Wim Wenders hatte keine Lust. Jedenfalls nicht auf einen Film ausgerechnet über einen japanischen Modemacher: „Mich interessiert die Welt“, sagte er, „nicht die Mode!“ Es kam aber anders.

Ort der Handlung – Paris, Ende der achtziger Jahre. Über die Dächer der Stadt schaut ein ziemlich cool aussehender Designer. Es ist der Japaner Yoshi Yamamoto, in der Modewelt auffällig geworden durch das ewige Schwarz seiner Stoffe. Er hat klare Grundsätze: „Ich brauche keine Farben, um mich auszudrücken”, hatte er mitgeteilt, von Bedeutung seien vielmehr „Schnitte, Silhouetten, Bewegung und Formen”.

Über diesen Mann also soll Wim Wenders, im Auftrag des Centre Pompidou Paris, ein Porträt drehen. In den meisten Filmen, die er bis dahin gemacht hatte, ging es um Reisen seiner Helden. Nun aber muss sich der Regisseur selbst auf den Weg machen.

Nach Tokio. Wenders filmt mit zwei Kameras – einer traditionellen 35mm-Apparatur und einer (es ist das Jahr 1989) brandneuen Videokamera. Er filmt in Ateliers und am Laufsteg, und immer wieder folgen visuelle Streifzüge durch die japanische und die französische Hauptstadt. Wenders sucht Bilder.

Und Wenders kauft sich ein Hemd, von Yamamoto. Er fühlt sich großartig: „Ich war geschützt wie ein Ritter in seiner Rüstung. Von einer Jacke und einem Hemd. Diese Jacke erinnerte mich an meine Kindheit. Das Gefühl „Vater“ war in sie hineingewebt. Was wusste dieser Yamamoto von mir?“

Gibt es ein Geheimnis, eine Zauberformel, aus der dieser Magier des Textils seine Werke schöpft? In einer Szene schlägt Yamamoto einen Bildband auf, der vor ihm liegt. Wenders und er betrachten Fotos, Porträts vom Anfang des letzten Jahrhunderts. Zu sehen sind Menschen in Jacken, Hemden und Mänteln, und Yamamoto sagt: „Sie haben keine Kleider an, sondern die Wirklichkeit.”

Denn dies sind nicht irgendwelche Porträts, sondern die Fotos des legendären August Sander (1876-1964), der mit seinen Menschen-Bildern nicht weniger als ein authentisches „Antlitz der Zeit“ schaffen wollte. Sander ist Yamamotos Lieblingsfotograf, und es stellt sich heraus, dass dies nicht die einzige Gemeinsamkeit bleibt zwischen dem Designer und dem Regisseur.
Yamamoto interessiert sich für Kleider, nicht für Mode. Und Wenders entdeckt, in diesem sympathischen filmischen Essay voller überraschender, „schöner“ Bilder, eine ungeahnte Verwandtschaft zwischen dem Kleidernähen und dem Filmemachen.

Das Goethe-Institut Almaty zeigt den Film am Donnerstag, 26.03., um 18:00 im Kino Caesar.

Von Günther Hasenkamp

20/03/09

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