Die Sagen wurden von Schülern der Klassen 7-9 des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums (DSD-Schule Nr. 12) in Ust-Kamenogorsk aus dem Kasachischen ins Deutsche übersetzt.

In uralten Zeiten lag an dem Ort, an dem heute die Stadt Ridder liegt, eine kleine Siedlung. In ihr lebten edle, schöne Menschen, die in großem Reichtum ein glückliches Leben führten. Doch nicht lange währte ihr Glück. Denn in der Nähe ihrer Siedlung ließ sich ein grausamer Riese nieder. Er ernährte sich ausschließlich von jungen Mädchen. So kam es, dass er dreimal täglich von den Dorfbewohnern ein Mädchen forderte, um es zu verspeisen. Wer es wagte, sich seinem Verlangen zu widersetzen, wurde ermordet. Bald hatte jedes Haus den Tod einer Schwester, Tochter oder Enkelin zu beklagen.

Eines Tages kam die Reihe an die Tochter des Schmieds. Sie war das schönste Mädchen im Dorf und jeder junge Mann träumte davon, sie zur Frau zu bekommen. Sie hatte drei Brüder, die klug und stark waren. Es war unvorstellbar für jene, dass ihre Schwester dem Riesen geopfert werden solle. Lieber wollten sie gegen den Riesen kämpfen, auch wenn sie und ihr ganzes Dorf dabei sterben sollten. Bevor sie in den ungleichen Kampf zogen, erbaten sie von ihrer Großmutter den Segen. Die alte Frau hatte lange gelebt und kannte viele Lebensgeheimnisse, die sie bisher immer für sich behalten hatte. Auch konnte sie in die Zukunft blicken. Als sie die Klagen ihrer Enkelsöhne hörte, seufzte sie tief und sprach zu ihnen: „Nur drei sich aufrichtig liebende Menschen können diesen Riesen besiegen. Doch wenn der erste Sonnenstrahl hinter den Bergen hervorkommt, werden sie sterben.“

Mit schwerem Herzen, aber entschlossen, bereiteten sich die Brüder auf den Kampf vor. Sie schärften ihre Schwerter, legten die neuen Panzerhemden an, die ihr Vater extra für sie geschmiedet hatte und begaben sich zum Riesen. Den Kampf, der nun folgte, sah niemand. Doch sah man sie danach, wie sie sich an den Armen hielten und mit ihren Gesichtern still nach Osten blickten. Mit dem ersten Sonnenstrahl verschwanden sie. Seit dieser Zeit stehen an jenem Ort drei Berge, die sich im Aussehen ähneln und deren Gipfel zum Himmel streben. Hinter ihnen steigt jeden Tag aufs Neue die Morgenröte auf.

Man erzählt sich, dass die Schwester Tag und Nacht um ihre drei Brüder geweint hat. Eines Tages verließ sie heimlich ihr Elternhaus und verschwand für immer. Am Gipfel des mittleren Berges begann eine kleine Quelle zu sprudeln, aus der am Fuß des Berges ein Bach wurde. Wer dieses Wasser trinkt, stellt fest, dass es nach Salz schmeckt. Es sind die Tränen der Schwester, sagen die Menschen in dieser Gegend.

Autoren: Laura Kystaubaeva, Maxim Hridin, Aljona Gawsova, Maxim Braunbek, Nikita Potapov, Xenja Gorbacheva, Maria Batova

Unterstützt wurden sie von Saule Kabidollina und Wolfgang Nietzel (Deutsch-Lehrer).

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