Bereits vor Jahrzehnten, noch zu Zeiten der Sowjetunion, wurde der 8. März zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Ältere können sich noch an Clara Zetkin als Begründerin des Weltfrauentages erinnern. Dabei ist umstritten, auf welche Traditionen sich der Gedenktag bezieht.

Mitte der 1980er Jahre gab die Harvard-Historikerin Temma Kaplan einen Überblick über eine Vielzahl sozialistischer Ursprungslegenden rund um die Etablierung des Frauentages. Die in der Sowjetunion gängigste Version lautete: die deutsche Sozialistin Clara Zetkin (1857-1933) habe 1910 auf der „Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz“ in Kopenhagen eine Resolution eingebracht, in der es hieß: „Im Einvernehmen mit den klassenbewussten politischen und gewerkschaftlichen Organisationen des Proletariats in ihrem Lande veranstalten die sozialistischen Frauen aller Länder jedes Jahr einen Frauentag, der in erster Linie der Agitation für das Frauenwahlrecht dient.“

Im Sozialismus gab es besonders viele Geschichten um den 8. März

Es gibt auch andere Erklärungen für die Entstehung des Frauentages. Nach einer von ihnen haben US-amerikanische Sozialistinnen bereits 1909 den letzten Sonntag im Februar zum „Nationalen Tag der Frau“ deklariert. Nach einer anderen Variante ist ein „Tag der Frau“ anlässlich des 40. Jahrestages der „Pariser Kommune“  am 18. März 1911 in Paris und Wien begangen worden.

Ein weiterer Erklärungsversuch stellt Lenin als den Initiator des Frauentags dar. Er soll im Jahr 1921 im Gedenken an den St. Petersburger Frauenaufstand vom 23. Februar 1917 – nach Julianischem Kalender am 8. März – diesen Tag ebenfalls zum „Internationalen Frauentag“ erklärt haben. Der Aufstand der St. Petersburger Frauen habe für ihn als Auslöser für die Februarrevolution gegolten.

Vom Antifaschismus bis zur sozialen Gerechtigkeit

Eine andere Erzählung besagt, dass der Frauentag zum ersten Mal am 8. März 1945 im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück gefeiert worden sei. Nicht zuletzt deswegen verbinden kommunistische Frauen nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs die Feierlichkeiten zum 8. März mit dem Kampf gegen Faschismus und Kapitalismus.

Im Zuge des Kalten Krieges sind sozialistische oder gar kommunistische Tradierungen des 8. März in Westeuropa und Nordamerika unpopulär geworden. In sozialistischen Ländern dagegen hat sich der 8. März zu einem offiziellen Muttertagsersatz entwickelt.

Andere Version in Amerika

In den Vereinigten Staaten hat sich eine eigene Legende verbreitet, nach der Anlass der Feierlichkeiten auf einen spontanen Streik von New Yorker Textilarbeiterinnen zurückzuführen sei. Diese hätten sich am 8. März 1857 gegen niedrige Löhne und zunehmende Arbeitsbelastung sowie für eine Arbeitszeitverkürzung eingesetzt. Die Polizei hätte der Demonstration ein blutiges Ende gesetzt, viele Frauen seien damals festgenommen worden, einige Frauen seien auch zu Tode gekommen. Fünfzig Jahre später, am 8. März 1907, hätte man begonnen dieser Frauen zu gedenken. Im Folgenden erwies sich allerdings diese Geschichte als Mythos.

Seit den 1970er Jahren wird der 8. März weltweit von der feministischen Bewegung in Anspruch genommen. Im „kollektiven Gedächtnis“ der Frauenrechtlerinnen nimmt er einen besonderen Stellenwert ein. Ganz gleich, ob „Internationaler Frauentag“, „Tag der Arbeiterin“ oder „Tag der Sozialistin“ – der 8. März bietet jedes Jahr aufs Neue zahlreiche Gründe zum Feiern, Fordern und Erinnern. Denn dieser Tag ist den Frauen nicht von Männern geschenkt, sondern von ihnen in vielen Teilen der Erde hart erkämpft, worden.

Von Karlygasch Toktybajewa

07/03/08

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