2017 begannen im Altai die Aufnahmen für den zweiten Teil der Filmtrilogie „Eins, Zwei, Drei”. Im Dezember feierte die Produktion des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur in Berlin Premiere. Von den Kritikern wurde der Film wohlwollend aufgenommen. Und das hat gute Gründe. Der Artikel erschien zuerst in der Moskauer Deutschen Zeitung. Wir übernehmen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

Martina Wiedemann

Als Kinderfilm wird „Eins, Zwei, Drei“ gerne bezeichnet. Dabei haben die Regisseurinnen Irina Lindt und Anna Bagmet einen Film für die ganze Familie geschaffen. Die Trilogie ist eine dynamische Komödie, die sich dem großen und bisher wenig beleuchteten Thema der Russlanddeutschen aus einer unerwarteten, der kindlichen Perspektive nähert.

Iwan Weiß lebt in Moskau und wird von seiner Mutter zu einem Sprachcamp in Deutschland verdonnert, wo er nur widerstrebend hinfährt. Denn weder Land noch Sprache interessieren ihn. Erika Schwarz lebt in Deutschland, wohin ihre Eltern mit ihr aus Russland ausgewandert waren. Sie spricht kein Russisch, kommt aber in das Camp, um mit russischen Kindern einen Teil ihrer Ferien zu verbringen. Die Begegnung der beiden veranlasst Iwan dazu, seinen Widerstand gegen das Deutsche aufzugeben.

Treffen in zwei Welten

Sie versprechen sich gegenseitig, in Kontakt zu bleiben und sich in Moskau zu treffen. Als Erika zu Silvester in den Altai zu ihrer Großmutter reist, muss sie enttäuscht feststellen, dass Iwan nicht in der Stadt ist. Auch er ist unterwegs zu seinen Großeltern. Zur großen Überraschung leben sowohl Iwans als auch Erikas Großeltern im selben Dorf. Hier erleben sie ein traditionelles Weihnachtsfest in winterlicher Idylle. Doch ein Eifersuchtsdrama führt beinahe zum Bruch der zarten Beziehung. Damit endet der zweite Teil der Trilogie. Wohin es Iwan und Erika im dritten Teil verschlagen wird, bleibt vorerst ein Geheimnis.

Einfühlsam, humorvoll und ohne den erhobenen pädagogischen Zeigefinger zeigt der Film die großen Möglichkeiten, die aus der Zugehörigkeit zu einer Minderheit hervorgehen. Russlanddeutsche sind Träger zweier Kulturen und können, wenn sie es wollen, in beiden Ländern gleichermaßen zu Hause sein. Nach einer langen Phase von Repressalien, Verboten und des Verschweigens der eigenen Identität können sie endlich zu sich selbst und zu anderen finden.

Laiendarsteller spielen hervorragend

Die Trilogie „Eins, Zwei, Drei“ fügt den wenigen künstlerischen Wortmeldungen zum Thema Russlanddeutsche einen wichtigen Beitrag hinzu. Das erfrischende Spiel der beiden Hauptdarsteller Iwan Solotuchin und Ariana Wiediger ist durchaus professionell. Bei Iwan wundert das nicht, haben ihm doch der bekannte Schauspieler Walerij Solotuchin und Irina Lindt ihre Gene mit in die Wiege gelegt. Ariana steht ihm aber in keiner Weise nach und meistert mit Bravour ihre Rolle. Sie passen vor und hinter der Kamera sehr gut zusammen. Ob es daran liegt, dass beide am gleichen Tag geboren sind?

Von den Laiendarstellern stechen Larissa Schmidt als Campleiterin Irma Karlowna und Heinrich Martens jr. als Gegenspieler Iwans im Eifersuchtsdrama hervor. Die Schauspieler Galina Polskich, Alexej Buldakow, Irina Lindt und Anna Bagmet zeichnen mit kräftigen Strichen ihre Figuren. Die professionellen Schauspieler beflügeln die Laiendarsteller auf wunderbare Weise. Allen zusammen ist ein sehr schöner und sehenswerter Film gelungen, der seinen Platz in den Kinos in Deutschland und Russland, im Fernsehen und in den Schulen beider Länder finden wird.

Foto: Erika und Iwan genießen den Winter im Altai © Angelina Miro

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