Der Ausdruck „Anti-Abschiebe-Industrie“ ist das Unwort des Jahres 2018. Aus Sicht der Jury ist er ein Beleg dafür, dass sich der politische Diskurs nach rechts verschiebt. Der CSU-Politiker Alexander Dobrindt hatte im Bundestag die Klagen gegen die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber als Sabotage des Rechtsstaats bezeichnet und von einer „Anti-Abschiebe-Industrie“ gesprochen.

Die Jury kritisierte auch die Begriffe „Menschenrechtsfundamentalismus“ und „Ankerzentrum“. Ersterer stammt vom Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne), der damit in der Diskussion um die Flüchtlingsrettung im Mittelmeer die politische Haltung anderer kritisiert habe. Menschenrechte von Flüchtlingen zu verteidigen, sei keine Frage der Gesinnung, die als „Fundamentalismus“ diskreditiert werden könnte.

„Ankerzentren“ werden bestimmte Flüchtlingseinrichtungen genannt. Die Jury kritisierte, dass mit dem Wort Anker gezielt positive Assoziationen genutzt und komplizierte Prüfverfahren sowie die dort herrschende strikte Aufenthaltspflicht für Flüchtlinge verschleiert würden.

Zum Unwort des Jahres wird seit 1991 jährlich ein Begriff gekürt, der gegen das „Prinzip der Menschenwürde“ oder gegen „Prinzipien der Demokratie“ verstößt, weil er gesellschaftliche Gruppen diskriminiere oder „euphemistisch, verschleiernd oder gar irreführend“ sei. 508 verschiedene Begriffe waren als Vorschläge für das Unwort 2018 eingegangen. (dpa)

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