Über die Zukunftsperspektiven der deutschen Wirtschaft im neuen Jahr:

KÖLNISCHE RUNDSCHAU (Köln)

Vieles deutet derzeit darauf hin, dass sich die Konjunktur im neuen Jahr wieder besser entwickelt. Klar: Die schlechten Staatsfinanzen, die demographische Entwicklung und eben die Globalisierung schnüren das Korsett für jeden Einzelnen sehr eng. Doch Umfragen und Indikatoren sprechen für mehr Kauffreude, mehr Investitionen und auch neue Arbeitsplätze. Es besteht also Grund zu Optimismus. Wir sind nicht nur Bedenkenträger, sondern auch Heulsusen, hat kürzlich ein Bank-Manager über die Deutschen gesagt. Also: Beweisen wir dem Mann 2006 doch das Gegenteil!

ESSLINGER ZEITUNG (Esslingen)

Die sozialen Sicherungssysteme sind überdehnt und bedürfen der Reform. Die hohen Lohnnebenkosten sind einer der gewichtigen Standortnachteile Deutschlands und verhindern die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Ob die Große Koalition die Kraft zu deutlichen Kurskorrekturen aufbringt, entscheidet darüber, ob die Parameter in Deutschland klar nach oben zeigen werden.

WESTDEUTSCHE ZEITUNG (Düsseldorf)

Die Sorge ist realistisch, dass das steigende Wachstum 2006 kaum zur Belebung des Arbeitsmarktes beitragen wird, obwohl die erzwungene Lohnzurückhaltung und die bereits erreichte Flexibilisierung der Arbeitswelt mit dazu beigetragen haben, dass die deutschen Unternehmen wieder wettbewerbsfähiger geworden sind. Hier darf die Politik den Konzernen bei allem Zwang zur Internationalisierung ruhig kritischer auf die Finger schauen.

BONNER GENERAL-ANZEIGER (Bonn)

Die Republik erlebt einen Anfang von Aufschwung, doch soll er sich fortsetzen, muss es weitergehen mit den Reformen. Selbstverständlich ist das angesichts der großen Koalition nicht. Die Gefahr einer weiteren Sozialdemokratisierung der Union ist nicht gebannt, die Verlockung, nur noch kleine Schritte zu gehen, ziemlich groß. Es war wieder einmal Horst Köhler, der Bundespräsident, der dazu die richtigen Worte fand: „Jeder sollte wissen: Je kleiner die Schritte, desto mehr Schritte muss er machen.” Dass „er” lässt sich getrost durch ein „sie” ersetzen. Angela Merkel muss, traut sie sich den großen Schritt nicht zu, noch viele kleine wagen. Sie hat sie in ihrer Neujahrsrede versprochen.

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