlich gesehen gibt es bereits Medienvielfalt in Kasachstan. Wir haben hauptsächlich kasachischsprachige und russischsprachige Medien, nicht zu vergessen die Medien der Völkervereinigung, unter anderem auf Deutsch und Koreanisch. Das machen wir, indem wir versuchen Kontakt mit den entsprechenden Interessenvertretern zu führen. Was bedeutet es, die Medienlandschaft unabhängig zu machen? Das heißt, es gibt besonders bei den russischsprachigen Medien einen großen Einfluss aus dem Ausland. Zusammen mit der Regierung versuchen wir eine Lösung zu finden, diesen Einfluss zu schwächen. Besonders TV-Medien haben sehr großen Einfluss auf die Bevölkerung.

Inwieweit kann sich Internews in Kasachstan für Medienvielfalt engagieren?

Eigentlich bietet Internews nur rechtliche Unterstützung für zentralasiatische Medien an. Aber das ist, wie gesagt, nicht meine Aufgabe. Unsere Organisation sieht sich als Partner der Regierungen und wird zum Beispiel vom Ministerium für Information der Republik Kasachstan gefördert.

In Deutschland haben Sie am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik in Hamburg gearbeitet. Warum haben Sie sich dafür entschieden?

Bei dem Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik handelt es sich um einen Thinktank. Das war für mich sehr interessant, weil wir hier bei Internews mehr praktisch als analytisch arbeiten. Jedoch haben wir trotzdem die analytische Arbeit gemeinsam. Analysen zu erstellen ist sehr wichtig für unsere Arbeit. Natürlich unterscheidet sich unsere Arbeit von der des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik. Aber es war sehr interessant für mich, zu sehen, wie diese Forschungsarbeit geleistet wird. Wie sie angegangen wird, wie sie durchgeführt und ausgewertet wird. Das war eine sehr wertvolle Erfahrung für mich, und ich schätze es sehr, dass sie mich als Praktikanten aufgenommen haben. Ich fand es sehr bereichernd, dort im Zentrum für OSZE-Forschung zu arbeiten, weil Kasachstan auch OSZE-Mitglied ist. Dort habe ich Studenten aus Zentralasien getroffen, mit denen ich mich angefreundet und ständig interessante Diskussionen geführt habe.

Welche Erfahrungen haben Sie neben dem Arbeitsalltag in Deutschland gemacht?

Ich war anfangs ein wenig verwirrt, als ich festgestellt habe, dass das Fleisch in vielen deutschen Gerichten Schweinefleisch ist, und habe dann gelernt, Schweine– Hähnchen– und Rindfleisch zu unterscheiden. Dann bin ich mit den Wochentagen nicht klargekommen. Zum Beispiel bin ich am Samstag in Deutschland angekommen. Es war schon 21:00 Uhr abends, und ich wusste nicht, dass ich am nächsten Tag keine Möglichkeit haben werde, einkaufen zu gehen, weil sonntags viele Geschäfte geschlossen sind. Ich habe zum Glück eine Tankstelle gefunden. Es war ok, es hatte mir nur vorher keiner gesagt, dass es diesbezüglich ein Problem geben würde.

Sie sind viel herumgekommen in Deutschland. Können Sie ihre Eindrücke beschreiben?

Ja, das war mein persönliches Ziel, so viel wie möglich von Deutschland zu sehen. Ich habe hauptsächlich meine Freizeit an den Wochenenden genutzt, um auf Entdeckungstour zu gehen. Ich war in Bremen, Lübeck, Kiel, Berlin, Hannover, Bonn, Köln, München, Dresden und Leipzig. Überall war es für mich eine angenehme Erfahrung, dass ich mich mit den meisten Menschen auf Englisch unterhalten konnte.

Sehr ergreifend war für mich der Besuch in der Gedenkstätte Bergen-Belsen, dem ehemaligen Konzentrationslager in der Nähe von Hannover. Dort habe ich die Dokumente über die sowjetischen Gefangenen studiert. Unter ihnen gab es auch KZ-Häftlinge aus Kasachstan und Usbekistan. Ich war beeindruckt davon, wie offen die Deutschen mit ihrer schrecklichen Vergangenheit umgehen. Ich kann nur jedem CrossCulture-Stipendianten empfehlen, wenigstens ein ehemaliges Konzentrationslager zu besuchen.

Herr Beisembaev, vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Dominik Vorhölter

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