Das Fest der deutschen Sprache wurde am Freitag den 14. April an der Ablai-Chan-Universität für Weltsprachen in Almaty gefeiert. Alle Studenten und Schüler, die in Almaty Deutsch lernen, waren eingeladen. Die Schulen stellten im Rahmen des Deutschlehrertages mit kleinen Aufführungen ihre Sprachkenntnisse vor.

In der Aula der Ablai-Chan-Universität in Almaty herrscht nervöse Stimmung. Die 200 Zuschauer in den kinoähnlichen dunkellilafarbenen Plüschsesseln flüstern leise miteinander. Sie blicken nach vorn auf die Bühne, die von einem schweren, blauen Samtvorhang umrahmt ist. Daneben stehen drei Frauen hinter einer Säule, an der ein Poster von Albert Einstein hängt. Sie sind an angesteckten roten Herzen leicht als Lehrerinnen zu erkennen. „Deutsch im Herzen“ ist darauf zu lesen. Alle Aufsichtspersonen tragen diese selbstgebastelten Papieranstecker. An der Bühne prangt das gleiche rote Herz, nur größer. Ein Banner direkt darüber weist die Veranstaltung als „Fest der deutschen Sprache“ aus.

Rammstein und „Der liebe Augustin“

Die Lehrerinnen versuchen sechs Mädchen in schwarz-roten Kleidern in einer Reihe aufzustellen. Den Auftakt der Veranstaltung bilden die Schülerinnen der Schule 12, die einen spanischen Tanz in wehenden Kleidern temperamentvoll vortragen. Sofort klatschen die Zuschauer, von den kleinen Tänzerinnen begeistert, eifrig im Takt mit. Eine Studentin des höheren Semesters leitet souverän durch das Fest und kündigt die jeweils nächsten Vorführungen an. Der Altersklasse nach beginnen die jüngsten Schüler mit ihren Darbietungen. Drei Jungen der Schule 87 in Anzügen und Krawatte versuchen ein Kurzgedicht „Wir lieben unsere Heimat“ auswendig aufzusagen. Verunsichert nestelt einer am Spickzettel, beginnt den ersten Satz dreimal, und gibt schließlich auf. Er rennt von der Bühne, woraufhin seine beiden Partner mit Blick auf die Zettel in rasend schnellem Tempo in kaum verständlichem Deutsch, aber unter tosendem Beifall und einigen Lachern, ihre Verse aufsagen. Ein Tanz mit bunten Schirmen wird von der Abendserenade Schuberts abgelöst, es folgt das Gedicht „Der Fichtenbaum“ von Heinrich Heine, dann ein Walzer von Strauss. Kleine, teils selbst ausgedachte Theaterstücke werden gezeigt, mal sicher auswendig gelernt, mal unter Zuhilfenahme von Merkzetteln. Auch die 18 bis 20-jährigen Studenten haben manchmal Mühe, ihre Texte sicher vorzutragen. Sie rezitieren Kästner, führen eine Szene aus „Der Herr der Ringe“ vor, singen deutsche Popsongs. Ein Student der Abai-Universität spielt ergreifend auf der Gitarre das Lied „Sonne“ von der deutschen Hardrockband „Rammstein“ und singt dazu. Aber auch der „Liebe Augustin“ und ein Gedicht von Ingeborg Bachmann sind im Programm.

Deutsch lernen in Almaty

Die Organisatorinnen Bachyt Spikbajewa, Präsidentin des Deutschlehrerverbandes Kasachstan, und Frau Schibek Mukaschewa, Präsidentin des Deutschleherverbandes Almaty, wirken beflügelt. „Wir freuen uns, dass viele Teilnehmer aller Altersklassen ein so abwechslungsreiches Programm geboten haben. Es wurde getanzt, gesungen und rezitiert. Das zeigt, wie sehr wir die deutsche Sprache lieben!“, so die Lehrerinnen. Tatsächlich wurde von ernsten Liedern und Theaterstücken über heitere Vorträge mit vielen Lachern bis hin zu energischen Tänzen jede Menge Kurzweil geboten. Ziel des Deutsch-lehrertages sei es ja auch, Werbung für die deutsche Sprache zu machen.

Seit zehn Jahren wird das Fest traditionell veranstaltet. Daran nehmen Schüler teil, die in linguistischen Gymnasien ab der ersten Klasse Deutsch haben, und solche, die mit Eintritt in die Mittelschule eine Stunde pro Woche Deutsch lernen. Studenten an der romanisch-germanischen Fakultät werden 18 bis 20 Stunden wöchentlich unterrichtet. Die mündliche Abschlussprüfung müssen sie an den hiesigen Universitäten absolvieren, der schriftliche Teil wird in Wien korrigiert und dann bei Bestehen das Staatliche Österreichische Sprachdiplom (ÖSD) ausgestellt. Nach vier Jahren erhalten die Studenten der Ablai-Chan-Universität den „Bachelor“, und können mit diesem Abschluss bereits als Deutschlehrer an Mittelschulen und linguistischen Gymnasien unterrichten, oder ein weiteres Studium beginnen.

Lehrbücher werden den Schülern zum Beispiel durch das Goethe-In-stitut und die Deutsche Botschaft bereitgestellt. „Wir lehren nach den neuesten Methoden und mit den aktuellsten Büchern“, betont Bachyt Spikbajewa, die seit 33 Jahren Deutsch unterrichtet. So bestehen die Preise für alle Teilnehmer neben einer Urkunde auch aus Büchern und Landkarten. Die Organisatorin fasst die Vorteile für die Deutsch lernenden Schüler zusammen: „Deutschland ist ein reiches Land, wir wollen den Studenten die Möglichkeit bieten, sich auch an den sehr guten deutschen Universitäten einzuschreiben. Das können sie nur mit den jeweiligen Sprachkenntnissen.“ Unterstützt wird dieses Vorhaben durch Stipendien, die von der Republik Österreich an kasachische Studenten vergeben werden. Eine Studentin erklärt, warum sie sich für Deutsch als Fremdsprache entschieden hat: „Ich erhoffe mir dadurch später bessere Berufsaussichten. Wir sind alle froh, die Möglichkeit zu haben, die deutsche Sprache zu lernen. Wenn man fleißig ist, kann man ja sogar ein Stipendium bekommen!“

Nach zwei Stunden ist die Veranstaltung vorüber, nur noch wenige Zuschauer sind anwesend, die meisten sind schon während der Feier mit den bereitgestellten Bussen zu ihren Schulen zurückgebracht worden. Schnell verlassen die Übriggebliebenen die Aula. Die Herzplakate werden eilig abgehängt. Als wäre dort nie ein deutsches Wort gesprochen worden, ist auch Einstein mit einem Mal von der Säule verschwunden.

Von Eva Hotz

21/04/06

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