Es sind zwei Jahreszahlen, die für das Schicksal der Wolgadeutschen und der deutschen Minderheiten in Russland und Kasachstan stehen: 1918 und 1998. Am 19. Oktober wird die Gründung des Autonomen Gebiet der Wolgadeutschen 100 Jahre her sein und bereits in der vergangenen Woche feierte die Moskauer Deutsche Zeitung ihren 20. Geburtstag.

Manche Bilder sagen mehr als tausend Worte. So ist es auch bei der Ausstellung „Das deutsche Wolgagebiet. Eine unvollendete Fotogeschichte“, die in der vergangenen Woche im Gebrüder-Lumiere-Zentrum für Fotografie in Moskau zu sehen war. Sie war die erste ihrer Art und zeigte viele bisher unveröffentlichte und in Archiven versteckte Bilder und Dokumente.

Die Fotos schlagen einen zeitgeschichtlichen Bogen von der Gründung des Autonomen Gebiets der Wolgadeutschen am 19. Oktober 1918 über die Hungersnot 1921-1922 und den landwirtschaftlichen Aufschwung der 1930er Jahre bis hin zum 28. August 1941 – das Datum, an dem das Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR beschloss, die Wolgadeutschen nach Sibirien, Kasachstan und in andere Gebiete Zentralasiens zu deportieren. Am Ende der Ausstellung steht ein „roter Punkt“ für die Auflösung der deutschen Autonomie.

Die gezeigten Materialien stammen aus dem Staatlichen Archiv der Wolgadeutschen in der Stadt Engels, dem Russischen Staatsarchiv für Filmdokumente in Krasnogorsk und von Autoren der Moskauer Deutschen Zeitung (MDZ), die gleichzeitig mit der Ausstellungseröffnung ihren 20. Geburtstag feierte. Herausgeberin Olga Martens und stellvertretende Vorsitzende des Internationalen Verbandes der Deutschen Kultur hielt angesichts der beiden bedeutenden Jubiläen eine sehr emotionale Rede.

Dabei ging sie nicht nur auf die Historie der Russlanddeutschen ein, die sich nach dem Erlass eines Manifests von Katharina der Großen zu Tausenden an der Wolga angesiedelt hatten, sondern auch auf die Geschichte der MDZ, deren Wiedergründung Martens von Anfang an begleitete.

Auch der deutsche Botschafter in Russland, Rüdiger von Fritsch, ging auf die Leiden der Deutschen ein, die nach der anfänglich mehrheitlich begrüßten Machtübernahme durch die Bolschewiken folgte. Er nannte die Russlanddeutschen einen „geborenen Partner“ in den russisch-deutschen Beziehungen.

Der frischgebackene Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Bernd Fabritius, betonte die besondere Rolle der Russlanddeutschen. Vor allem in einem schwierigen politischen Umfeld seien sie „Botschafter, die nicht abberufen werden können“.

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Foto: Veronika Likhobabina | DAZ

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