In dieser Woche haben wir ein Interview mit zwei netten und charmanten Studentinnen aus Deutschland geführt. Monique, Studentin aus Zittau, und Anne, Studentin aus Offenburg, teilten der DAZ ihre Eindrücke über das Leben der Jugend und die Verhältnisse in der Familie mit. Monique ist für zwei Monate in Almaty und absolviert zurzeit ein Praktikum bei der Friedrich-Ebert-Stiftung, während Anne ein Praktikum beim Goethe-Institut absolviert. Anne wohnt seit drei Monaten in Almaty.

DAZ: Monique und Anne, was hat Euch in Kasachstan am meisten überrascht?

Anne: „Eigentlich hat es mich überrascht, dass Almaty mir sehr europäisch erscheint. Es ist leicht, einen Zugang zu anderen Menschen zu bekommen. Aber es gibt einen Hauptunterschied. Die Frauen in Kasachstan heiraten viel früher als bei uns. In Deutschland und Europa ist es normal, dass die Menschen mit 30 Jahren oder noch später heiraten und ihr erstes Kind bekommen. Oder sie leben erst einfach zusammen und heiraten dann. Aber allgemein ist es hier sehr ähnlich wie bei uns.“

Monique: „Ich denke, dass Almaty eine sehr positive Stadt ist, sehr grün und auf den ersten Blick sehr sauber. Ebenso überrascht mich, dass die Frauen hier sehr hübsch sind. Aber leider scheinen die kasachischen Männer dies als selbstverständlich zu nehmen.“

Glauben Sie, dass die Jugend in Kasachstan und Deutschland sich sehr voneinander unterscheidet?

Monique: „Eine gute Frage! Eigentlich denke ich, dass die Jugend in Kasachstan sehr fleißig und ehrgeizig ist, sie will immer etwas erreichen z.B. Karriere machen, um ihren Lebensstandard zu erhöhen. Die Jugend ist sehr modern, meiner Meinung nach ist sie sehr stark an Europa und am Westen orientiert. Dies spiegelt sich in der Musik, den Handys, der Technik und Kleidung wieder. Ich habe das Gefühl, sie haben noch mehr Biss als die deutsche Jugend. Beeindruckt hat mich, dass die jungen Leute hier ein sehr gutes Wissen über die europäische Politik haben. Sie kennen sich allgemein mit Europa sehr gut aus. Sie sind immer auf dem Laufenden.“

Anne: „Das Leben der Jugend ist fast wie in Deutschland und Europa. Das ist mir aufgefallen. Die Jugend ist hier sehr chic angezogen. Ich glaube, ich kann da nicht mithalten. Es ist teurer, und die Qualität ist leider nicht so gut. Es kann sein, das es daran liegt, dass Deutschland und Kasachstan andere Prioritäten setzen. Hier stehen Kleidungen, Autos und andere materielle Sachen an vorderster Stelle. Für mich persönlich ist beispielsweise Reisen wichtiger. Aber im Allgemeinen ist das Leben der Jugend im Vergleich zu Deutschland ähnlich“.

Sind die jungen Menschen in Deutschland ruhiger oder aktiver?

Monique: „Ich glaube, die Jugend in Deutschland ist etwas aktiver, z.B. habe ich das Gefühl, die Deutschen gehen mehr aus, in Kneipen, Discos, Cafés etc. Andere Sachen sind auf dem gleichen Level. Ich glaube, es gibt mehr Sportangebote in Deutschland. “

Anne: „Schwer zu sagen, ich glaube nicht. Es gibt immer ruhigere und aktivere Menschen. In der Schule sind die Kinder kritischer als in Kasachstan. Wenn wir Fragen stellen, ob etwas nicht verstanden wurde, antworten sie darauf. Aber hier sind die Kinder unkritisch, nehmen es nur als Input auf und stellen keine Fragen. Eigeninitiative zeigen sie nicht so viel“.

Sie leben hier in einer kasachischen Familie. Was meinen Sie, sind in Deutschland die Beziehungen in den Familien gleich?

Monique: „Ich denke sie sind gleich. Bis jetzt habe ich nur gute Verhältnisse zwischen Kindern und Eltern mitbekommen. Was die materielle Unterstützung angeht, denke ich, ist sie auf dem gleichen Niveau wie in Europa. Ebenso hat die Bildung der Kinder bei den Eltern einen hohen Stellenwert, sie sind bereit, finanziell große Beiträge für eine gute Ausbildung zu leisten.“

Anne: „Mir ist aufgefallen, dass die Familie während der Prüfungszeit den Prüfungen eine große Aufmerksamkeit schenken. In meiner Familie gibt es zwei Kinder: 11 und 15 Jahre alt. Wenn sie Prüfungen ablegen, ist ihre Mutter sehr nervös. Es ist sehr, sehr wichtig für die ganze Familie, dass die Prüfungen gut absolviert werden. Es gab kein anders Thema mehr, sie mussten nur lernen. In Deutschland ist das nicht so wichtig. Wichtiger sind Hobbys, z.B. Sport, Theater etc. Dies wird stark gefördert“.

Wie fühlen Sie sich hier in ihrer kasachischen Gastfamilie?

Monique: „Meine Gastfamilie ist sehr tolerant. Ich konnte alles selbstständig entscheiden, z.B. was, wann und wohin ich gehe. In unserer Beziehung gibt es keine Probleme. Die Familienmitglieder sind sehr weltoffen, und wir können auch etwas kommunizieren, obwohl meine Russischkenntnisse sehr spärlich sind.“

Anne: „Am Anfang war es für mich auch schwierig zu kommunizieren wegen der nicht so guten Russischkenntnisse. Aber jetzt ist es ok. Sie helfen mir immer, wenn ich z.B. eine Straße nicht finde oder ich nicht weiß, mit welchem Bus ich fahren muss.“

Wir haben viele Bekannte, die in Deutschland waren. Sie sagen, wenn sie nach Kasachstan zurückkehren, erscheint ihnen Kasachstan ziemlich monoton. Was meinen Sie dazu?

Anne: „Vielleicht ist es immer so, wenn jemand im Ausland war und dann zurück ins eigene Land kommt. Ich finde die Berge, die Häuser sehr schön. Ebenso denke ich, dass es in Almaty ein gutes Nachtleben, Cafés etc. gibt. Eigentlich gibt es hier alles. Aber in Deutschland ist es leichter, in Clubs zu gehen, da es günstiger ist. Hier ist alles sehr teuer. “

Monique: „Ich denke, das ist nicht vom Land abhängig. Wenn jemand in einem anderem Land ist, ist es automatisch spannend, da man neue, interessante und aufregende Erfahrungen sammelt.“

Das Interview führten Alexandra Dawydowa und Nurgul Zhazykbayeva.

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