Wie jeden Oktober warben deutsche Banken und Sparkassen am Weltspartag um neue Anlagen im Spargeschäft. In Kasachstan war der 79. Aktionstag dieser Art kein Thema – obgleich er gerade hier ökonomisch sinnvoll wäre.

Seit Mitte der 1920er Jahre wird Ende Oktober im Kreditgewerbe alljährlich der Weltspartag begangen. Aus Sicht der Banken wurde damals zu wenig gespart. Zeiten mit Hyperinflation wie im Deutschland der 1920er, oder die Weltwirtschaftskrise der 1930er erschütterten den Glauben an die Sicherheit der Einlagen bei Banken. Heute vertrauen deutsche Sparer den Banken mehr. Der Weltspartag solle auch für die Eigenverantwortung bei der Altersversorgung sensibilisieren, so der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes am 25. Oktober in Berlin.

Sparen in Maßen sichert Wachstum

Im Jahre 1989 erklärte die UNO den 31. Oktober offiziell zum Weltspartag, und heute wird er in vielen Teilen der Welt begangen. Der Aktionstag soll dem kleinen Mann Wert und Bedeutung von Sparen und Vermögensbildung näher bringen. Die Banken hoffen so nicht ganz uneigennützig auf neue Spareinlagen ihrer Kunden. Besondere Bedeutung hat der Aktionstag beispielsweise in Italien, Österreich, Spanien oder Ungarn. In Deutschland ist er auch ein Tag der Kinder. Wer als Steppke am Weltspartag mit seinem vom Taschengeld genährten Sparschwein zum Bankschalter geht, der darf ein kleines Geschenk erwarten. Aber nicht nur die kleinen Beträge der Jüngsten sollen den Weg zu Sparkassen, Geschäftsbanken und damit in den Kreditkreislauf finden. Zum Weltspartag werben Banken und Sparkassen mit attraktiven Festgeldangeboten. Aus einzelwirtschaftlicher Sicht lassen sich so Kundenbindung und Gewinne im Spargeschäft zugleich erhöhen. Aus volkswirtschaftlicher Perspektive hat der Weltspartag ebenso seine Berechtigung. Denn die Sparneigung der Bevölkerung, ausgedrückt in der Sparquote, hat Rückwirkungen auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Wird in extremem Maße gespart, dann wirkt durch den damit einhergehenden Nachfrageausfall das Sparparadoxon, die Wirtschaftsleistung sinkt. Wird indes zu wenig gespart, dann ist das Geldangebot zu knapp, und die Kreditzinsen sind hoch – Sparen in Maßen sichert Wirtschaftswachstum. Zudem ist die Sparwilligkeit privater Haushalte immer auch ein Indikator ihres Zukunftsvertrauens in Wirtschaftspolitik, Bankensystem und Geldwertstabilität. Mangelt es an Vertrauen, dann wird eher unterm Kopfkissen als auf der Bank gespart.

Kasachstans niedrige Sparquote

Im internationalen Vergleich liegt die Sparquote der Deutschen im oberen Mittelfeld. Das Vertrauen in den Bankensektor ist hoch. Folglich mutet der Weltspartag hier leicht wie ein gern gehegtes Relikt an. In Kasachstan würde ein Aktionstag wie der Weltspartag seiner Intention nach Sinn machen. Die offizielle Sparquote im Land ist niedrig. Viele Menschen misstrauen den Banken nach der Hyperinflation Mitte der 1990er. Zudem ist die kasachische Volkswirtschaft noch weitgehend dollarisiert respektive euroisiert – sprich, die Menschen verwenden zum Geldhorten und für größere Käufe lieber Auslandswährung. Der kleine Mann kann sich kein Dollar- oder Eurokonto leisten. Geldhaltung und Sparen in der Landeswährung Tenge scheint noch ein Risiko zu sein. Damit ist aber auch das inländische Geld- und Kreditangebot durch den Bankensektor eingeschränkt. Die Geschäftsbanken können ihre Intermediär- und Risikotransformationsfunktion zwischen Sparern und Kreditnachfragern nur eingeschränkt erfüllen. Zwar können sich kasachische Banken nicht nur durch Kundeneinlagen, sondern auch über den internationalen Kapitalmarkt refinanzieren, doch das geringe inländische Einlagevolumen ist sicherlich ein Grund unter anderen für die hohen Zinssätze und das geringe Ausleihvolumen kasachischer Banken. In Deutschland beträgt das Verhältnis Kredite im Inland zu Bruttoinlandsprodukt gemäß aktueller Zahlen des Internationalen Währungsfonds etwa 120 Prozent. In Kasachstan liegt diese Relation bei etwa 10 bis 15 Prozent.

„Der Weltspartag wird einfach nicht gefeiert“

Die traditionsreiche kasachische Großbank TuranAlem wurde 1925 gegründet; also in dem Jahr, als der Weltspartag ins Leben gerufen wurde. Dennoch: „Der Weltspartag wird in Kasachstan einfach nicht gefeiert, und deswegen planen wir auch keine speziellen Events“, so Tim Ospanow, verantwortlich für Analyse und Öffentlichkeitsarbeit bei der TuranAlem Bank. Bei der Konkurrenz sieht es nicht anders aus. Es verwundert, dass am Weltspartag in Kasachstan nicht extra für das Sparen geworben wird. Die Zurückhaltung der Großbanken ist ein Indikator, dass hier derzeit Konsum und vor allem demonstrativer Konsum zählt – aber auch, dass das Privatkundengeschäft der Banken noch in den Kinderschuhen steckt. Durch Marketing und Pionierverhalten ließen sich gerade in Kasachstan durchaus Wettbewerbsvorteile im Spargeschäft und hier vor allem im konsumgebundenen Anspargeschäft erzielen. Nicht umsonst warben deutsche Sparkassen in diesem Jahr unter dem Slogan: „Der Weltspartag. Ihr Wunschstarttag“. In Kasachstan wird das Thema private Altersvorsorge und Vermögenssparen in Zukunft auch wichtiger werden – und hier kann der Weltspartag schon heute sensibilisieren. Denn eins haben Kasachstan und Deutschland gemeinsam: Vater Staat zieht sich aus seiner Rolle als Altersversorger zurück, und eigenverantwortliches Sparen wird wichtiger.

04/11/05

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