Studenten aus Zentralasien entdecken gemeinsam den Spaß am Deutschlernen. In diesem Frühling lud das DAAD-Informationszentrum Almaty, gemeinsam mit der Technologischen Universität Almaty (ATU) Studenten aus ganz Zentralasien ein, sich für den jährlichen Hochschulsommerkurs Tau-Turgen „Deutsch in Studium und Beruf“ zu bewerben.

 

Nach einem leichten Anstieg in den vergangenen Jahren konnte das DAAD-Informationszentrum in Almaty in diesem Jahr ein Rekordhoch an Bewerbungen für den Sommerkurs verzeichnen. Mehr als 200 Studierende aus ganz Zentralasien bewarben sich für die begrenzte Zahl der Plätze. Trotz der zunehmenden Fokussierung vieler Studenten auf die englische Sprache reißt das Interesse an Deutschland nicht ab. Dies lässt auch mit Hoffnung auf die kommenden Jahre blicken.
Schließlich kamen im Juni 21 Studenten und Studentinnen aus allen Teilen Kasachstans sowie aus Kirgisistan und Tadschikistan im Hof des Erholungsheims Tau-Turgen zusammen, um sich in den nächsten zehn Tagen gänzlich der deutschen Sprache zu widmen.
Ziel des Hochschulsommerkurses war es, Studenten aus nicht philologischen Fachrichtungen weiterhin zu motivieren, Deutsch zu lernen. Das Sprachniveau der Teilnehmer lag zwischen A2 und B1. Nach Erfahrung der Lehrkräfte des DAAD entscheiden sich viele Studenten in dieser Phase des Lernens, ob sie sich weiter mit der Sprache beschäftigen, oder sich etwas anderem widmen wollen. Diese „Wackelkandidaten“ sollten dadurch weiter in ihrem Willen, sich der deutschen Sprache zu widmen, gestärkt werden. Ein zweites Anliegen war es, Lernende zu begeistern, die sich nicht bewusst zum Lernen der deutschen Sprache entschieden hatten, sondern seitens ihrer Universität dazu verpflichtet waren.

Jeder Lehrende ein Gewinn

Während der gesamten Zeit gab es täglich zwei Seminarblöcke mit einer Dauer von jeweils drei Stunden. Unter der Leitung von DAAD– Lektor Florian Tack, DAAD-Sprachassistent Michael Galbas, Deutschlehrerin Swetlana Kim (Technologische Universität Almaty) und DAAD-Praktikant Max Helmes wurden verschiedenste grammatische, landeskundliche und interkulturelle Themen behandelt.
Bei kreativer Zusammenarbeit lernten sich die Studenten untereinander besser kennen. | Foto Swetlana KimUm die Studenten nicht mit stundenlangen Erörterungen über grammatische Sachverhalte zu entmutigen, wurde Wert darauf gelegt, sich gleichzeitig auf die Vermittlung von landeskundlichen Aspekten über Deutschland zu konzentrieren. Beispielsweise setzte sich ein Seminar zum Ziel, die Studenten für die Wiederverwertung von Müll zu begeistern. Zugleich wurden so neue Vokabeln rund um das Thema Müll, dessen Recycling und nachhaltiges Handeln erlernt. Auch Seminare wie Jugend– und Umgangssprache oder Musik sorgten für Erheiterung und unbeschwertes Lernen.
DAAD-Lektor Stephan Kehl, der im Moment in Karaganda arbeitet, begleitete die Gruppe zwei Tage lang und sorgte mit interaktiven Musik– und Fußballseminaren bei den Studierenden für Begeisterung. Der Name sowie die Expertise des gelernten Behindertenpädagogen war bereits einigen Studenten des Sommerlagers ein Begriff. Nun konnten sie sich in sechs Stunden Seminararbeit selbst davon überzeugen. Die Gesänge der deutschen Gruppe „Die Toten Hosen“ hallten noch bis zum letzten Tag des Hochschulsommerkurses durch die Gänge des Ferienheims.
Die Abwechslung bei den Lehrkräften hatte eine erfrischende Wirkung auf die Studenten, die sich stets auf eine andere Sprachverwendung des jeweiligen Muttersprachlers einstellen mussten. So konnten die Teilnehmer nach ein paar Tagen gesprochenes Deutsch verstehen und darauf reagieren. Auch nahm die Angst vor dem Sprechen mit jedem Tag stetig ab.
Gleichzeitig konnte so die Sinnhaftigkeit von Grammatikthemen deutlich gemacht werden, für die Studenten im Unterrichtsalltag sonst schwer zu motivieren sind. Für diese zeigte sich hauptsächlich Swetlana Kim von der Technologischen Universität Almaty verantwortlich, die bereits seit vierzig Jahren Deutsch unterrichtet und viel Erfahrung und Fachwissen in dem Bereichen Didaktik und Aufbereitung komplexer grammatischer Verhältnisse aufweist.
Ferner wurden in dem Seminar „Fachsprache“ Themen behandelt, die weniger für das deutsche Alltagsleben von Wichtigkeit sind, sondern darauf abzielen, den Studenten Vokabular zu vermitteln, das sie im späteren Berufsalltag möglicherweise brauchen könnten. Wörter wie Isolierband, Begriffe für verschiedene Arten von Plastik und vieles mehr lieferten einen Vorgeschmack auf das deutsche Wissenschaftsvokabular.

Erwartungen und Reales

Viele Deutschlerner in Kasachstan lernen Deutsch mit dem Ziel, in ihrem späteren Berufsleben einmal in Deutschland zu arbeiten oder zu studieren. Ein zweiter Teil möchte deutsche Fachliteratur verstehen, die sich mit seinem akademischen Fachgebiet beschäftigt. Einen dritten Teil stellen die Angehörigen der deutschen Minderheit in Kasachstan dar, die sich danach sehnen, die Sprache ihrer Vorfahren zu sprechen.
Ein weiteres Seminar zielte darauf ab, den Studenten die unterschiedlichen Erwartungen an Studienbewerber in Deutschland und Kasachstan darzulegen. Häufig scheitern Bewerbungen nicht an fehlendem Fachwissen oder akademischer Eignung, vielmehr an mangelnder Kenntnis der Erwartungshaltung deutscher Universitäten an die Studienbewerber. Genauso verhält es sich mit Bewerbungen, die sich auf Stipendien des DAAD richten.
Diesem Mangel an kulturellem Wissen sollte das Seminar „Bewerbungstraining“ Abhilfe schaffen. Hierbei wurden sogenannte „Do’s and Dont’s“ beim Verfassen von Bewerbungen für den deutschsprachigen Raum erörtert und den Studierenden mit auf den Weg gegeben.

Wissensvermittlung inmitten von Natur und Kultur

Bei intensive Arbeit trotzt strahlendem Sonnenschein. | Foto Swetlana KimInsgesamt war es den Lehrenden ein Anliegen, den Teilnehmern des Hochschulsommerkurses ein möglichst breites Deutschlandbild zu vermitteln. Einerseits wurde von den Studenten exakte Pünktlichkeit bei den Seminaren verlangt, andererseits wurde viel Raum zur Entwicklung und Umsetzung eigener Ideen gegeben. So konnten sich die Studenten in eigenen kleinen Projekten überlegen, wie sie ihr bereits erworbenes Wissen über die deutsche Sprache an andere weitergeben könnten.
Den Höhepunkt des Hochschulsommerkurses stellte für die meisten Teilnehmer die gemeinsame Exkursion dar. Die erste Station war der nahegelegene Wasserfall, der sich inmitten der zahlreichen Berge der Region Turgen befindet. Kurz darauf hatten die Studenten die Möglichkeit, das Museum des Goldenen Mannes zu besichtigen. Hier konnten sich vor allem die ausländischen Studentinnen ein gutes Bild von der jüngeren Geschichtsschreibung Kasachstans machen. Zum Abschluss konnte die Gruppe den sagenhaften Ausblick rund um den Issyk-See genießen. Hierbei wurde gemeinsam spaziert, entspannt und Kraft für die kommenden Tage gesammelt. Im Verlauf des Hochschulsommerkurses vertiefte sich der Eindruck von der Wichtigkeit solcher Veranstaltungen für alle Teilnehmer.
Zwar steigen die Bewerberzahlen für Stipendien und Studienplätze in Kasachstan weiterhin, jedoch lässt die zukünftige Entwicklung vermuten, dass es mit der fortschreitenden Etablierung des Englischen nicht leicht für deutsche Institutionen werden wird, das Interesse auf dem gleichen Niveau zu halten. Betrachtet man die kürzlich gefällte Entscheidung der kasachischen Regierung, Englisch als zweite Fremdsprache einzuführen, bleibt die Frage, wie viele Schüler und Studenten sich letzten Endes dafür entscheiden werden, Deutsch als dritte Fremdsprache zu lernen. Hierbei kommen neue Herausforderungen auf die deutschen Sprachinstitutionen in Kasachstan zu. Nichtsdestotrotz stimmen gerade solche Projekte hoffnungsvoll, die durch Hochschulen, wie beispielsweise die Technologische Universität Almaty und weitere, Unterstützung erfahren.
Der DAAD Almaty freut sich bereits auf viele Bewerber im kommenden Jahr!

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