Wer eine große Klappe hat und viel verspricht, muss in den weniger schönen Fällen viel aushalten und schuften, um die Suppe wieder auszulöffeln, die man sich eingebrockt hat. In den schöneren Fällen führt es zu ungeahnten Entdeckungen und Erlebnissen. Was es in diesem Fall wird, bleibt abzuwarten. Aber in jedem Fall werde ich Imkerin. Na, das kann ja was werden!

Meine Vermieter luden zum Essen ein. Wir saßen in gelöster Stimmung beisammen, ich war schon bierduselig. In dieser Stimmung des latenten Übermuts und Größenwahns habe ich mich schon zu allerhand verleiten lassen, das harmloseste war Armdrücken. Der Sohn des Hauses, Max, witterte seine Chance, wieder Tiere ins Haus zu schmuggeln. Als Kind hat er das Haus in einen regelrechten Stall verwandelt. Seit er erwachsen und ausgezogen ist und studiert (Tiermedizin, was sonst!), ist er zu Tierabstinenz verdonnert. Doch nach dem harten Entzug der ersten Jahre ist er rückfällig geworden und hat sich einen Hamster in die Bude geschmuggelt. Eine Rettungsaktion aus dem todbringenden Studienlabor. Damit sei jetzt aber auch Schluss, befinden die Eltern. Und wie komme ich jetzt ins Spiel? Als Einfallstor. Als schwaches Glied im System.

Da ich mich oft und frei in des Vermieters Garten aufhalte und mir über die selbsternannte Tomatenpflege und Ernteaufsicht ein Mitbestimmungsrecht – zumindest in den Augen des Sohnes – erworben zu haben scheine, hat er mir die Anschaffung von zwei Enten angetragen. Dass zwei Tiere aber immer und unweigerlich zu wesentlich mehr Tieren führen, ist mir zunächst noch nicht klar geworden. Ich fand alles aufregend und habe mal spontan Ja gesagt. Aber damit war der Spontaneität und des Übermuts noch nicht genug.

Was habe ich noch gesagt? „Aber nur, wenn wir dann auch einen Bienenstock aufstellen.“ Nanu, aus welchen Untiefen meines Selbst kam denn da der Wunsch, Imkerin zu sein? Klar, ich hege den Wunsch, Königin zu sein, und wenn schon nicht Königin von Deutschland, dann wenigstens Bienenkönigin im eigenen Garten. Mit meinem Zepter würde ich die Bienlein befehligen, mir süßen Honig zu zaubern. Oder so. Jedenfalls, Betrunkene und Kinder sagen die Wahrheit. Höre auf dein Bauchgefühl. Was spontan kommt, stimmt. Auch Max zögerte nicht und schlug spontan ein. Das Ding war also geritzt. Enten und Bienen. Na, großartig! Aber als erwachsene Menschen ließen wir das so stehen und schliefen nochmal drüber, um es dann eingehender am hellichten Tage bei klarem Verstand zu besprechen.

Über Nacht wurde Max von der Vernunft eingeholt. Ich nicht. Die Enten sind vom Tisch, die Bienen habe ich nun an der Backe. Wer von uns beiden am Ende glücklicher sein wird, muss sich noch herausstellen. Klar bleibt: Enten sind zwar schön und lustig, fressen die Schnecken und geben am Ende leckere Speisen ab, sie machen aber auch viel Dreck und Arbeit. Außerdem mögen sie den Salat noch lieber als die Schnecken. Enten machen abhängig, weil sie täglich gefüttert werden müssen, bevor sie selbst zu Futter werden. Das wissen Max und seine Eltern. Über die Bienen wissen wir lediglich, dass sie viel Arbeit machen und leicht an Kälte und Viren oder was auch immer sterben können. Das ist aber noch überschaubar.

Für meine Einfälle werde ich meist getadelt oder belächelt. Aber diesmal ernte ich zu meinem großen Erstaunen konstruktive Beiträge. Meine Nachbarn zaubern wichtige bienenerfahrene Kontakte aus dem Ärmel. Das stachelt mich im wahrsten Sinne an. Zunächst stelle ich mir das so vor: Holzhäuschen aufgestellt. Bienen reingesetzt. Den Rest machen die dann irgendwie selbst. Sich als Bienenbetörerin unters Volk mischen und nach dem Rechten sehen. Im Bedarfsfall dies oder das verrichten. Den Honig einkassieren. Wie eine Zuhälterin. Wahrscheinlich ist das wie alles im Leben sehr viel komplizierter. Aber es ist auch so im Leben, dass man vieles nie getan hätte, hätte man vorher gewusst, was es mit sich bringt. So wird es auch diesmal sein. Aber ich befasse mich erst eingehender mit der Problematik, wenn die ersten Schritte getan sind und es kein Zurück mehr gibt. Kneifen gilt nicht. Au weia, das gibt noch viele Stiche. Ich werde berichten.

Julia Siebert

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