Der Botschafter der Bundesrepublik Dr. Guido Herz verrät, wie sich die bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Kasachstan entwickeln, und spricht im Interview über zukünftige Herausforderungen.

Herr Herz, wie entwickeln sich die bilateralen Beziehungen zwischen Kasachstan und Deutschland?

Die Beziehungen zwischen Deutschland und Kasachstan haben sich in den letzten Jahren hervorragend entwickelt. Kasachstan ist der bei Weitem der wichtigste Handelspartner Deutschlands in Zentralasien mit einem Handelsvolumen von ca. 6 Mrd. Euro. Mit der strategischen Neuausrichtung von Präsident Nasarbajew zu grünen Technologien eröffnet sich ein neues und chancenreiches Tätigkeitsfeld für die deutsche Wirtschaft. Wenn wir es jetzt noch gemeinsam schaffen, das im letzten Jahr abgeschlossene Rohstoffabkommen mit Leben zu erfüllen, werden unsere Wirtschaftsbeziehungen einen weiteren Schub bekommen.
Nicht vergessen sollten wir auch die kulturelle und die bildungspolitische Zusammenarbeit. Wir haben hier in Kasachstan ein Netzwerk von 16 Partnerschulen, in denen verstärkt Deutsch unterrichtet wird. Hinzu kommen die zahlreichen Hochschulpartnerschaften, mit denen wir das Fundament für die gute Deutschkenntnisse der Menschen in Kasachstan legen. Dabei möchte ich ganz besonders die Wiederbelebung des Germanistiklehrstuhls an der Eurasischen Universität in Astana erwähnen. Es ist ein großer Erfolg, dass wir in diesem Jahr, nach einer langen Durststrecke, das erste Mal wieder 24 Studenten dort haben, die Germanistik studieren.

Bei den deutsch-kasachischen Beziehungen sollte man immer die besondere Rolle der deutschen Minderheit in Kasachstan vor Augen haben. Dank den Kasachstandeutschen, sowohl in Deutschland als auch hier in Kasachstan, besteht ein dichtes und oft auch familiäres Beziehungsgeflecht, das für uns im Vergleich zu anderen Ländern einen echten Wettbewerbsvorteil bildet.

Was schätzen Sie an dem Land Kasachstan und seinen Menschen?

An Kasachstan schätze ich besonders die Vielfalt des Landes und seiner Menschen. Einerseits gibt es beispielsweise moderne und sehr lebendige Städte wie Astana und Almaty, andererseits kann man verschiedene, zum Teil noch unberührte Landschaften entdecken. Ich schätze sehr die Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit der Menschen. Gerade in Astana kann man sehen, wie sich der Übergang von einem postsowjetischen Entwicklungsland zu einem modernen und zukunftsfähigen Staat gestaltet, und das in vielen Bereichen erfolgreich. Kasachstan ist heute ein geschätzter Partner auf der großen Weltbühne. Die letzten Gespräche zum iranischen Nuklearprogramm und der „Heart-of-Asia-Gipfel“ in Almaty, die erfolgreiche Bewerbung um die Expo 2017, und nicht zuletzt der OSZE-Gipfel 2010 in Astana waren der beste Beweis dafür.

Was sind die größten Herausforderungen hier?

Die größte Herausforderung in der Wirtschaft ist der Übergang von einer Rohstoffwirtschaft zu einer modernen und diversifizierten Wirtschaft, und im politischen Bereich die Herausbildung dauerhafter und tragfähiger rechtsstaatlicher Institutionen. Die kasachische Führung hat erkannt, welche Gefahren für ein Land durch den „Rohstofffluch“ entstehen können und versucht dem entgegenzuwirken. Hinzu kommen die sozialen Probleme, die ein solcher Transformationsprozess mit sich bringt. Der Wohlstand ist in Kasachstan in den letzten Jahren rasant angewachsen. Dieser Wohlstand muss im Interesse der langfristigen Stabilität des Landes breiten Schichten der Bevölkerung zugute kommen. Durch die Profilierung Kasachstans auf dem internationalen Parkett wachsen die Erwartungen. Gerade bei den wichtigen Grundrechten, wie zum Beispiel der Meinungs- und Versammlungsfreiheit, muss sich Kasachstan an diesen Erwartungen messen lassen.

Was war bisher Ihr schönstes Erlebnis, wenn Sie auf zwei Jahre Amtszeit als deutscher Botschafter zurückblicken?

In jedem Jahr war es schön, wenn der bittere Astana-Winter vorbei war! Das wichtigste politische Ereignis war sicher der Besuch des Bundesaußenministers Guido Westerwelle in Astana Ende August 2012.

Warum sind sie nicht Mediziner geblieben? Hilft Ihnen ihr Medizinstudium manchmal im Dienst als Deutscher Botschafter?

Mein Interesse an Politik und an fremden Kulturen hat mich dazu gebracht, nach dem Medizinstudium in die Diplomatenlaufbahn zu wechseln. Hinzu kommt, dass ich auch in der Diplomatie mit Menschen arbeiten kann, was mir sehr wichtig ist. Mein Medizinstudium hilft mir insoweit, dass ich dabei analytisches Denken gelernt habe und erfahren habe, wie wichtig Präzision ist. Beide Fähigkeiten sind auch in der Diplomatie gefordert.

Mögen Sie „Halloren-Kugeln“?

Na klar mag ich „Halloren-Kugeln“ – ich bin schließlich in Halle geboren! Staatssekretär Tullner aus Sachsen-Anhalt hat uns nach seinem Besuch in Astana und Almaty kürzlich ein kleines Schächtelchen mit „Halloren-Kugeln“ hinterlassen. Davon habe ich mir in den letzten Tagen immer wieder mal eine gegönnt.

Wie begehen Sie persönlich den 3. Oktober?

Der 3. Oktober als Nationalfeiertag Deutschlands ist für mich, wie für alle Deutschen, ein sehr wichtiger Tag. In meinen jungen Jahren hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass es eine friedliche Wiedervereinigung von DDR und Bundesrepublik geben würde. Daher freue ich mich jedes Jahr aufs Neue, diesen Tag zu feiern. Auch in diesem Jahr gebe ich einen Empfang, um mit Gästen aus Deutschland und Kasachstan die Bedeutung des Tages zu würdigen.

Herr Dr. Herz, vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Dominik Vorhölter

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