Die Goethe-App rund um Energie, Ressourcen und Umwelt „Urbane Ecken“ (DAZ, 19/2016) geht am 30. September, nach den ersten Testphasen, offiziell online. Das geobasierte Spiel führt ab heute alle Interessierten an Orte der kasachischen Hauptstadt, die für Ökologie oder Energieeffizienz stehen. Das vorrangig junge (16-25 Jahre) Zielpublikum soll mit einer spannenden Spielstory an Umweltthemen und erneuerbare Energien herangeführt werden.

Auf einem der jährlichen Sommerferien-Aufenthalte bei ihren Großeltern, finden Talgat und Dina einen sonderbaren Stein mit fünf verschiedenen Symbolen am Fuße des Nachbarberges. Auf diesen Fund angesprochen, erzählen die Großeltern über den einst existierenden Zauberfluss, der dort floss, wo heute Astana erbaut ist. Der sich aus fünf Energien (Feuer, Wasser, Wind, Erde, Zeit & Zukunft) speisende Fluss garantierte die friedliche Koexistenz der Lebewesen und der Umwelt. Nur in einem Gleichgewicht der Energien war diese Harmonie gewährleistet und darum kümmerten sich einst die Wächter. Als diese verschwanden, schwand auch der Fluss. Nun wird das Geschwisterpaar von ihren alten Großeltern – anscheinend die beiden letzten Wächter – beauftragt, den Fluss wiederzubeleben und das Geheimnis um das Verschwinden der Wächter aufzulösen.

So ist die Geschichte hinter dem neuen Spiel, das ab 30. September kostenlos zum Download in jedem Appstore zur Verfügung steht. Danach, so hoffen die Initiatoren dieses Projekts, soll man an vielen Ecken der Hauptstadt Menschen mit Smartphones, in die Geschichte vertieft, die gestellten Aufgaben lösen sehen.

Spielerische Verantwortung

Neben dem Goethe-Institut und dem Bundesministerium für Umwelt und Energie sind das Zentralasiatische regionale Umweltzentrum (carec), die Deutsche Botschaft Kasachstan, das kasachische Energieministerium, das Akimat von Astana, die EXPO-2017 und weitere Projektpartner am Projekt beteiligt. Die Idee dazu wurde einst in einem Jurtencamp hoch in den Bergen, südlich von Almaty geboren. In einem Think Tank in der kasachischen Nationalbehausung, ging es Asya Tulesova und anderen Teilnehmern einer interdisziplinären Gruppe darum „einen Weg zu finden, junge Menschen auf unkonventionelle interaktive Weise für Umweltthemen zu begeistern.“

Der Aspekt der gemeinsamen Verantwortung steht über allem, denn das Spiel funktioniert nur, wenn viele zusammen spielen. Ein einzelner Spieler kann nicht „gewinnen“. Nur mit vereinten Kräften können die Spieler den magischen Fluss am Ende auffüllen.

Nach Barbara von Münchhausen, Leiterin des Goethe-Instituts, kann man das Spiel auch als einen interaktiven Think Tank der Städter sehen, die den Gedanken an die Stadtökologie entwicklen und tatsächlich zu einer Veränderung beitragen können. Denn auch die Partner (Akimat oder ökologische Initiativen) können die Vorschläge und Sorgen der Bürger mitlesen.

Bewegung trifft auf Engagement

Bei einem geobasierten Spiel geht es um Bewegung, das heißt an die einzelnen Stationen muss man sich tatsächlich physisch begeben. Des weiteren sind Fantasie, Logik und Kreativität herausgefordert. Die Spieler werden selbst zu den sog. „Wächtern“ und versuchen den Fluss mit Energien zu füllen. Der Energiefluss, muss in einer Balance der fünf Energieformen (Feuer, Wasser, Wind, Erde, Zeit & Zukunft) wieder zum Fließen gebracht werden. Dies geht nur mit der Erfüllung der Aufgaben, die an den verschiedenen Stationen in Astana auf die Spieler warten.

Es gibt zahlreiche mögliche Aufgaben, die an einer Station warten können, darunter fallen: Bauen von Modellen, Zeichnen, Fotografieren, Erraten oder Dechiffrieren von Rätseln, Reflexion über ökologische Themen oder Multiple Choice. Daneben kann jeder in Kommentaren Vorschläge für eine Weiterentwicklung von realen Standorten etc. machen.
Anastasia Rimmer vom kasachstandeutschen Jugendclub ist erklärter Fan der App und sieht ihr Potential über die gesetzte Zielgruppe hinaus: für Jung und Alt; vom Schulunterricht, über Wochenendbeschäftigung bis hin zum Rendezvous. Ihre persönliche Definition von Energie ist weitflächig, dazu zählt sie auch humane Energie wie Engagement, und arbeitet mit anderen Mitgliedern daran, dass irgendwann auch der deutsche Jugendclub als eine Station in das Spiel implementiert wird. „Ich hoffe, dass in Zukunft mehr Stationen dazukommen, die die Menschen an ihnen weniger bekannte Ort bringen. An Stadtecken, die schön, aber weniger bekannt sind.“

Für CO2-Emissionen sensibilisieren

Heinrich Wyes, stellvertretender Direktor von Partner carec ist fest davon überzeugt, dass diese App „Genau zum richtigen Zeitpunkt“ komme. Und das nicht nur, wegen des EXPO-Slogans „Energie der Zukunft“, daneben ginge es momentan weltweit um tragende Entscheidungen in Sachen Energie und Umwelt. 2015 wurde das Pariser Klimaabkommen zur Reduktion von CO2-Emissionen unterzeichnet, welches 2016 bereits in Kraft treten soll. USA und China haben kürzlich auch ratifiziert, diese beiden Länder stellen 38% der weltweiten CO2-Verschmutzung dar. Auch Brasilien und viele weitere Länder mit hohen Treibhaus-Emissionen haben angekündigt zu unterschreiben. Kasachstan steht im Übrigen mit seinem CO2 Fußabdruck weit oben in der globalen Liste (Platz 16) und hat viel Potential zum Einsparen von Energie. Wyes sieht in der mobilen Anwendung eine neue, zukunftsgerichtete Art und Weise, Jugend für Umweltthemen zu sensibilisieren.

Man bezeichnet sich als ein nachhaltiges und soziales Projekt, sieht sich nicht als ein reines Spielangebot. Neben dem Bildungsauftrag, stellt man auch die Sprachlernfunktion der viersprachigen (Deutsch, Russisch, Kasachisch, Englisch) App heraus. Bereits in der Testphase haben Schulen gut geholfen, 250 Schüler und Lehrer testeten die App. Auch im weiteren Projektverlauf sind viele Sprach– und schulbezogene Projekte angedacht.

Da es sich um ein prozessuales, bis zunächst Ende 2018 angelegtes Langzeitprojekt handelt, seien neue Partnerorganisationen stets willkommen, so Projektleiterin Irina Hetsch. Es gibt sogar die Möglichkeit, diese als Stationen mit in den Spielverlauf einzubinden, wie es z.B. bereits bei dem städtischen Fahrradsystem der Fall ist. Was die Expo angeht, sei man im Gespräch über die Implementierung des Konzepts. Man denke dabei vor allem an die Präsentation des Projektes in der Best-Practice-Halle zu Energiesparförderung und Energieerziehung – bestätigt Barbara von Münchhausen.

Ein Multiplikatorenworkshop, durchgeführt vom Spieldesigner Christoph Deeg, bereitete unterdessen auch darauf vor, wie man neue Stationen in das Spiel einbaut und welche Schritte man dabei beachten müsse. Des Weiteren wurde auf die Motivationsmodelle für die Spieler eingegangen.

Man darf also vom heutigen Tag an gespannt sein, wie das Spiel angenommen wird und ob die Hauptstädter und Besucher bereit sind, Astana aus neuen Blickwinkeln zu entdecken und dabei etwas Nachhaltiges zu lernen. Als Motivation sollen neben der spannenden Spielstory, auch Preisausschreibungen und weitere Specials – etwa zu Feiertagen – dienen. Alle Neuigkeiten und Aktionen kann man in den begleitenden sozialen Medien verfolgen.

Julia Boxler

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