Mächtige Industrieparks, gut operierende Logistikkonzerne und Eigeninitiative von fest entschlossenen Unternehmern im zentralasiatischen Kasachstan begeistern jeden, der diesen Firmen einen Besuch abstattet. Zwei Politikwissenschaftlerinnen aus Usbekistan haben anhand ihrer Eindrücke aus Kasachstan Empfehlungen für die Entwicklung des usbekischen Logistiksektors erarbeitet.

Esmira Saudkasova, Gulasalkhon Saidmavlonova

In unserer globalisierten, sich rasch entwickelnden Welt gibt es immer mehr Initiativen, Ideen und Entwicklungsprogramme. Gleichzeitig wachsen aber auch die Anforderungen an alle Länder, ihre Wirtschaften anzukurbeln und widerstandsfähiger zu machen. Eines der derzeit profitabelsten Wirtschaftssegmente ist die Logistik. Viele Industrieländer, aber auch große Unternehmen schenken der Entwicklung dieses Sektors besondere Aufmerksamkeit.
In Usbekistan ist die Logistik ein vielversprechender Zweig. Es gibt bereits Strategien der Regierung, die das Land auf ein neues wirtschaftliches Entwicklungsniveau bringen sowie usbekischen Waren und Dienstleistungen den Zugang zu neuen Märkten ermöglichen sollen. Da Usbekistan als „doppelter Binnenstaat“ keinen eigenen Zugang zum Meer hat, liegt ein Schwerpunkt auf dem Ausbau der Routen zu Seehäfen.

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Eine Reihe von Initiativen zeigen, dass dem Logistikbereich in letzter Zeit mehr Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Am 2. Dezember 2017 wurde die Verordnung „Über die Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur und zur Diversifizierung der Außenhandelsrouten für den Warentransport für den Zeitraum 2018–2022“ unterzeichnet. Darüber hinaus gibt es in fünf internationale Logistikzentren in Nawoj, Angren, Taschkent, Termes sowie Pap. In der Region Taschkent wird ein Logistikzentrum mit fünf Cross-Docking-Stationen, einem Hypermarkt, einem Lager zum Sortieren und zur Aufbewahrung landwirtschaftlicher Produkte, einer 10.000 Tonnen schweren Kühlkammer und einem Hotel für 150 Personen aufgebaut. Im Rahmen der Eröffnung der Route „Ürümqi – Korgas (China) / Korgas – Almaty – Taras – Schymkent – Konysbajewa (Kasachstan) / Tschinas (Usbekistan)“ plant Usbekistan die Errichtung eines internationalen Logistikzentrums in der Stadt Tschinas in der Region Taschkent.

2018 wurde bekannt, dass Usbekistan und Kasachstan beabsichtigen, ein gemeinsames Transport- und Logistikunternehmen für die Entwicklung des Handels- und Wirtschaftskorridors Schymkent – Taschkent zu gründen. Darüber hinaus können Logistikzentren in Karakalpakistan eine für beide Seiten vorteilhafte Zusammenarbeit mit den Seehäfen Aqtau und Quryq sowie dem Verkehrsknotenpunkt Aqtöbe in Kasachstan eingehen. Als eine der jüngsten Initiativen gilt die Unterzeichnung des Memorandums „Zur Weiterentwicklung von für beide Seiten vorteilhaften Beziehungen zwischen der usbekischen Aktiengesellschaft ‚Uztemiryulkonteyner‘ und dem lettischen Unternehmen ‚SIA SV Gulbis‘“. In dessen Rahmen haben die Parteien den Bau eines modernen Transport- und Logistikzentrums auf dem Gebiet der AG und den Export usbekischer Waren in europäische Märkte durch den Zugang zum Freihafen Riga vereinbart. Außerdem plant die Regierung die Eröffnung der Containerterminals „Yallama“ und „S. Najimov“ in der Region Taschkent, „Dustlik“ in der Region Andijon sowie „Olot“ in der Region Buchara. Im Zeitraum 2020 bis 2021 werden die Terminals „Dout-ota“ (Karakalpakistan), „Madaniyat“ (Region Andijon), „Usbekistan“ (Region Fergana), „Gishtkuprik“ und „Oybek“ (Region Taschkent) errichtet.

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Die Entwicklung der Logistikbranche scheint für die nationale Wirtschaftspolitik prioritär zu sein. Allerdings gibt es einige Hindernisse für die Umsetzung der erwähnten Maßnahmen. Die vorhandene Technik müsste dringend modernisiert, Arbeiter besser ausgebildet und Fachkräfte gefunden werden. Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen bisher nicht das optimale Klima zum Ausbau des Logistiksektors. Kasachstan ist im Bereich Logistik schon weiter als Usbekistan. Das Land könnte aus den Erfahrungen seines Nachbarn lernen und folgende Empfehlungen beachten:

  1. Viele Logistikfirmen in Kasachstan sind privat und von Unternehmern selbständig gegründet. Die staatlichen Programme und Verordnungen kombinieren sich gut mit privatem Interesse. Die Initiative wird selbst von jungen Unternehmern ergriffen. (Bottom-up Approach)
  2. Die Vereinfachung der legislativen Basis und die Stimulierung des privaten Unternehmertums sind erforderlich. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass vor allem lokale Unternehmen gefördert werden und das Land nicht von internationalen Firmen abhängig wird.
  3. Logistikparks sollten in der Nähe von bereits existierenden Transportwegen und Handelsrouten entstehen. Unternehmen, die sich in den Parks ansiedeln, zahlen Miete und machen die Parks profitabel.
  4. Die Mitgliedschaft Kasachstans in der Eurasischen Wirtschaftsunion erleichtert dem Land die Beförderung von Waren und Services in andere Mitgliedsstaaten wie Russland oder Belarus.
  5. Das Bildungssystem müsste reformiert und hochqualifizierte Fachkräfte im Bereich Logistik ausgebildet werden.
  6. Der Erfolg des Logistiksektors ist nicht nur von den wirtschaftlichen Bedingungen abhängig, sondern vielmehr auch von den sozialen und politischen Verhältnissen. Diese Bereiche müssen bei der Entwicklung der Logistik ebenfalls in Betracht gezogen werden.

Im „Logistic Performance Index“ der Weltbank belegte Kasachstan im vergangenen Jahr den 71. Platz von 160 Ländern. Usbekistan ist auf Platz 117. Es ist bereits gut, dass Usbekistan überhaupt zu den 160 erfassten Ländern gehört. Wenn es Usbekistan die genannten „Stolpersteine“ zu beseitigte, würde es dem Land wohl gelingen, einige Plätze nach oben zu steigen. Die Beispiele aus Kasachstan sind erste Hinweise, wie Usbekistan das schaffen könnte.

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