Zahlreiche Erfindungen kommen aus Deutschland, etliche Entdeckungen wurden hierzulande gemacht. Als 1901 zum allerersten Mal der Nobelpreis vergeben wurde, konnten sich gleich zwei Deutsche freuen: Wilhelm Conrad Röntgen in der Kategorie Physik und Emil von Behring in Medizin.

2017 landete Deutschland auf Platz vier der Patentanmeldungen laut der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO). Die Amerikaner, Chinesen und Japaner sind den Deutschen in Sachen Erfindungen mittlerweile weit voraus. Vor allem auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) können die Asiaten punkten. Der chinesische Telekommunikationsausrüster Huawei hat 2017 die meisten Patente angemeldet.

Doch was wird hierzulande erfunden? Die Deutschen liegen laut Europäischem Patentamt in den klassischen Gebieten Transport, elektrische Maschinen, Geräte und Energie sowie Messtechnik vorn. Zu den erfolgreichsten Unternehmen gehören Siemens, Robert Bosch und BASF. Insbesondere in den Spezialbereichen Digitale Datenübertragung und Elektrofahrzeuge melden deutsche Unternehmen Patente an. Dabei werden durch die Digitalisierung die Strategien von Automobil- und Transportunternehmen zunehmend denen von IKT-Unternehmen ähnlicher.

Die TOP 10-Länder, die 2017 Patente bei der WIPO angemeldet haben. Quelle: WIPO

Gerade im Bereich Elektromobilität hängt Deutschland hinterher. Besonders schmerzlich, wurde doch in Baden-Württemberg das Automobil erfunden. Doch während derzeit über Grenzwerte für Feinstaub und Fahrverbote diskutiert wird, schafft die Politik kaum Anreize, weder für Hersteller noch für Käufer in Fahrzeuge mit Elektroantrieb, zu investieren. Dabei sind BMW und Volkswagen gar nicht einmal so schlecht für die e-mobile Zukunft aufgestellt – allerdings eben mit Blick auf die beiden größten Absatzmärkte China und USA. Eine Studie der Internationalen Energieagentur zeigt auf, dass 2017 Elektroautos in Norwegen den höchsten Marktanteil mit 39,2 Prozent hatten. Danach folgten Island mit 11,7 Prozent, Schweden mit 6,3 Prozent und China mit 2,2 Prozent. Deutschland kam auf einen Anteil von 1,6 Prozent.

Ein anderes Problemfeld: Schnelles Internet. Trotz allem Erfindungsreichtum der Deutschen liegt hier die Gefahr für im Wettbewerb um Innovationen abgehängt zu werden. Während vor allem im ländlichen Raum noch große Lücken in der flächendeckenden Mobilfunkabdeckung klaffen, diskutiert die Politik darüber, wer das neue ultraschnelle 5G-Netzwerk hierzulande aufbauen soll. Neben Huawei sind der kleinere chinesische Netzwerkausrüster ZTE, das US-Unternehmen Cisco, Samsung aus Südkorea, Ericsson aus Schweden und Nokia aus Finnland im Gespräch. Deutsche Unternehmen: Fehlanzeige.

An diesem Dienstag begann für die Mobilfunknetzbetreiber die Auktion um die Frequenzen. Im internationalen Vergleich ist Deutschland unter den Industriestaaten damit ein Spätzünder. Und auch bei der Breitbandgeschwindigkeit schafft es die Bundesrepublik nur auf Rang 25 von 200 Ländern. Wichtig ist ein schnelles Internet insbesondere, um die Vision der Industrie 4.0 umzusetzen. Die Idee ist es, eine intelligente Fabrik zu schaffen: Maschinen, Werkstücke und Transportmittel, die über Sensoren, Aktoren und winzige Rechner miteinander und mit dem Internet vernetzt sind.

Doch gerade im Maschinenbaubereich kommt hinzu, dass sich chinesische Unternehmen gerne in deutsche Konzerne einkaufen, um so an die Technologien zu kommen, wie es zum Beispiel beim Maschinenbau Unternehmen Kuka 2016 geschah. Wirtschaftsminister Peter Altmaier erklärte dazu in dieser Woche, dass Deutschland bereits mehrere Gesetze des Außen- und Wirtschaftsrechts verschärft habe, um dieser Praxis entgegenzutreten.

Im Januar dieses Jahres wurde in Kasachstan die größte Solaranlage Zentralasiens eingeweiht – gebaut von einem deutschen Unternehmen. In Deutschland selbst kommt der Ausbau der erneuerbaren Energien derweil nur schleppend voran. 2017 wurden 36,2 Prozent des Stroms von Wind-, Wasser und Solarkraft sowie Biomasse erzeugt. Bis 2025 soll dieser Anteil auf 40 bis 45 Prozent steigen. Dabei ist jetzt schon klar, dass durch den Atomausstieg eine Versorgungslücke entstehen wird. Vor allem in Bayern und Baden-Württemberg, wo durch die Industrie viel Energie benötigt wird, werden Sorgen laut, dass nach der Abschaltung des letzten AKW im Jahr 2022 eine „Stromlücke“ droht. Doch das milliardenteure „Südlink“-Projekt, das Windenergie aus dem Norden transportieren soll, ist durch zahlreiche Proteste von Bürgerinitiativen ins Stocken geraten.

Fazit: Deutsche sind weiterhin erfindungsreich. Die Anreize kommen aber eher von außerhalb. Die deutsche Politik muss mehr tun, um Innovationen zu fördern.

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