Europa ist vielfältig und spannend, Deutschland ist ein Märchenland. Das ist Ruchsaram Dzhasybaewa nach einem Jahr als Au-Pair in Deutschland in Erinnerung geblieben. Doch die 30-jährige Kasachin hat nicht nur positive Erfahrungen während ihres Aufenthaltes in Stadthagen bei Hannover gemacht. In der DAZ erzählt sie von ihren Reisen durch Europa, verzogenen Kindern in der Gastfamilie und ihrem Heimweh.

/Bild: privat. ‚Als Au-Pair in Dresden: Ruchsaram Dzhasybaewa (links) verband Abenteuer und Arbeit miteinander.’/

Was würdest du als dein schönstes und was als dein schlimmstes Erlebnis in deiner Zeit als Au-Pair nennen?

Das Schönste war auf jeden Fall das Reisen, da habe ich viele tolle Städte und Landschaften kennen gelernt. Von Deutschland aus konnte ich ganz Europa bereisen und habe einiges gesehen, wie zum Beispiel Dänemark oder Paris. Das Schlimmste oder auch Schwierigste war für mich das Heimweh, unter dem ich ein wenig gelitten habe und die Sehnsucht nach Zuhause, nach Familie und Freunden.

Wie lange hat es denn gedauert, bis du dich richtig eingewöhnt hattest?

Die Eingewöhnung war schon etwas schwierig. Ich würde sagen, dass ich mich in Deutschland nach drei Monaten richtig wohl gefühlt habe. Dann konnte ich genügend Deutsch verstehen und sprechen. Nur mit ausreichenden Deutschkenntnissen kann man sich in ein fremdes Land bestmöglich integrieren. Ich habe auch einige Aussiedler getroffen, die schon lange in Deutschland leben, jedoch kein Deutsch können und es auch nicht lernen wollen. Da frage ich mich, warum das so ist. Ich kann das nicht verstehen.

Erzähl doch noch ein bisschen mehr von deiner Gastfamilie. Wie seid ihr miteinander zurechtgekommen?

Ich habe insgesamt einen guten Griff mit meiner Gastfamilie gemacht. Wir haben uns meist sehr gut verstanden, und unsere Beziehung zueinander ging auch über das normale Arbeitsverhältnis hinaus. Was mir aber nicht so gut gefallen hat, ist, dass ich viel mehr Arbeit hatte als zuvor vereinbart. Eigentlich sollte ich mich nur um die Tochter der alleinerziehenden Mutter kümmern, dann musste ich auch den Großeltern helfen und dort putzen. Manchmal gab es auch Ärger mit der Mutter, zum Beispiel, wenn die Tochter, ohne zu fragen den Fernseher angestellt hatte und ich es zu spät bemerkt habe. Dann hat sie mit mir geschimpft und gesagt, das Kind solle nicht fernsehen, es wäre meine Aufgabe, mit ihm zu spielen und zu basteln. Die Kinder in Kasachstan sind besser erzogen als in Deutschland. Sie gehorchen. Aber vielleicht war das Kind nur sehr verwöhnt.

Welche Erfahrungen aus deiner Zeit in Deutschland sind dir denn am ehesten im Gedächtnis geblieben? Was hat dir der Aufenthalt im Nachhinein gebracht?

Ich würde sagen, dass mir der Aufenthalt sehr viel gebracht hat. Ich mag Deutschland und die deutsche Sprache schon ewig. Daher war es eine tolle Erfahrung. Vor allem habe ich viel besser Deutsch gelernt, auch die Umgangssprache, die man nicht in einem Sprachkurs lernt. Dann habe ich die deutsche Kultur, die Traditionen, Bräuche und Sitten hautnah erfahren dürfen, wie zum Beispiel an Weihnachten. Und die Reisen durch Europa muss ich wieder nennen, diese Möglichkeiten habe ich in Kasachstan nicht. Schön war außerdem, dass es so einfach ist, Sport zu machen. Man kann zum Beispiel ins Schwimmbad gehen oder eine Fahrradtour unternehmen. Das ist in Kasachstan schwieriger und auch teurer.

Interview: Kathrin Justen

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