Zentralasiens Freiheit der Kunst

Eugenia Jäger, gebürtige Kasachin und selbst Künstlerin hat die Ausstellung kuratiert.
Eugenia Jäger, gebürtige Kasachstanerin und selbst Künstlerin hat die Ausstellung kuratiert. | Bild: Julius Bauer

Das GEDOK Künstlerinnenforum stellt derzeit zentralasiatische Kunst in Karlsruhe aus. Das Projekt zeigt das Schaffen von sechs Künstlerinnen aus Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan und Usbekistan. Ihre Werke zeugen von neuen ideologischen Entwicklungen und einer Wiedergeburt alter prä-sowjetischer und sogar prä-islamischer Kulturen.

„Als ich die Arbeiten gesehen habe, dachte ich nur wow! – man spürt die Freiheit der Frauen, die sie geschaffen haben“, sagt Eugenia Jäger. Sie hat die Ausstellung für postkoloniale Kunst aus Zentralasien nach Karlsruhe gebracht und ist sichtlich gerührt ob des Erfolgs der Vernissage. Schließlich ist es eine Ausstellung, wie man sie nur selten in Europa findet.

Zentralasiatische Kunst hat hier kaum wer auf dem Schirm. Und doch sehen die Künstler, die zur Vernissage extra angereist sind, in der Ausstellung eine riesige Chance. Unter ihnen Größen wie Umida Achmedowa aus Usbekistan. „Es ist wichtig, dass die Menschen hier unsere Kunst sehen und so unser Leben kennenlernen können.“

Umida Achmedowa war die erste Kamerafrau Usbekistans. Damals revolutionär! Heute macht sie mit ihren gesellschaftskritischen Fotografien von sich reden.
Umida Achmedowa war die erste Kamerafrau Usbekistans. Damals revolutionär! Heute macht sie mit ihren gesellschaftskritischen Fotografien von sich reden. | Bild: Julius Bauer

Was die Freiheit der Kunst speziell in Usbekistan angeht, ist Umida nicht ganz so euphorisch. „Über große Freiheit zu reden ist noch früh, ein Spalt im Fenster ist geöffnet. Wichtig ist, ihn nicht wieder zu schließen.“ Die Leute hätten Angst vor der Regierung Mirsijojews. Der Künstler müsse aber mutig sein, sonst sei er kein Künstler, sagt Umida, „ich fühle, dass junge Leute in Usbekistan auch Mut sehen wollen!“

Postkoloniale Kunst aus Zentralasien ist für Eugenia ein emotionales Thema. Nicht zuletzt geht es ein Stück weit auch um die Identitätsfindung in den Ländern und den Umgang mit der ursprünglichen Kultur. Vieles sei durch Fremdherrschaft und die Sowjetunion unterdrückt und damit kaputt gemacht worden. Wie so oft in der Kunst ist aber die Finanzierung der größte Hemmschuh. Sowohl für solche Ausstellungen, als auch für die Künstler in den Ländern selbst. Zensur ist in Kirgisistan und Kasachstan kaum ein Thema, dafür aber in Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan umso mehr.

Und dennoch schafft es die Ausstellung Kunst von Künstlern aus vier verschiedenen zentralasiatischen Ländern zusammenzutragen. Umidas ausgestellte Werke sind übrigens keine Originale – sie dürfen die Grenzen Usbekistans nicht verlassen. In der Kunstszene jedenfalls ist Mirsijojews Liberalisierungskurs noch nicht angekommen.

Noch bis zum 11. März kann die Ausstellung in Karlsruhe besucht werden.

Julius Bauer

Der Artikel erschien zuerst auf Novastan.org. Wir übernehmen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.