Grüne Energie ist bereits seit einiger Zeit eins der meist global diskutierten Themen, auch in Kasachstan, und das nicht zuletzt wegen der EXPO 2017. Um dieses Thema in einem Land, dessen Wirtschaft zum Großteil von ossilen Rohstoffen abhängt, attraktiver zu gestalten, lässt sich nicht nur der kasachische Staat verschiedenste Programme, Strategien und Projekte einfallen. Das Goethe-Institut zeigt sich wieder einmal als Innovations-Förderer und prescht vor mit einer geobasierten Spiele-App zur Grünen Energie.

Staatliche Förderungen erneuerbarer Energien mit festen Tarifen und der Garantie eines Gesamtabkaufs des grün produzierten Stromes sind energiepolitisch wichtige Entscheidungen in Kasachstan gewesen und sollen vor allem ausländische Investoren anlocken. Langfristige politische Strategien zur Energiewende streben bis 2050 gar einen Anteil erneuerbarer Energien in Höhe von 50% im kasachstanischen Strommix an. Ein steiler Weg von den gegenwärtigen 0,1% Marktanteil.

Durch Kunst und Kultur zur Nachhaltigkeit

Neben all den Statistiken, Fakten und Marktzahlen sollen kreativere Ansätze das Anliegen der grünen Wende den Bürgern und vor allem der Generation der zukünftigen Entscheidungsträger näherbringen. So zum Beispiel das Forum für bildende Kunst „Astana Art Fest“, dessen diesjähriges Motto „Human Energy“ schon einmal die Menschen in etwas abstrahierter Weise auf die Thematik einstimmen soll.

Anastasija Rimmer, Mitglied des kasachstandeutschen Jugendclubs “Diamant“, beim Goethe-Seminar. | Quelle: Goethe-Institut

Selbst ausländische Institutionen fühlen sich der Aufklärung verpflichtet – so auch das Goethe-Institut in Kasachstan. Mit einer App will es die Aufmerksamkeit für dieses Thema erhöhen und die Popularität sowie einen ungezwungenen Umgang damit fördern. Es ist ein geobasiertes Strategiespiel mit dem Namen „Urbane Ecken“, das energierelevante und umweltspezifische Elemente der Hauptstadtarchitektur in einen kasachischen, mythologischen Kontext einbettet und so einen Erlebnisraum schafft. Nach der Projektleiterin Irina Hetsch soll „Wissensvermittlung in Richtung Grüne Energien und der Kultur Kasachstans“ erfolgen. Es ist ein Spiel, das nicht nur auf dem Desktop gespielt wird, sondern tatsächliche physische Bewegung durch die Stadt erfordert, Engagement und auch Teamwork. Damit sollen bekannte Orte in Astana mit Themen und Aufgabenstellungen zu einer Herausforderung für Menschen jeden Alters werden. Die vorrangige Zielgruppe sind Jugendliche, die sich mit dem Thema „Energie der Zukunft“ auseinandersetzen sollen. Dazu startete man bereits in der Entwicklungsphase eine enge Kooperation mit Bildungseinrichtungen, wie Schulen, Unis Berufsschulen und Vereinen, so auch mit der Gebietsgesellschaft der Assoziation der Deutschen „Wiedergeburt“ in Astana. Die Hauptpartner des Projekts sind das Akimat der Stadt Astana, die nationale Gesellschaft „Astana EXPO-2017“, das Energieministerium der Republik Kasachstan sowie das Bundesumweltministerium. Bei einem Multiplikatorenworkshop in Astana trafen sich Ende April das Goethe-Projektteam, sowie Partner und Testpersonen, um den Stand der Dinge und technische Details der Testversion zu besprechen. Anwesend waren auch Lehrerinnen und Schüler verschiedener Schulen in Astana mit vertieftem Deutschunterricht. Diese sind auch hauptsächlich die Testpersonen, die die erste Vorabversion des Spiels von Mai bis August auf Herz und Nieren prüfen. Die tatsächliche Einführung der App ist für Anfang September vorgesehen.

Die Testphase vorab

Momentan läuft die erste Testphase. Das Spiel soll intuitiv funktionieren, ohne Handbücher oder Handlungsanweisungen. Die ersten Spieler testen es bereits und geben das Feedback an die Entwickler. Spieleentwickler der Firma Pausanio aus Köln beheben alle Fehler und Schwachstellen und passen das Spieldesign an die Tester-Kommentare an.

Dem Spieldesign nach begibt sich der Spieler in ein fiktives Szenario rund um einen alten ausgetrockneten „Energiefluss“, der einst die Region mit Leben erfüllte und aus fünf Elementen bestand – Wasser, Wind, Feuer, Erde und Zeit. Das alles sind Sinnbilder für endliche und erneuerbare Energien. Der Fokus des Spiels ist dabei in Richtung positive Innovation und Transformation zu einer „Zukunftsenergie“ gesetzt. Das Ziel des digitalen Spiels ist es, den Energiefluss wiederzubeleben und das Gleichgewicht der Energieformen wiederherzustellen. Dabei sind die Spieler echten Herausforderungen gegenübergestellt und müssen sich analog, also real, in der Stadt bewegen und de facto Aufgaben lösen. Die Aufgabenstellungen erstrecken sich von Fragen, über Suchaufgaben vor Ort, bis hin zu Aktivitäten, wie dem Hochladen von Foto– und Videomaterial, Skizzen und Ideen, die sich auf die Aufgaben beziehen.

Eine Beispielaufgabe, die von dem Spieldesigner Christoph Deeg vorgestellt wird, ist zum Beispiel wie folgt: „In einem abgelegenen Dorf kam ein frühzeitiger Wintereinbruch. Entwerfe ein Heizungsmodell.“ Um diese Aufgabe zu lösen, muss man ein Modell zeichnen oder bauen (dabei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt, und man begrüßt auch die futuristischsten oder irrationalsten Konzepte), dieses abfotografieren und das Bild hochladen. Eine andere Aufgabe könnte sein, dass der Spieler Fotos von Orten machen muss, wo er denkt, dass die nächste beheizbare Bushaltestelle in Astana hinkommen sollte, so Christoph Deeg. Des weiteren ist eine umfangreiche Einbindung von QR-Codes geplant.

EXPO als Partner

Weiterhin sollen Sachpreise für die Bestplatzierten die Spieler zu einer regen Teilnahme anspornen. Hier sei man in Verhandlungen mit den Partnern des Projekts, äußert sich Christoph Deeg. „Vorstellbar sind zum Beispiel EXPO-Tickets oder Sachpreise anderer Art.“
„Wir unterstützen das Projekt, weil wir der Meinung sind, dass es eine tatsächlich sinnvolle Motivation für die jüngere Generation darstellt, sich tatsächlich mit dem Thema erneuerbare Energien auseinanderzusetzen. Das Spiel hört sich nach spannend an, ich werde es auch selbst sehr gern ausprobieren“, so der Vertreter des Akimats Beksultan Abdrachmanow, Projektmanager im Astana Convention Büro, was für touristische Projekte, wie auch für Expo-Projekte verantwortlich ist.

Zusätzlich zu der Präsentation des Projekts auf der EXPO ist auch eine Erweiterung der App in Planung, die das Messegelände und die Länderpavillons einbeziehen könnte. Allerdings sei dieses Add-on zunächst nur eine fakultative Zusatzidee, die im Besprechungsstadium ist, so Barbara von Münchhausen, Leiterin des Goethe-Instituts Almaty.

Neben dem Spiel, sollen auch in Form eines Energie-Blogs die Weiterverarbeitung der gewonnenen Inhalte und Geschichten aus dem Spiel erfolgen, um einen Austausch mit dem Thema Umwelt und Energie zu fördern.

Julia Boxler

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