Am vergangenen Samstag wurde eine Ausstellung über das Zusammenleben von ethnischen Kasachen und Russen eröffnet. Die Theodor–Heuss Kollegiatin Maria Makarowa präsentierte in den Räumen der Deutsch–Kasachischen Universität die Ergebnisse ihres Fotowettbewerbes. Bis zum 23. April können die Bilder angeschaut werden.

Blaue und weiße Plastikteller, beladen mit Tschaktschak, einer tatarischen Süßspeise, und Blini, die russische Variante der deutschen Pfannkuchen, werden durch den Raum getragen. Manch ein Besucher entscheidet sich auch für die kasachischen Spezialitäten, ein anderer für die russischen. Doch schaut man genauer hin, findet man auf vielen Tellern eine Mischung aus allem. Beflügelt durch Melodien von Mozart und Händel gehen die Anwesenden durch die schmalen Gänge des Raumes in der Deutsch-Kasachischen Universität in der Puschkin-Straße in Almaty.

Es ist die Eröffnung der Fotoausstellung „Im Fokus: Russisch–kasachisches Zusammenleben“. Die Initiatorin, Maria Makarowa, und der Rektor der Universität, Bodo Lochmann, begrüßten die einhundert Gäste mit einer beschwingten Ansprache. „Der Wettbewerb soll die Bewohner Kasachstans an einen Tisch bringen und sie dazu anhalten, über ihre gegenseitigen Beziehungen nachzudenken“, sagt die Projektkoordinatorin. Lochmann lobt das Engagement der 22-jährigen Hochschulabsolventin: „Es ist wichtig, über ein Thema zu sprechen in einer Zeit, in der es nur ein Thema und noch kein ernstes Problem ist.“

Die Bilder hängen an Wänden, Fenstern und metallenen Aufstellern. Unter den hauptsächlich bunten Motiven findet man nur vereinzelte schwarz–weiße. Zu sehen sind Gruppen spielender Kinder, Frauen, die gemeinsam beim Kaffee sitzen, Männer auf Berggipfeln oder Tanzgruppen – alle Motive verbindet, dass die unterschiedliche ethnische Herkunft offensichtlich ist. Auch ein Hochzeitsbild ist dazwischen zu finden. Das Brautpaar ist typisch kasachisch gekleidet, im Gegensatz zu den Brautjungfern, die eine russische Volkskleidung tragen. Das russisch–kasachische Zusammenleben wird auf jedem Bild deutlich thematisiert. Es ist eine abwechslungsreiche Mischung aus gestellten Bildern und lebendigen Situationsaufnahmen. Frauen schlendern über bunte Märkte, russisch–kasachische „Misch“-Pärchen halten sich in den Armen und lächeln glücklich. Auf dem Favoriten von Katja Podschiwalowa sieht man vier junge Männer, die in die Luft springen. Mit von sich gestreckten Armen und Beinen lachen sie vergnügt in die Kamera. „Ich mag dieses Bild besonders, weil es so voller Leben steckt“, so die junge Studentin.

Mit ihrem interkulturellen Fotowettbewerb bewarb sich Maria Makarowa beim deutschen Theodor–Heuss–Kolleg und wurde daraufhin aufgenommen. Das Programm der Robert-Bosch-Stiftung fördert das Engagement junger Leute im eigenen Land. Im vergangenen Herbst war Makarowa bei Vorbereitungsseminaren in Österreich und Georgien. Dort kam ihr die Idee, ein Projekt über das Zusammenleben von Kasachen und Russen zu iniziieren.
Makarowa sagt deutlich, dass es Probleme zwischen den beiden Kulturen gibt. „Ich sehe, wie sich Russen und Kasachen auf der Straße beschimpfen.“ Ihr war es wichtig, eine Plattform zu bieten, auf der ein interkultureller Austausch stattfinden kann. Die Planungen für den Wettbewerb begannen schon im letzten Oktober mit Ausschreibungen an Schulen und Universitäten in ganz Kasachstan. Vier Monate lang konnten Künstler und Hobbyfotografen ihre Bilder einschicken. Über 120 Fotografien gingen bei Maria Makarowa letztendlich ein. Aus dem ganzen Land kamen Bilder und die Projektkoordinatorin war begeistert: „Ich freue mich, dass ich keine negativen Bilder bekommen habe.“

Eine fünfköpfige Jury hatte in den vergangen Wochen die Fotos für die Ausstellung ausgewählt. Am Ende wurden es fünfzig.

An jedem Bild klebt am unteren Rand eine kleine Nummer. Die ist notwendig, um das Beste zu prämieren. Welche Kriterien es dafür gibt, erklärt Maria Makarowa selbst. „In fünf Kategorien wird das Publikum die Bilder bewerten. Es geht um den Preis des ‚liebevollsten’, ‚kreativsten’ und des ‚lebendigsten’ Bildes. Außerdem werden die Fotos prämiert, die das Thema am besten ausdrücken oder eine Frage aufwerfen.“

Obwohl zu der Ausstellungseröffnung weniger Leute kamen, als sich Maria Makarowa erhofft hatte, ist sie zufrieden:„Ich habe mit diesem Wettbewerb sehr deutlich gezeigt, dass es trotz der kulturellen Unterschiede keine Probleme im Zusammenleben von Kasachen und Russen gibt. Außerdem ist es nach 15 Jahren im neuen Kasachstan viel wichtiger, zuerst über das Zusammenleben nachzudenken als über die wirtschaftliche Zusammenarbeit.“

Bis zum 22. April können die Fotos in der Deutsch-Kasachischen Universität, in der Puschkin-Straße 111/113, angeschaut werden. Die Ausstellung ist täglich von 10 Uhr bis 19 Uhr geöffnet. Zur Ausstellungsschließung am 22. April um 13 Uhr stehen die Sieger des Fotowettbewerbes fest und werden prämiert. Was sie erwarten wird, ist der Projektkoordinatorin jedoch noch nicht zu entlocken und bleibt „Eine Überraschung!“

Von Natascha Heinrich

07/04/06

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