Das Wochenende ist immer eine glückliche Zeit. Besonders, wer zur arbeitenden Bevölkerung gehört, versteht, was ich meine: Am Wochenende ist Zeit, endlich all die Dinge zu erledigen, die man sich schon die ganze Woche vorgenommen und auf die man sie gefreut hat.

Zum Beispiel eine ausschweifende Wandertour durch die Berge. Bevor hier in Almaty der Winter Einzug hält und die Berggipfel mit einer weißen Glasur Schnee überzieht, ist es besonders zu empfehlen, sich zum Beispiel auf eine Wanderung nach Medeo zu begeben, dem mit Autoabgasdunst gefüllten Tal entkommen, um mal so richtig durchzuatmen. Darauf habe ich mich schon eine ganze Woche gefreut. Zugegeben, mir stinkt es in solchen Momenten – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes – dass ich selbst hier, in der herbstlichen Natur, wo ich umgeben bin von olivgrünen, goldenen und bronzefarbenen Wipfeln, nicht etwa frische Bergbrisen atme, sondern immer noch den leidigen Abgasgeruch in der Nase habe.

Kein Wunder, ich laufe ja auch eine normal geteerte Straße entlang, und heutzutage heißt das schnellste „Pferd“ eben Mercedes, Porsche oder Ferrari. Dabei fällt mir ein, dass Pferde und die Bewohner Kasachstans schon seit Jahrhunderten miteinander verbunden sind. Schon vor über 5.000 Jahren haben die Menschen hier Pferdezucht betrieben. Es gibt sogar eine Pferderasse, nach der die nordwestkasachische Stadt Kostanai benannt wurde. Der Kostanai ist ein Rennpferd; mit anderen Worten, ein metabolischer Mercedes; nur  das er statt Benzin, Steppengras benötigt. Hier, auf dem Weg nach Medeo befinde ich mich nicht im Flachland, sondern in den Bergen, und ich verstehe total, dass der eine oder andere faul ist und metabolische Kraft gegen mechanische Kraft austauscht, um voranzukommen.

Gut. Den Weg nach Medeo gehend, wird mir klar: Ich bin noch nicht ganz auf dem richtigen Pfad zum Glücklichsein gelandet, zu oft fährt ein Auto vorbei. Dafür lädt am Ziel eine riesengroße Eislaufarena zum erfüllten Wochenendspaß auf flinken Kufen ein. Ich sehe mich schon über das Eis flitzen, doch dann ertönt eine Stimme aus dem Lautsprecher, welche die bereits auf dem Eis fahrenden Gäste höflich auffordert zu gehen. Da bleibt mir nur übrig, weiterzulaufen. Also erklimme ich die Treppenstufen zur Aussichtsplattform und werde mit einem wunderschönen Ausblick belohnt. Das lang ersehnte Glücksgefühl macht sich bemerkbar. Sportliche Betätigung soll ja auch die Glückshormone ankurbeln. Also denke ich ernsthaft darüber nach, demnächst zur Arbeit zu reiten. Keine Angst, bei dem Verkehr hier, kommt, wenn überhaupt, nur ein Drahtesel für mich in Frage.

Von Dominik Vorhölter

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