Warum erinnern wir uns – wir, eine Generation, die weder Krieg noch Repressionen am eigenen Leibe erfuhr, an die schrecklichen Zeiten? Dies fragten sich die Mitglieder des Vereins Deutsche aus Russland Kultur A-Z aus Soest.

Mitte Mai fand die Premiere des Dokumentarfilms über die Geschichte der wolgadeutschen Familie Hollmann-Bender statt. Dazu lud die Leiterin des Museums für russlanddeutsche Kulturgeschichte, Dr. Katharina Neufeld nach Detmold in Nordrhein-Westfalen ein.

Der Film porträtiert die russlanddeutsche Schriftstellerin Ida Bender – eine Wolgadeutsche, die die Geschichte ihrer Familie, angefangen von der Kolonialzeit bis hin zur Rückkehr in die historische Heimat, dokumentiert hat.

Ida Bender war eine geborene Hollmann und die Tochter des bekannten Dichters, Schriftstellers und gesellschaftlichen Aktivisten Dominik Hollmann. Sie hatte sein Talent geerbt. Sie war eine kleine zierliche Frau mit einer beeindruckenden Aura und einer starken Stimme, die viele Menschen in ihren Bann zog – die Kinder wie die Erwachsenen: wenn sie sprach, hörten alle gebannt zu.

Fast drei Jahre nach ihrem, haben die Mitglieder des Vereins Deutsche aus Russland Kultur A-Z, sie noch einmal im Film gesehen. Auf der Leinwand wirkt sie, als sei sie unter ihren Landsleuten. Tapfer und ausdrucksvoll berichtete sie über all die Schicksalswege, die sie und die Familie ihres Vaters, des Schriftstellers Dominik Hollmann gegangen sind. Sie hält ihre Hand über diese Geschichte, als wäre sie ein großer Schatz.

„Wir sind dankbar, dass wir uns ein Stückchen von ihrem Schatz abholen konnten und dass wir Rudolf Bender und seine Familie als Freunde haben und gemeinsam an der Erinnerungskultur in unserer neuen Heimat Deutschland arbeiten! Wir alle wissen mittlerweile, dass die Wolgarepublik nicht mehr wiederhergestellt wird, wir fahren nicht mehr zurück nach Russland, wir sind hier in Deutschland heimisch geworden – und wir sind auch ein Teil der Deutschen Geschichte, zu der auch die Schicksalswege der Russlanddeutschen gehören“, sagte Antonina Domke.

70 Jahre seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges haben uns dazu veranlasst, an die schlimmen Jahre 1941-1945 zu erinnern, denn das Ende des Krieges bedeutete nicht das Ende des russlanddeutschen Leides – bis 1946 bestanden noch die Zwangsarbeiterlager, bis 1956 – die Kommandantur, bis 1964 hing noch die Verleumdung als Volksfeinde und Diversanten in der Luft. Teilweise bis in die 1980er haftete noch dieses Brandmal. Das Ganze könnte man als Jahrhundertdrama bezeichnen. Nach 70 Jahren Kriegsende ist die Geschichte für eine Mehrheit der Deutschen und Russlanddeutschen nach wie vor präsent.

Ida Bender besuchte im Jahr 2008 den Verein Deutsche aus Russland Kultur A-Z in Soest. referierte zu verschiedenen Themen, las aus ihrem Buch „Schön ist die Jugend bei frohen Zeiten“, trat als Zeitzeugin auf und sang auch im Chor mit.

Von Antonina Domke

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