Eine eigentümliche Welt tut sich dem Außenstehenden am Südende Tübingens auf: Etwa 50 kunterbunte Bauwagen schmiegen sich an den Waldrand. Direkt hinter dem Eingangstor befindet sich Marias (Name geändert) Wagen, bemalt mit einem riesigen Regenbogen. Die Ethnologie-Studentin hat es sich auf ihrer Couch bequem gemacht und spannt bei lauter Musik vom Uni-Stress aus. Mit dem Strom muss sie jedoch bewusst umgehen, denn er wird mithilfe von Solaranlagen produziert, erklärt sie. Ein kleiner Campingherd steht unter dem Vordach. Das Geschäft erledigt sie auf einem Kompost-Klo und Wasser holt sie in Kanistern. Trotzdem – oder gerade deshalb fühlt sich Maria pudelwohl in der sogenannten Wagenburg. Für sie gibt es nichts Schöneres, als morgens von Grillengezirpe und Vogelgezwitscher geweckt zu werden. Schon als Kind sei es ihr Traum gewesen, möglichst naturnah zu wohnen – am liebsten in einer Gartenhütte.

Die Wagenburg ist einer der Mittelpunkte der alternativen Szene Tübingens. Unter den Bewohnern finden sich Punker und Alt-Hippies, junge und alte Leute. „Die Wagenburg ist eine echt gute Fundgrube für interessante Menschen.“ Maria ist begeistert. Diese Vielfältigkeit reizt sie auch an Tübingen. So befinden sich in ihrem Freundeskreis neben Juristen und Philosophen auch viele Arbeiter: „In seine eigene kleine Welt kann man hier ganz viele Welten integrieren“.

Auch: Gefangen im Bücherdschungel Zwischen Kneiptour und Fechtkampf .

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