Anisa Sabiri ist eine erfolgreiche tadschikische Schriftstellerin und Gewinnerin des Nationalpreises der Republik Tadschikistan für Literatur „Padida“. Die 23-Jährige ist außerdem Preisträgerin des zentralasiatischen Literaturpreises „Zolotaja Taburetka“. Zudem ist sie freie Korrespondentin für die Zeitung „Asien+“ und für eine Reihe von tadschikischen Zeitschriften. Sie leitet einen literarischen Salon, gibt ihre Fähigkeiten und ihr Wissen an Kinder weiter. Die tadschikische Dichterin steht dabei erst am Beginn ihrer Karriere.

Anisa Sabiri, erzählen Sie bitte, wie haben Sie zur Literatur gefunden?

Ich wollte einfach meine Gedanken zum Ausdruck bringen. Zuerst schrieb ich Gedichte und allmählich begann ich damit, Prosa zu verfassen. Ich finde, dass Poesie eine sehr gute Gattung der Selbstdarstellung ist. Meine erste Veröffentlichung hatte ich mit 13 Jahren. Heute versuche ich auch Artikel zu schreiben, wenn ich viele brennende Fragen habe. Ich habe auch ein paar Drehbücher geschrieben. Ein Paar davon wurden schon in tadschikischen Theatern aufgeführt.

In welchem Genre schreiben Sie?

Ich denke, dass ich Gegenwartsliteratur verfasse. Hoffentlich werden meine Werke irgendwann zu den Klassikern zählen.

Eines ihrer großen Themen ist Liebe. Das ist sehr interessant. Was finden Sie daran so spannend, können Sie das beschreiben?

Für mich trägt Liebe einen irdischen Sinn. Ich habe nicht das Bedürfnis, einfach über romantische Liebe zu schreiben. Für mich hat Liebe eine höhere Bedeutung: Es ist mehr die Liebe zur Kontemplation, zu Gott, zu unserem Inneresten. Es ist ein Gott, den wir ständig in uns selbst und in der Natur suchen. Ich meine, so wie wir Menschen nach einem Lebenssinn suchen, so suche ich auch in meinen Werken nach der philosophischen Liebe.

Sie sind eine sehr kreative Person. Sie schreiben, fotografieren, malen. Zudem sind Sie Absolventin der Moskauer Universität des Innenministeriums und Oberleutnant der Miliz. Wie sind Sie dazu gekommen eine Ausbildung und einen Beruf im Staatsdienst zu ergreifen?

So waren die Umstände. Ich wollte im Ausland studieren. Also bin ich nach Moskau gegangen und habe dort ein Jura-Studium begonnen. Dabei war es mein Ziel, das Studium mit Auszeichnung zu beenden. Es war interessant. Ich habe dort ein Praktikum als Untersuchungsführerin absolviert. Während dieser Zeit habe ich allerdings verstanden, dass es gut ist, aber die Miliz einfach nichts für mich ist.

Das hat meine Verbindung zur Literatur vertieft. Ja, viele sagen, warum Literatur, als Schriftstellerin verdienst du nichts. Aber ich finde, wenn alle so dächten, dann gäbe es keine Schriftsteller Dichter, Musiker und Künstler. Literatur ist meine Bestimmung, mein Weg und ich kann ohne sie nicht leben.

Sie sind eine tadschikische Dichterin, warum schreiben Sie russisch?

Meine Muttersprache ist Russisch und Tadschikisch. Aber das ist eher sowjetisches Tadschikisch. Ich habe eine Russische Schule besucht, und an einer russischen Universität studiert. Aber mein Russisch ist eher russisch-tadschikisch, denn ich verwende trotzdem eine Menge tadschikischer Wörter. In meinen Werken taucht immer unbedingt ein tadschikisches Wort auf. Es ist entweder ein russisch-tadschikisches Wort oder ein Wort, das seine Wurzeln im Sanskrit hat.

Im vergangenen Jahr haben Sie einen Vortrag auf dem PEN International Congress mit Thema „Die Situation der Frauen in Zentralasien“ gehalten. Was sagen Sie heute darüber, wie ist die Stellung der Frauen in Zentralasien?

Das ist sehr schwieriges vielseitiges Thema, weil es für Frauen in Zentralasien nicht einfach ist. Auf einer Seite sind sie beeinflusst das europäische Bewusstsein, die Modernisierung und Globalisierung. Sie sind gebildet und arbeiten. Auf der anderen Seite beeinflusst das hiesige Bewusstsein, also Traditionen, und nationale Klischees das Frauenbild. Es ist schwer, eine gute Mutter, Ehefrau, Tochter und gleichzeitig eine unabhängige und erfolgreiche Frau zu sein. Wie ist dies alles zu vereinbaren? Eine Dichterin oder kreative Frau hat es insbesondere schwer. Ich muss meinen eigenen Weg gehen und trotzdem kann ich nicht erst mit 40 heiraten, wie es die Männer machen. Ich denke, ich muss eine starke Frau sein, um all dies zu ertragen und mein inneres Selbst zu bewahren.

Während ihres Studiums in Moskau schrieben Sie über Migranten und die Liebe zur Heimat. Was bedeutet Ihnen eigentlich ihre Heimat?

Wenn ich im Ausland bin, dann verstehe ich erst, wie viel ich an meinem Heimatland habe. Das Land ist nicht nur eine geographische Definition, es ist eine Verbindung mit der Heimatserde. Ich wollte von zu Hause fort, um mich selbst zu finden. Also habe ich mein Studium in Moskau begonnen. Dann habe ich gemerkt, dass es egal ist wo ich sein werde und was passiert; ich liebe meine Heimat. Wenn ich für eine Woche irgendwohin gehe, dann vermisse ich Duschanbe sehr. Ich vermisse jedes Mal den Geruch meiner Heimat. Aber natürlich muss ich gelegentlich reisen, um zu sehen, was anders im eigenen Land ist. Reisen inspiriert auch. Wenn ich von einer Reise zurückkehre, fange ich an zu schreiben.

Sie haben eine starke Motivation, wo nehmen Sie Energie?

Das ist einfach den Wunsch, die Lücken zu füllen. Der Wunsch, eine Atmosphäre zu bauen, in der ich leben möchte. Ich versuche, meine Generation zu unterstützen.

Was würden Sie den jungen Leuten raten, die gerade auf ihrer beruflichen Laufbahn eingeschlagen haben?

Sie haben ja schon begonnen, und das ist Hauptsache. Das wichtigste ist, das erste Wort zu finden. Das ist wie Laufen lernen. Wenn Du als Kind den ersten Schritt machst, wird es weiter gehen. Ich rate das auch den Besuchern meines Literatur-Salons: Die Hauptsache ist, keine Angst zu haben und diesen ersten Schritt tun; einfach bescheiden sein und sich entwickeln.

Interview führte Shachnoza Bachteirova.

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