Es ist ein kasachisches Epos von Poesie und Freiheit, Mut und Treue, Hinterlist, Mord und Trauer. Eines der berühmtesten kasachischen Volksepen von Ilijas Schansugirow erscheint erstmals in deutscher Sprache, nachgedichtet und eingelesen vom vielfach ausgezeichneten Schriftsteller Gert Heidenreich. Vorgestellt wurde es letzte Woche auf der Leipziger Buchmesse.

Ilijas Schansugirows poetisches Volksepos basiert auf dem Lied Kulager des Sängers Akan Seri: Im 19. Jahrhundert ließ Akan sein berühmtes Pferd Kulager bei einem der gewaltigen Pferderennen in der Steppe antreten. Jeder Zuschauer wusste, es würde gewinnen. Doch ein reicher, mächtiger Mann ließ das Tier töten, sodass am Ende sein eigenes Pferd den Sieg davontrug. Obschon das Unrecht offensichtlich war, schwiegen die Zuschauer. Akan zog sich enttäuscht in die Einsamkeit zurück und schrieb Trauergesänge. Der bekannteste davon: Kulager.

llijas Schansugirow wurde 1894 im heutigen Gebiet von Almaty (Kasachstan) geboren. Er war Lyriker, Essayist und Literaturwissenschaftler. Shansugirow wurde 1937 verhaftet und vermutlich noch im selben Jahr von Stalinisten erschossen. Gert Heidenreich ist 1944 in Eberswalde geboren. Sein eigenes literarisches Werk umfasst zahlreiche Romane, Theaterstücke, Essays, Drehbücher und Lyrikbände, für die er zahlreiche Preise erhielt, darunter den Adolf-Grimme– und den Deutschen Filmpreis.

Shansugirows Versepos führt dem Leser die dramatischen Geschehnisse und die herrlichen Landschaften am Rand der Steppe vor Augen. Er schildert das Pferderennen in prallen, bildreichen Versen und treibt die Handlung auf den Konflikt zwischen Akan und dem missgünstigen, brutalen Reichen zu. Die Stalinisten verstanden sofort, dass sie gemeint waren: als verbrecherische Unterdrücker, die das Volk in Angst halten und die freien Künste knebeln. Kulager wurde sofort nach Erscheinen in den 1930er Jahren verboten und das Manuskript daraufhin versteckt. Als Shansugirow 1958 posthum rehabilitiert wurde, übergab ein Freund das Manuskript an Shansugirows Witwe, die es veröffentlichte.

Der Titel erscheint in der Reihe der Weltlese-Titel, die unter Ilja Trojanow im Verlag Edition Büchergilde herauskommen. „Epen sind das kulturelle Grundnahrungsmittel der Völker. Verdichtete Dramen, in denen Sehnsüchte und Werte, Aspirationen und Traumata hörbar werden. Das gilt besonders für Kulager, eine wort– und bildgewaltige Heraufbeschwörung einer unbekannten Welt, eine faszinierende Reise in das Fremde. Zumal es von dem großartigen deutschen Dichter Gert Heidenreich übertragen wurde, der mehrere Male Kasachstan bereist und sich intensiv mit dem Land auseinandergesetzt hat. Mit seinem poetischen Lasso fängt er diese wilden Verse für uns ein,“ so Trojanow. Ilija Trojanow, 1965 in Sofia geboren, wuchs nach der Flucht der Familie über Jugoslawien, Italien und Deutschland in Kenia auf. Nach seinem Studium in Deutschland gründete er den Marino Verlag und debütierte 1996 mit seinem Roman „Die Welt ist groß und lauert überall“. Für seinen Roman „Der Weltensammler“ wurde er 2006 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet, 2007 erhielt er den Berliner Literaturpreis. Seit 2008 gibt Ilija Trojanow die Reihe Weltlese – Lesereisen ins Unbekannte in der Edition Büchergilde heraus. edition Büchergilde

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