Anlässlich des 175. Geburtstagsjubiläums von Abai Kunanbajew lohnt sich ein Blick auf ein Gebäude, das den Namen des berühmten Dichters trägt: das Abai-Opernhaus in Almaty. Architektonisch vereint Gebäude Elemente des sozialistischen Klassizismus und nationale Formen.

Kasachstan ehrt einen seiner größten Intellektuellen. Ibrahim Qunanbajuly, am 29. Juli 1845 als Sohn eines ostkasachischen Geschlechteroberhaupts in Semipalatinsk geboren, würde in diesem Jahr seinen 175. Geburtstag feiern. Er war seiner Zeit weit voraus. Ab seinem 13. Lebensjahr beschäftigte er sich mit westlichen Dichtern und Denkern und begann selbst, erste Texte zu schreiben. Der Mann, der aufgrund seines Intellekts schon bald besser als „Abai“ („der Kluge/ der Einsichtige“) Kunanbajew bekannt war, schrieb Gedichte, Lieder, Prosa, und widmete sein Leben der kulturellen Erneuerung seiner kasachischen Heimat. Abai gilt heute als nationale Symbolfigur und durch seine Dichtungen als kultureller Wegbereiter der modernen kasachischen Identität.

Da liegt es nahe, dass eine so wichtige Kulturinstitution wie das Kasachische Staatliche Akademische Opern- und Balletttheater den Namen dieses großen und einflussreichen Nationalpoeten trägt. Seine Geschichte geht zurück auf einen Beschluss des Volkskommissariats für Bildung der Kasachischen SSR vom 29. September 1933 zur Gründung eines Musikstudios. Das Ensemble, das hier sein Zuhause fand, hatte seinen ersten öffentlichen Auftritt am 13. Januar 1934. Aufgeführt wurde ein Sprechstück des kasachischen Schriftstellers Muchtar Äuesow. Es folgten die Aufführungen der Oper „Carmen“ 1935 sowie des Balletts „Schwanensee“ 1938. Die offizielle Umbenennung des Opernhauses zu Ehren des Dichters fand zum 100-jährigen Geburtstagsjubiläum Abai Kunanbajews im Jahre 1945 statt.

Sozialistischer Prunk

Das für Almaty so markante Opernhaus, welches heute den Namen Abais trägt und das gleichnamige Opern- und Ballettensemble beherbergt, wurde zwischen 1936 und 1941 im Stil des Neoklassizismus erbaut. Die Baupläne wurden noch während des Baus mehrfach geändert und das Aussehen dem des Alexandrinski-Theaters in Sankt Petersburg angeglichen.

Auch handelt es sich hierbei um eine architektonische Sonderform, nämlich den von Josef Stalin geforderten und ab den 1930er Jahren in der ganzen Sowjetunion realisierten sozialistischen Klassizismus. Ebenfalls zu dieser Architekturform zählen die bekannten „sieben Stalinschwestern“, sieben monumentale Hochhäuser, welche die Silhouette Moskaus auch heute noch besonders prägen. Abwertend hat sich für diesen grenzenlosen Pomp und Kitsch der Stalinzeit auch der Begriff „Zuckerbäckerstil“ durchgesetzt. Auch das Gebäude der Abai-Oper spart nicht mit sozialistischem Prunk, es vereint ebenfalls die architektonischen Elemente des sozialistischen Klassizismus in sich.

Aufwändige Restauration

Doch auch nationale Formen finden sich in der Gestaltung des Gebäudes. Die 1930er Jahre markierten einen ersten Versuch, nationale Architektur in den verschiedenen Republiken der Sowjetunion zu etablieren, nach der Prämisse „national in der Form, sozialistisch im Inhalt“. Hierfür steht ein breites Relief über dem Säulengang, der die Front des Gebäudes dominiert.

In fünf Szenen werden hier Andeutungen auf die Geschichte und Kultur Kasachstans gegeben. Dargestellt sind kasachische Reiter in historischen Soldatenuniformen oder Frauen bei der Ernte von Getreide und beim Ablesen von Äpfeln, dem Symbol der Stadt Almaty. Im Zentrum des Reliefs steht Abai Kunanbajew selbst, der, umringt von Landsleuten, eine Dichtung mit der Dombra vorträgt, während ein kleines Mädchen ihm einen Strauß Blumen überreichen will. Das nationale Element blieb hier jedoch lediglich äußerliches Schmuckwerk. Während der sozialistische Klassizismus bis nach Stalins Tod alles bestimmte, sollte eine wirklich unabhängige Nationalarchitektur noch Jahrzehnte auf sich warten lassen.

Das Theater wurde zwischen 1995 und 2000 aufwändig restauriert und technisch auf den neuesten Stand der modernen Opernwelt gebracht. Der prächtige Saal mit seinen nun 793 Sitzplätzen bleibt allerdings momentan leer. Die Verantwortlichen des Kasachischen Staatlichen Abai-Opernhauses versuchen, das Beste aus der gegenwärtigen Situation zu machen und bieten einen Youtube-Kanal an, der bereits einige Aufzeichnungen oder auch Live-Übertragungen von Opern und Balletten, Interviews und anderen Informationen anbietet.

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