Die konservative katholische Kirche lebt in Kasachstan

Die konservative katholische Kirche lebt in Kasachstan
Der Weihbischof von Astana: Athanasius Schneider. | Bild: Marko Tervaportti, CC BY 3.0, commons.wikimedia.org

Ist die Ehe unauflöslich? Die katholische Kirche sagt Ja. Die Bibel lässt Trennungen in bestimmten Fällen zu. Seit Jahren gibt es darum eine Diskussion. 2016 sprach sich Papst Franziskus in dem Schreiben Amoris laetitia in Einzelfällen für die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion aus und erntete damit harsche Kritik von den Traditionalisten in der Kirche. In Kasachstan haben drei Bischöfe nun ein Bekenntnis zu den unveränderlichen Wahrheiten des Ehesakraments abgelegt.

Drei Bischöfe der Kirche “an den Rändern” im zentralasiatischen Kasachstan haben am 31. Dezember 2017 ein Bekenntnis zu den unveränderlichen Wahrheiten des Ehesakraments abgelegt.

Erzbischof Tomasz Peta von Astana, der emeritierte Erzbischof Jan Pawel Lenga von Karaganda und Weihbischof Athanasius Schneider von Astana erklären darin, dass sie ihr Gewissen zwingt, angesichts der um sich greifenden Verwirrung die unveränderliche Wahrheit und sakramentale Ordnung zu bekennen, wie sie seit 2000 Jahren unverändert vom Lehramt der Kirche verkündet und praktiziert wird.

Zentrum des katholischen Widerstandes

„Das ‚Bekenntnis‘ der drei Bischöfe zeigt, wie sehr Kasachstan heute ein beispielgebendes Zentrum des katholischen Widerstandes gegen die Irrtümer ist, die sich an der Spitze der Kirche eingeschlichen haben“, so Emmanuele Barbieri in der Corrispondenza Romana. Das Bekenntnis der drei Bischöfe folgt auf die Correctio filialis de haeresibus propagatis, jene Zurechtweisung wegen der Verbreitung von Häresien in der Kirche, die Ende September 2017 von 250 Theologen, Philosophen und anderen Gelehrten Papst Franziskus übermittelt wurde. Sie folgt auch auf das Treuebekenntnis „Treu der wahren Lehre, nicht den Hirten, die irren“ zur wahren Lehre der Kirche, die am vergangenen 12. Dezember von 37 Organisationen der Lebensrechts – und der Familienbewegung veröffentlicht wurde.

Am 18. Januar 2017 hatten dieselben kasachischen Oberhirten sich mit einem Gebetsaufruf zu Wort gemeldet, auf dass Papst Franziskus die unveränderliche Praxis der Kirche zur Wahrheit der Unauflöslichkeit der Ehe bekräftige.

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„Der Rauch Satans“

Der Pole Tomasz Peta wurde 1976 von Kardinal Stefan Wyszynski zum Priester geweiht und 2001 von Papst Johannes Paul II. zum Bischof. Derselbe Papst ernannte ihn im Mai 2003 zum Erzbischof und Metropoliten des Erzbistums der Allerheiligsten Jungfrau Maria zu Astana.
Am 10. Oktober 2015 sorgte Erzbischof Peta als Synodale mit seiner Wortmeldung auf der zweiten Bischofssynode über Ehe und Familie in Rom für Aufsehen. Er zitierte dabei die Worte von Papst Paul VI., dass „durch irgendeinen Spalt der Rauch Satans in den Tempel Gottes eingedrungen ist“. Der Erzbischof fügte hinzu:

„Ich bin überzeugt, dass dies prophetische Worte waren. Während der Synode im vergangenen Jahr hat ‚der Rauch Satans‘ einzudringen versucht durch:
– den Vorschlag, jene zur Heiligen Kommunion zuzulassen, die geschieden sind und in einer neuen standesamtlichen Verbindung leben;
– die Erklärung, dass das Zusammenleben eine Verbindung ist, die an sich auch einige Werte haben kann;
– die Öffnung gegenüber der Homosexualität wie etwas, das ganz normal ist.“

Kirchenkrise

Der Ukrainer Jan Pawel Lenga wurde zu Sowjetzeiten vom späteren Kardinal Vincentas Sladkevicius, einem Litauer, geheim zum Priester geweiht und von Papst Johannes Paul II. am 28. Mai 1991 zum Bischof. Am 6. August 1999 ernannte er ihn zum Bischof von Karaganda und erhob ihn, als Zeichen der besonderen Wertschätzung, 2003 ad personam zum Erzbischof.

Am 11. Februar 2015 veröffentlichte Erzbischof Lenga einen Offenen Brief über die Kirchenkrise, in der er die Frage stellte, warum die Bischofskonferenzen zu den grundlegenden Glaubensfragen schweigen. „Heute ähnelt der Großteil der Bischöfe dem Schweigen der Lämmer vor tollwütigen Wölfen. Die Gläubigen sind in dieser Situation oft wie schutzlose Schafe.“

Der Deutsche Athanasius Schneider, er wurde in Kirgisien geboren, wohin seine russlanddeutsche Familie von Stalin deportiert worden war, wurde im März 1990 zum Priester geweiht. 2006 ernannte ihn Papst Benedikt XVI. zum Weihbischof von Karaganda. Am 2. Juni desselben Jahres weihte er ihn im Petersdom zum Bischof. Am 5. Februar 2011 ernannte ihn Benedikt XVI. zum Weihbischof von Astana.

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Familie zuerst

Zusammen mit dem damaligen Erzbischof Aldo di Cillo Pagotto von Paraiba (Brasilien) und mit Bischof Robert Francis Vasa von Santa Rosa (USA) legte Bischof Schneider zwischen den beiden Bischofssynoden über die Familie die Schrift „Vorrangige Option für die Familie. 100 Fragen und 100 Antworten im Zusammenhang mit der Synode“ vor. Das Vorwort dazu schrieb der chilenische Kardinal Jorge Medina, der bis 2002 Präfekt der römischen Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung war.

Schneider gehörte auch zu den Promotoren der Correctio filialis wider die Verbreitung von Häresien und die Verteidigung der unveränderlichen Lehre und Praxis der Kirche zum Ehesakrament. Er gilt heute an Treue und Überzeugungskraft, spirituell wie intellektuell als eine der herausragenden Gestalten des kirchlichen Episkopats. Mutig meldete er sich in der Vergangenheit wiederholt zu den Irritationen und der Verwirrung zu Wort, die durch das umstrittene, nachsynodale Schreiben Amoris laetitia entstanden sind.

Am 5. Dezember 2017 hielt er in Rom im Rahmen der Stiftung Lepanto einen Vortrag über die nicht verhandelbare Größe und Schönheit der christlichen Ehe. Unter den zahlreichen Zuhörern befanden sich auch die Kardinäle Raymond Burke und Walter Brandmüller sowie Laun, emeritierter Weihbischof von Salzburg.

Giuseppe Nardi

Der Text erschien zuerst auf „Katholisches – Magazin für Kirche und Kultur“. Wir übernehmen ihn gekürzt mit Genehmigung der Redaktion.