Gulbarschin hat fünf Söhne, fünf Töchter, 20 Enkel und 40 Kühe. Die alte kasachische Frau ist Chefin eines Bauernhofes in einem Dorf vor Almaty. Jeden Morgen macht sie sich auf in die Großstadt, um in einer Straße neben dem „Grünen Basar“ Kurt zu verkaufen.

Um Kurt herzustellen, kocht man zuerst Milch, dann lässt man sie einen Tag und eine Nacht stehen, um Kefir zu bekommen. Danach nimmt man ein großes Tuch, füllt es mit der Kefir-Masse und hängt es auf, so dass die restliche Milch abtropfen kann. Diese Milch hilft bei Bluthochdruck. Zu der Masse gibt man Öl und Salz und formt daraus entweder Kügelchen oder größere Stücke, die aussehen wie weiße Steine. Anschließend muss das Ganze trocknen. Dieser Prozess kann wochenlang dauern.

Diese saure Nascherei kann sich jeder leisten, Gulbarschin bietet sie – in kleine Tüten einsortiert – in verschiedenen Größen an, die Stücke kosten zwischen 20 und 100 Tenge (10 bis 50 Cent). Gulbarschin ist die älteste Frau auf der Straße, um sie herum bieten jüngere Händler moderne Jeans, T-Shirts, Leggins und Kinderkleidung an. Obwohl sie zehn Kinder geboren hat und schon recht alt ist, wirkt sie zufrieden und lächelt beim Erzählen.

Sie ist Kasachin, aber in Usbekistan geboren. Seit rund 40 Jahren lebt sie in Kasachstan, die Quarkkügelchen stellt die 75-Jährige schon seit ihrer Jugend her. Seit zehn Jahren steht sie jeden Tag an der gleichen Straße in Almaty, um ihre Ware zu verkaufen: „Meistens kaufen das die Städter, sie haben schließlich keine Kühe zu Hause. Und die Kinder essen das gerne“, erzählt sie. Kurt sei gut für die Gesundheit, sagt die alte Frau noch. Auf ihrem Bauernhof hilft die ganze Familie, um die Kühe zu versorgen und Kurt herzustellen. „Bis zum Abend werde ich alles verkauft haben“, ist sich Gulbarschin sicher und lächelt.

Diese Serie entstand im Rahmen der Zentralasiatischen Medienwerkstatt (ZAM) im August 2013 in Almaty.

Von Tatjana Buchtarowa, Merej Rachmuchan und Kathrin Schnurrer

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