Ein leuchtendes Beispiel interkonfessioneller Einheit

Die erste evangelisch-lutherische Kirche in Kasachstan. | Bild: Pastor Gennady

In Astana hat die erste Evangelisch-Lutherische Kirche in Kasachstan eröffnet. Am 17. September fand die Einweihung statt. Dieses freudige und denkwürdige Ereignis war für Lutheraner aus ganz Kasachstan ein großes Fest. Jahrelang hatten sie auf die neue Kirche gewartet.

Obwohl der Protestantismus hier eine sehr lange Geschichte hat, ist erst vor wenigen Tagen die erste lutherische Kirche in Kasachstan eröffnet worden. Bis dato gab es nur Gebäude, die an Gebetshäuser angebunden waren. Das Gebetshaus von Astana befand sich ab 2003 in einer Abrisszone, was als Hauptgrund für den Bau einer neuen Kirche diente. Als Projektleiter der Kirche fungierten der Chefarchitekt Rimma Slabodskaja und der Chefingenieur Bachit Bischigitowa. Baubeginn war im Mai 2015. Die Fördermittel kamen zum Großteil aus Spendengelder. Auf Entscheidung des Synoden-Rats wurde sie „Christus-Erlöser-Kirche“ genannt. Ebenso ernannte der Rat Juri Nowgorodow zum Erzbischof der lutherischen Kirche in Kasachstan.

An den Feierlichkeiten nahmen vor allem Vertreter lutherischer, aber auch römisch-katholischer Kirchen teil. Sie kamen unter anderem aus Deutschland, Russland, Kirgisistan und der Ukraine. Auch der Minister für religiöse Angelegenheiten und Zivilgesellschaft in Kasachstan, Nurlan Jermekbajew, war bei der Einweihung. In Kasachstan gebe es heute offiziell 18 registrierte Konfessionen, die in Frieden und Harmonie nebeneinander bestehen, sagte er. „Kasachstan ist bekannt für seine Traditionen des guten und friedlichen Mit– und Nebeneinanders verschiedener Konfessionen. Ich bin überzeugt davon, dass die Tätigkeit der Christuskirche in Astana dem Frieden, dem Fortschritt und der Einigkeit aller Bürger Kasachstans dienen wird.“ Der Bürgermeister von Astana, Aset Isekeschew, gratulierte ebenfalls zur Eröffnung der Kirche.

Zentrum des evangelischen Glaubens

Der Bau der Christus-Erlöser-Kirche ist ein wichtiger Schritt in Richtung Vereinigung aller Lutheraner und gilt als überaus symbolisch, da gerade in Akmolinsk, dem heutigen Astana, die Wiedergeburt des lutherischen Glaubens stattfand. Die Einweihung der Kirche stand ganz im Zeichen des 500-jährigen Reformationsjubiläums der Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Republik Kasachstan.

Lange Tradition in Kasachstan

Die ersten Lutheraner in Kasachstan waren Auswanderer aus dem europäischen Teil Russlands in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts. Insbesondere zu Zeiten der tiefgreifenden Reformen von Stolypin, der Repressionen unter Stalin und der Zwangsdeportationen der 1930er und 1940er Jahre verließen viele Lutheraner Russland in Richtung Kasachstan. Nach den Säuberungen in den Jahren 1936-1937 blieben von 2000 lutherischen Kirchendienern in der gesamten UdSSR nur drei übrig. 1955 lebte die lutherische Glaubensgemeinschaft in Akmolinsk wieder auf und wuchs ständig an, bis sich 1993 alle lutherischen Gemeinden Kasachstans zu einer selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche zusammenschlossen.

Anastasija Krowizkaja

Zusammengefasst und übersetzt aus dem Russischen von Claudia Schwaiger